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Krisengipfel in Mekka : Iran, das tückische Dilemma

Mohamed bin Salman auf dem Krisengipfel des Golfkooperationsrates Bild: dpa

Bei Amerikas arabischen Verbündeten herrscht Genugtuung über die neue Härte gegen Iran. Doch in die mischt sich Sorge. Denn eines wünschen sie sich überhaupt nicht.

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          Dafür, dass es sich um einen Dringlichkeitsgipfel handeln sollte, hatte sich das saudische Königshaus Zeit gelassen. Zu der großen Zusammenkunft in Mekka am Donnerstagabend hatte König Salman fast zwei Wochen vorher eingeladen. Zunächst berieten die Staaten des Golfkooperationsrates GCC, dann die Vertreter der Arabischen Liga über „außergewöhnliche Herausforderungen“: die Spannungen in der Region, die weiter zunehmen, seit sich der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Iran verschärft.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Mitte Mai waren vier Öltanker vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate sabotiert worden. Die jemenitischen Houthi-Rebellen, die von Iran gefördert werden, hatten zudem eine wichtige Öl-Anlage in Saudi-Arabien mit einem Drohnenangriff beschädigt.

          Eine harte Haltung gegenüber Iran

          Der Gipfel von Mekka beschwor nun eine geeinte und harte Haltung gegenüber Iran. König Salman verurteilte „nackte Aggressionen“ und verlangte „entschlossene“ Schritte, um die „Eskalation“ durch das Regime in Teheran zu stoppen. Dieses wurde in der Abschlusserklärung des GCC-Treffens aufgefordert, damit aufzuhören, Milizen und Terrororganisationen zu finanzieren, sich in innere Angelegenheiten anderer Länder einzumischen und die Stabilität der Region zu gefährden. Außerdem wurde an die internationale Gemeinschaft appelliert, Iran im Zaum zu halten – und es wurde Unterstützung für die „amerikanische Strategie“ gegenüber Iran geäußert.

          Die Führungsmächte unter den arabischen Golfstaaten – Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate – sind erbitterte Feinde der Islamischen Republik und treue Verbündete Amerikas. Die Führung von Präsident Donald Trump hat zuletzt Schritte unternommen, die sie lange und vehement gefordert hatten. So hat Washington das Nuklearabkommen mit Iran aufgekündigt, sein Sanktionsregime verschärft und seine Militärpräsenz verstärkt. Zuletzt hat Trump, der eigentlich lieber Truppenabzüge ankündigt, 1500 zusätzliche Soldaten in Marsch gesetzt.

          Doch in die Genugtuung über die neue amerikanische Härte mischt sich Sorge. Amerikas arabische Verbündete stecken in einer Zwickmühe, denn eine militärische Konfrontation, die Washingtons Politik des „maximalen Ducks“ heraufbeschwören könnte, wünschen sie überhaupt nicht.

          Der frühere saudische Geheimdienstchef Turki al Faisal hatte vor dem Treffen in einem Beitrag für den Sender Al Arabija geschrieben, die Führer der Golfstaaten würden in Mekka wahrscheinlich vor allem darüber beraten, wie ein Krieg zu vermeiden wäre. Es gehe darum, „eine Katastrophe abzuwenden“. So wandeln Riad und Abu Dhabi stets auf dem schmalen Grat, Zähne zu zeigen, Stärke und Furchtlosigkeit zu demonstrieren, aber zugleich das Risiko eines Waffengangs einzudämmen.

          Risiko-Faktor Bolton

          Töne, die dieses Risiko erhöhen, sind in jüngerer Zeit vor allem von John Bolton gekommen, Trumps Nationalem Sicherheitsberater. Am Mittwoch war er in der emiratischen Hauptstadt Abu Dhabi zu Gast. Bolton verkündete dort, Seeminen hätten die Öltanker beschädigt – und es seien „fast sicher“ iranische. Außenminister Mike Pompeo stieß später ins selbe Horn. Die Führung in Abu Dhabi dagegen hatte sich mit Anschuldigungen zurückgehalten.

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