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Verkehrswende mit Hindernissen : Schneckentempo auf dem Balkan

Spielende Kinder neben den kaum befahrenen Bahngleisen in der südserbischen Industriestadt Bor im Mai 2021. Bild: Frank Röth

Nirgendwo auf dem europäischen Kontinent ist der Schienenverkehr so schlecht ausgebaut wie in Südosteuropa. Das weckt Chinas Interesse.

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          Irgendwo hinter Budapest ist Schluss. Denn nirgendwo auf dem europäischen Kontinent ist der Schienenverkehr so schlecht ausgebaut wie in Südosteuropa. Manche Hauptstädte auf dem Balkan sind überhaupt nicht auf dem Schienenweg miteinander verbunden, in anderen Fällen erlauben die Gleise nur Fahrten im Schneckentempo. Das beschäftigt auch die Europäische Union. Sie will mit ihrem „Grünen Deal“ bis 2050 einen grundsätzlichen Wandel hin zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft erreichen und dafür auf dem gesamten Kontinent und nicht nur in ihren Mitgliedstaaten den Schienenverkehr fördern. Doch auf dem Balkan erinnert das Ziel, zur Eindämmung des Klimawandels mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern, an eine ferne Vision.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Wie gewaltig die Aufgabe ist, die Eisenbahnen in Südosteuropa auch nur annähernd konkurrenzfähig zum Fracht- und Reiseverkehr auf den Straßen oder gar zum Fliegen zu machen, zeigt eine umfassende Studie zum Stand der Dinge unter den optimistischen Titel „Nächster Halt: Europa!“, die vom Belgrader Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung finanziert wurde. In Albanien, wo die Lage am schlimmsten ist, herrschen auf den meisten Strecken Geschwindigkeitslimits, die für einen Scherz halten könnte, wer in dem Land noch nie mit dem Zug gefahren ist: Auf gerader Strecke zuckeln die Züge mit zehn bis maximal 20 Kilometern pro Stunde durch die Landschaft, in Kurven muss grundsätzlich auf zehn und mitunter bis auf fünf Stundenkilometer abgebremst werden. Eine baldige Besserung ist nicht in Sicht: „Gegenwärtig fließt der überwiegende Teil des Verkehrsbudgets in die Straßeninfrastruktur“, heißt es in der genannten Studie über die albanische Politik.

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