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Verhör der Witwe : Bin Ladin hat siebeneinhalb Jahre in Pakistan gelebt

  • Aktualisiert am

Pakistanische Frauen in der Nachbarschaft der Bin Ladins in Abbottabad Bild: dapd

Usama Bin Ladins Witwe hat in Verhören offenbar bestätigt, dass Bin Ladin siebeneinhalb Jahre unbehelligt und unerkannt in Pakistan gelebt hat. Washington forderte Pakistan auf, Namen von Agenten ihres Geheimdienstes ISI preiszugeben.

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          Der Geheimdienst Pakistans gerät schwer unter Druck: Vor seinem Tod hat Usama Bin Ladin knapp siebeneinhalb Jahre unbehelligt und unerkannt in Pakistan gelebt. Das berichteten am Samstag übereinstimmend die „New York Times“ und die pakistanische „Dawn“ über die Ergebnisse der ersten Verhöre von Bin Ladens Witwe Amal al-Sadah.

          Jetzt verlangt Washington eine Erklärung aus Islamabad, da man eine Verstrickung des pakistanischen Geheimdienstes vermutet. „Man stelle sich vor, dieser Typ hat fast siebeneinhalb Jahre in Haripur und Abbottabad gelebt, und wir alle - Amerikaner und Pakistaner - haben ihn an der falschen Stelle gesucht“, zitierte die „Dawn“ am Samstag einen namentlich nicht genannten Vertreter der pakistanischen Sicherheitskräfte, der am Verhör der Witwe Bin Ladens beteiligt war.

          Bin Laden war vor wenigen Tagen von amerikanischen Spezialeinheiten in Pakistan aufgespürt und erschossen worden. Präsident Barack Obama gratulierte am Freitagabend den am Einsatz beteiligten Elitekämpfern der Kriegsmarine persönlich. „Ihr habt einen tollen Job gemacht“, sagte Obama auf dem Militärstützpunkt Fort Campbell im Bundesstaat Kentucky. Zusammen mit Vizepräsident Joe Biden ließ er sich von den Soldaten über die riskante Aktion unterrichten.

          Obama dankte den Soldaten

          „Bewusste Blindheit ist in Pakistan ein Überlebensmechanismus.“

          Unterdessen forderte die amerikanische Regierung die pakistanischen Behörden auf, Namen von Topagenten ihres Geheimdienstes ISI preiszugeben. Die amerikanischen Ermittler argwöhnen, dass pakistanische Agenten lange vom Aufenthalt Bin Ladens in Abbottabad wussten oder ihn gar gedeckt haben. Die pakistanische Regierung und die Armee wehren sich bislang gegen derartige Verdächtigungen. Ein amerikanischer Regierungssprecher sagte dagegen der „New York Times“, es gebe deutliche Hinweise. Der pakistanische Geheimdienst sei „im besten Fall bewusst blind“ gewesen, wurde der ehemalige CIA-Agent Art Keller zitiert, der vor Jahren an der Jagd nach dem Topterroristen beteiligt war. „Bewusste Blindheit ist in Pakistan ein Überlebensmechanismus.“

          Nach der Aussage der Bin-Laden-Witwe hatte der Chef des Terrornetzwerks bei der amerikanischen Invasion Afghanistans im Oktober 2001 das Höhlensystem in den Tora-Bora-Bergen verlassen und sich bis 2003 im Gebirge im Grenzgebiet zu Pakistan versteckt. Danach sei er in das pakistanische Dorf Chak Shah Mohammad im Bezirk Haripur „umgezogen“, ehe er mit seiner Familie im Jahr 2005 in das etwa 40 Kilometer entfernte Haus in Abbottabad umzog, in dem er vor wenigen Tagen getötet wurde.

          Wie die Witwe Al-Sadah sagte, hatte sie sich in der Nacht zum Montag gerade mit Bin Ladin ins Schlafzimmer zurückgezogen und das Licht gelöscht, als sie die ersten Schüsse hörten. Der Terrorchef habe noch nach seiner Kalaschnikow greifen wollen, als die amerikanischen Soldaten in das Zimmer stürmten und ihren Mann erschossen. Sie selbst sei von einer Kugel ins Bein getroffen worden.

          Attacke auf Qaida-Führer im Jemen

          Ein privates Telefonat hat die Fahnder anscheinend auf die Spur Bin Ladens geführt. Wie die „Washington Post“ berichtete, erregte ein Handy-Gespräch von Bin Ladins Kurier mit einem alten Freund die Aufmerksamkeit der amerikanischen Ermittler. Demnach habe der Freund den Kurier, Abu Ahmed al-Kuwaiti, gefragt, wo er denn so lange gesteckt habe. Daraufhin habe der geantwortet: „Ich bin wieder bei den Leuten, bei denen ich früher war.“ Als die amerikanischen Ermittler dieses hörten, sei ihnen klar gewesen, dass sie auf eine heiße Spur geführt worden seien, so die „Washington Post“.

          „Eine kleine Armee“ von Spezialisten der CIA und der Bundespolizei FBI wertet derzeit die in Abbottabad sichergestellten Unterlagen und technischen Geräte aus. Neben Festplatten von Computern, Disketten, DVDs und Mobiltelefonen seien aus Bin Ladens Unterschlupf auch unzählige Dokumente geborgen worden. „Alle Mann sind am Deck“, beschrieb ein Ermittler die hektische Arbeit der Spezialisten an der „Informations-Fundgrube“. Dabei habe es bereits „erste Spuren“ gegeben.

          Inzwischen haben die Vereinigten Staaten nach Medienberichten versucht, ein weiteres führendes Al-Qaida-Mitglied zu töten. Demnach wurden im Jemen von einer Drohne Raketen auf den gesuchten Hassprediger Anwar al-Awlaki abgefeuert. Der Jemenit, der auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, soll die Attacke aber überlebt haben. Nach der von Al Qaida bereits angekündigten Vergeltung für den Tod Bin Ladens drohten am Samstag auch die Taliban mit neuen Attacken. In einer Erklärung betonte die Taliban-Führung in Afghanistan, der Tod Bin Ladins werde keinesfalls zu einer Schwächung der Moral der islamistischen Kämpfer führen. Im Gegenteil: „Hunderte weitere Kämpfer werden auf das Feld des Martyriums und der Opfer ziehen.“

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