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Die Nato und Russland : Wer ist überlegen?

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3. Die Nato wird ihre östlichen Mitgliedsstaaten stärker unterstützen- besonders Deutschland wird sich engagieren

Als Reaktion auf Russlands Unterstützung für pro-russische Separatisten in der Ukraine hat die Nato bereits im vergangenen Jahr damit begonnen, die schnelle Eingreiftruppe für weltweite Einsätze (NRF) auszubauen. Sie wird künftig bis zu 40.000 Soldaten stark sein. Ein Teil von ihnen bildet die neue „Speerspitze“, die innerhalb weniger Tage verlegbar ist. Unter anderem für den Ausbau der Übungsaktivitäten wurden sechs neue Stützpunkte in den östlichen Nato-Ländern Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien und Bulgarien aufgebaut. Zudem gibt es deutlich mehr Patrouillenflüge über dem Baltikum als früher.

Deutschland nimmt dabei eine Führungsrolle ein. Beim Aufbau der „Speerspitze“ war die Bundeswehr ganz vorne mit dabei. Alleine in diesem Jahr nehmen 5500 deutsche Soldaten an Manövern im östlichen Bündnisgebiet teil. Deutsche „Eurofighter“-Kampfjets beteiligen sich auch in diesem Jahr wieder von September bis Dezember an der Luftraumüberwachung über dem Baltikum. Auch bei der geplanten Truppenverlagerung der Nato Richtung Osten nimmt Deutschland eine führende Rolle ein. Die Bundeswehr soll ein Bataillon mit etwa 1000 Soldaten in Litauen anführen.

Ein amerikanischer Soldat steht im rumänischen Deveselu vor einer Nato-Raketenabwehrbasis.
Ein amerikanischer Soldat steht im rumänischen Deveselu vor einer Nato-Raketenabwehrbasis. : Bild: dpa

4. Beide Seiten haben ihre Manöver ausgeweitet. Mit einem russischen Einmarsch ins Baltikum ist aber wohl nicht zu rechnen

Russland hat in den vergangenen Jahren mehrfach unangekündigte Manöver mit Zehntausenden Soldaten abgehalten. Im Februar und März 2014 sicherte ein Manöver im Westen Russlands mit 150.000 Mann die militärische Besetzung der ukrainischen Halbinsel Krim. Im östlichen Bündnisgebiet der Nato beteiligen sich derzeit viel mehr Staaten als vor dem Ukraine-Konflikt an Übungen. Zuletzt waren 31.000 Soldaten aus 24 Ländern an dem „Anakonda“-Manöver in Polen beteiligt.

Die Grenzbrücke über den Fluss Narwa, die Estland und Russland verbindet, ist mit Zäunen und Kameras gesichert.
Die Grenzbrücke über den Fluss Narwa, die Estland und Russland verbindet, ist mit Zäunen und Kameras gesichert. : Bild: dpa

Ein russischer Einmarsch ins Baltikum ist aber eher unwahrscheinlich. Die russischen Streitkräfte brauchten nach Einschätzung von Fachleuten zwar höchstens 60 Stunden, um alle baltischen Hauptstädte zu besetzen. Allerdings wäre ein Angriff auf Nato-Gebiet äußerst riskant: Zum einen, weil ein großer Teil der baltischen Bevölkerung den Besatzern feindlich gesonnen wäre, zum andere, weil eine militärische Antwort der Nato sicher wäre. Nichts spricht derzeit dafür, dass Russland dieses Risiko eingehen würde.

5. Die nukleare Abrüstung kommt nur langsam voran

Amerika und Russland verfügen über 93 Prozent aller Atomwaffen weltweit. 7000 Sprengköpfen der Amerikaner stehen 7290 Russlands gegenüber. Die 2011 zwischen beiden Ländern im sogenannten neuen START-Abkommen vereinbarte Abrüstung kommt nach Einschätzung des Sipri-Instituts nur schleppend voran. Beide Seiten stecken Milliardenbeträge in die Modernisierung ihres Atomwaffenarsenals. Alleine die Vereinigten Staaten wollen laut Sipri bis zum Jahr 2024 rund 348 Milliarden US-Dollar investieren.

6. Die Nato und Russland sprechen kaum noch miteinander

Gespräche finden statt, aber nur in sehr begrenztem Umfang. Im Nato-Russland-Rat – dem wichtigsten Gremium für den Dialog des Westens mit Moskau – herrschte bis zu diesem April fast zwei Jahre Funkstille – und auch das dann organisierte Treffen brachte keine konkreten Ergebnisse. Einigermaßen regelmäßig sprechen sich Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und der russische Nato-Botschafter Alexander Gruschko. Zudem gibt es vereinzelt Treffen von Stoltenberg mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow.

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