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Umgang mit Kritikern : Putins vergiftete Gegner

Chefarzt Alexander Murachowski bei einer Pressekonferenz vor dem Omsker Krankenhaus am Freitag. Bild: AFP

Die Verwirrung um den Oppositionellen Alexej Nawalnyj hat System. Vergiftungen von Kremlkritikern werden in Russland kaum untersucht. Wenn es Ermittlungen gibt, versanden diese schnell.

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          Verwirrende Informationen kamen am Freitagmorgen in rascher Folge aus dem Krankenhaus in Omsk, in dem Alexej Nawalnyj im Koma liegt. Erst sagte der Chefarzt, es gebe fünf Arbeitshypothesen für den Zustand des Oppositionspolitikers, dann sprach sein Stellvertreter davon, die Ursache sei gefunden, und weder in seinem Blut noch in seinem Urin sei ein Gift festgestellt worden. Zwischendurch hatte einer von Nawalnyjs Mitstreitern vor dem Krankenhaus berichtet, ein Polizist habe vor ihm und Nawalnyjs Frau gegenüber dem Chefarzt davon gesprochen, bei dem Kranken sei ein Stoff gefunden worden, der nicht nur für ihn, sondern auch für die Umgebung gefährlich sei; die Antwort auf die Frage, welcher Stoff das sei, habe gelautet „Ermittlungsgeheimnis“.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

          Dann teilte das Krankenhaus mit, die Ärzte hätten der Frau und dem Bruder Nawalnyjs die Diagnose mitgeteilt, was die Angehörigen verneinten. Schließlich sagte wieder der Chefarzt, als Ursachen für Nawalnyjs Zustand seien eine Stoffwechselstörung und ein niedriger Zuckerspiegel im Blut festgestellt worden. Das sei „ein Zustand und keine Diagnose“, schrieb Anastasija Wassiljewa, die Vorsitzende einer zu Nawalnyjs Bewegung gehörenden Ärztegewerkschaft, die seit Donnerstag vergeblich versucht, Zugang zu den Krankenakten zu bekommen. Beides könne viele unterschiedliche Ursachen haben. „Wieder halten sie uns für Idioten.“

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