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Nach Vergewaltigungsvorwurf : Bestätigung von Kavanaugh ungewiss

Bild: AP

Auch Republikaner wollen nun den Vorwurf der versuchten Vergewaltigung gegen Trumps Kandidaten für den Obersten Gerichtshof untersuchen. Inzwischen hat sich auch die Frau zu erkennen gegeben, die den Juristen beschuldigt.

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          Die Bestätigung des Richters Brett Kavanaugh für den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten könnte in den kommenden Tagen verzögert werden – wegen des Vergewaltigungsvorwurfs gegen ihn. Nachdem in der vergangenen Woche bekannt geworden war, dass eine Frau dem Nominierten des Weißen Hauses vorwirft, vor mehr als 35 Jahren versucht zu haben, sie zu vergewaltigen, gab diese Frau sich nun in einem Interview mit der „Washington Post“ zu erkennen.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          In dem Gespräch beschreibt Christine Blasey Ford, die heute als Professorin für Klinische Psychologie an der Palo-Alto-Universität in Kalifornien arbeitet, wie Kavanaugh sie bei einer Party in alkoholisiertem Zustand auf ein Bett geworfen und versucht haben soll, sie auszuziehen. Senatoren der republikanischen Partei schlossen sich daraufhin den Demokraten an und forderten, eine Abstimmung im Justizausschuss des Senats über Kavanaugh nicht am Donnerstag abzuhalten, sondern zu verschieben.

          Scham und Angst

          In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die demokratische Senatorin Dianne Feinstein einen anonymen Brief an das FBI weitergeleitet hatte, in dem eine Frau Brett Kavanaugh versuchte Vergewaltigung unterstellt haben sollte. Nachdem Spekulation über die Autorin ins Kraut geschossen seien und mehrere Reporter bei ihr und ihren Kollegen angerufen hätten, habe sich Christine Ford entschieden, sich als Verfasserin des Briefes zu erkennen zu geben, sagte sie der „Washington Post“.

          Sie habe – wahrscheinlich im Jahr 1982 – an einer Party in der Nähe ihrer Privatschule teilgenommen, erzählt sie. Während der Feier sei sie in das obere Stockwerk des Hauses gegangen, wo sie in ein Schlafzimmer geschubst worden sei. Kavanaugh, nach Fords Bericht schwer alkoholisiert, habe sich auf sie gelegt, seinen Körper an ihrem gerieben und versucht, ihre Kleidung auszuziehen. Ein Freund Kavanaughs, ebenfalls alkoholisiert, habe derweilen den beiden zugesehen und gelacht. Erst als dieser Freund sich mehrfach auf die beiden geworfen habe, sei es ihr gelungen zu fliehen. Sie habe sich erst im Bad eingeschlossen und danach die Party verlassen, erzählt sie.

          Aus Scham und Angst davor, dass ihre Eltern herausfinden könnten, dass sie auf einer Feier gewesen war, auf der Alkohol getrunken wurde – sie war zu dem Zeitpunkt 15 Jahre alt, Kavanaugh 17 –, habe sie niemandem von dem Vorfall erzählt. Erst 2012 habe sie in einer Therapiesitzung mit ihrem Mann und einer Psychotherapeutin von dem Vorfall berichtet, jedoch keine Namen genannt.

          Ford unterzog sich wohl Lügendetektortest

          Die „Washington Post“ will die Aufzeichnungen der Therapeutin gesehen haben und deshalb bestätigen können, dass darin von dem Vorfall die Rede ist. Nachdem bekannt geworden sei, dass Kavanaugh von Präsident Donald Trump nominiert werden könnte, habe sich Ford auf Anraten ihrer Anwältin außerdem einem Lügendetektortest unterzogen. Der frühere Mitarbeiter des FBI, der diesen vorgenommen habe, habe bestätigt, dass Ford bei ihrer Aussage keine Anzeichen gezeigt habe, die auf eine Lüge schließen lassen.

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