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Vergeltungsdrohungen Irans : Stärkung der Hardliner

Nicht nur in Iran haben die Hardliner jetzt Oberwasser: Trauerzug für Qassem Soleimani in Bagdad. Bild: dpa

Im Februar finden in Iran Parlamentswahlen statt. Es ist absehbar, dass die Hardliner einen großen Sieg einfahren werden.

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          Es verheißt nichts Gutes, wenn Iran im „Widerstand“ gegen Amerika eine „neue Phase“ ankündigt. Zwar musste Washington nach einer Reihe verpasster Gelegenheiten endlich Stärke gegenüber Iran zeigen, um bei Verbündeten wie Saudi-Arabien nicht noch mehr Vertrauen zu verlieren. Der Schuss geht aber nach hinten los.

          Denn Teheran profitiert doppelt von den neuen Spannungen: Zum einen beschloss das irakische Parlament in Bagdad bereits, die amerikanischen und alle ausländischen Soldaten des Landes zu verweisen. Die Islamische Republik ist damit trotz ihrer wirtschaftlichen Schwäche der Hegemon der Region. Zum anderen wendet sich im Irak der Hass, der sich bei den Protesten in jüngster Zeit gegen Iran entladen hat, nun gegen Amerika.

          Iran wird mit seiner angekündigten „massiven Vergeltung“ einer direkten Konfrontation mit der amerikanischen Militärübermacht ausweichen. Washington hätte keine andere Wahl, als militärisch zurückzuschlagen und eine weitere Eskalation zu riskieren.

          Will Amerika an einer militärischen Präsenz in der Region festhalten, bliebe als einzige Option, vor allem nach der Selbstdezimierung in Syrien, Irakisch-Kurdistan. Eine Verlegung der amerikanischen Soldaten nach Irakisch-Kurdistan setzt jedoch voraus, dass die autonome Region ein unabhängiger Staat würde – was aber weitere Konflikte auslösen würde.

          Die Eskalation des Konflikts in Iran und im Irak hat noch andere Folgen, die für den Westen unangenehm sind. So finden in Iran im Februar Parlamentswahlen statt. Es ist absehbar, dass die Hardliner einen großen Sieg einfahren werden und der Spielraum der Regierung von Präsident Rohani noch kleiner wird.

          Im Irak hingegen verschärft sich die innenpolitische Krise, die Bildung einer neuen Regierung wird noch schwieriger, und die proiranischen Milizen bauen ihre Macht aus. In diesem Umfeld kann sich der IS, der im Untergrund überlebt hat, wieder leicht organisieren. Daher ist eine ausländische Präsenz zur Bekämpfung des IS wichtiger denn je. Denn er gehört zu den wenigen Nutznießern des neuen Konflikts.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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