https://www.faz.net/-gpf-8czdr

Vergehen von Friedenstruppen : Sexueller Missbrauch durch UN-Soldaten in 69 Fällen bestätigt

  • Aktualisiert am

Anthony Banbury kündigt neue Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch an Bild: AP

Bei einer Pressekonferenz zu Missbrauchsvorwürfen gegen UN-Soldaten kommt es zu einem emotionalen Moment. Ein Verantwortlicher weint vor laufenden Kameras. Die Vereinten Nationen versprechen Hilfe für die Opfer.

          Die Zahl der Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen UN-Soldaten ist zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder gestiegen. Das teilte Anthony Banbury, stellvertretender Generalsekretär für den Außendienst, auf einer Pressekonferenz in New York mit. Unter Tränen versprach er, sexuellen Missbrauch durch UN-Friedenstruppen zu bekämpfen. „Die Vereinten Nationen tun alles Mögliche, um die Opfer zu unterstützen, Verantwortung und Gerechtigkeit walten zu lassen und zu verhindern, dass solche Fälle sich wiederholen.“

          Die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs und der Ausbeutung durch UN-Soldaten im vergangenen Jahr sind nach UN-Angaben in 69 Fällen bestätigt worden. Darunter seien auch 22 Fälle in der Zentralafrikanischen Republik. Zudem gibt es dort nach Angaben der Organisation neue Vorwürfe in fünf Fällen, an denen Militärs und Polizisten aus dem Kongo, dem Senegal, dem Niger, Marokko sowie Bangladesch beteiligt sein sollen. Sechs Minderjährige sollen betroffen sein.

          Länder der Beschuldigten werden veröffentlicht

          Künftig soll es ein öffentliches Register über Ermittlungen und Verfolgung durch diejenigen Mitgliedstaaten geben, die Truppen bereitstellen. Ein im Februar erscheinender Bericht von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zu dem Thema wird erstmals die Länder namentlich nennen, deren Truppen solcher Verbrechen beschuldigt werden. Zudem soll diese Liste im Internet veröffentlicht und mit dem Stand ihrer jeweiligen Ermittlungen laufend aktualisiert werden.

          Nach UN-Richtlinien sind die Länder für die strafrechtliche Verfolgung von Delikten, die ihre Militärangehörigen im Dienst begehen, allein verantwortlich. Einen regelmäßigen UN-Bericht über beschuldigte Länder gibt es bisher nicht. Zudem finden Opfer teils nie heraus, ob die Täter zur Rechenschaft gezogen wurden. Selbst wenn es seitens der UN „hohe Erwartungen“ an die Länder gibt, Fortschritte bei der Verfolgung zu melden, bleibt es ihnen selbst überlassen, ob sie Bericht darüber erstatten.

          In den vergangenen Monaten waren immer wieder Missbrauchsvorwürfe gegen Soldaten in der Zentralafrikanischen Republik laut geworden. Religiöse Konflikte haben dort Tausende das Leben gekostet und nach UN-Angaben rund 470 000 Menschen zur Flucht in die Nachbarländer Kamerun, Tschad und Kongo gezwungen. Die Zentralafrikanische Republik zählt zu den ärmsten Ländern der Welt.

          Weitere Themen

          G7-Gipfel einigt sich auf Hilfe für Amazonas-Brandgebiete Video-Seite öffnen

          Noch keine konkreten Maßnahmen : G7-Gipfel einigt sich auf Hilfe für Amazonas-Brandgebiete

          Ungeachtet anhaltender Spannungen in wichtigen politischen Fragen haben sich die G7-Staaten bei ihrem Gipfel in Biarritz auf einen gemeinsamen Gegner einigen können: die Feuer im Amazonasgebiet. Die sieben westlichen Industriestaaten seien überein gekommen, den betroffenen Staaten „so schnell wie möglich“ Unterstützung zukommen zu lassen, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.