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Vereitelte Terrorpläne in Dänemark : Verdächtige Islamisten bleiben in Untersuchungshaft

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Nach dem vereitelten Terroranschlag auf die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ bleiben vier der fünf Verdächtigen vorerst in Untersuchungshaft. Das entschieden Gerichte in Kopenhagen und Stockholm. Ein fünfter verdächtiger Islamist kam hingegen frei.

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          Ein Gericht in Glostrup westlich von Kopenhagen hat gegen drei der vier am Mittwoch in Dänemark festgenommenen Terrorverdächtigen eine vierwöchige Untersuchungshaft verhängt. Die ersten zwei Wochen müssen sie in Einzelhaft verbringen. Den Männern wird vorgeworfen, einen Terrorangriff auf die Kopenhagener Redaktion der Zeitung „Jyllands-Posten“ geplant zu haben. Diese hatte 2005 die umstrittenen Mohammed-Karikaturen veröffentlicht und ist seither im Visier radikaler Islamisten.

          Die Verdächtigen wiesen während ihrer ersten Anhörung vor einem Untersuchungsrichter alle Vorwürfe zurück. Weitere Angaben zur Sache machten sie nicht. Die Männer waren aus Schweden in die dänische Hauptstadt gereist und am Mittwoch in einem Vorort festgenommen worden. Es handelt es sich um einen 44 Jahre alten Tunesier, einen 29 Jahre alten Schweden libanesischer Herkunft und einen 30 Jahre alten Schweden, dessen Herkunft zunächst unbekannt blieb.

          Gegen den vierten in Dänemark festgenommenen Terrorverdächtigen, einen 26 Jahre alten irakischen Asylbewerber, war von den Sicherheitsbehörden keine Haft beantragt worden, er wurde nicht dem Haftrichter vorgeführt. Nach Berichten in der dänischen Presse kann ihm lediglich zur Last gelegt werden, seinen drei mutmaßlichen Komplizen eine Wohnung im Kopenhagener Vorort Greve besorgt zu haben. Ein zunächst als gefährlich eingestufter Gegenstand in der Wohnung des Mannes erwies sich später als harmlos.

          Dagegen ordnete ein schwedisches Gericht auch für einen in Stockholm festgenommenen 37 Jahre alten Schweden tunesischer Herkunft zwei Wochen Untersuchungshaft an. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird ihm die „Vorbereitung terroristischer Verbrechen“ vorgeworfen.

          „Verbindungen zu internationalen Terrornetzen“

          Die dänische Staatsanwaltschaft bekräftigte, die vier Männer seien des Terrorismus und des Verstoßes gegen das Waffengesetz verdächtig, und verwies darauf, dass die Polizei bei den Festnahmen ein automatisches Gewehr und eine Pistole gefunden habe. Der dänische Geheimdienst PET hatte am Mittwoch nach den Festnahmen mitgeteilt, es handle sich um radikale Islamisten „mit Verbindungen zu internationalen Terrornetzen“.

          Nach Darlegung des schwedischen und dänischen Geheimdienstes stand der Terrorangriff auf die Zeitung zur Zeit des Zugriffs unmittelbar bevor. Der schwedische Geheimdienst Säpo gab an, seit „ein paar Monaten“ darüber informiert gewesen zu sein, dass die überwachten Terrorverdächtigen einen Anschlag in Dänemark planten. Der fünfte Terrorverdächtige, der am Mittwoch in Schweden festgenommen worden war, wurde am Donnerstagnachmittag dort in Untersuchungshaft genommen. Er bestreitet die Vorwürfe gegen ihn.

          Die Sicherheitsbehörden in Dänemark und Schweden prüfen, ob es einen Zusammenhang zwischen dem vereitelten Anschlagsversuch und einem älteren Fall, dem sogenannten Mickey-Mouse-Project von 2009, gibt. PET-Chef Jacob Scharf hatte dazu am Mittwoch gesagt, man könne dies „bestimmt nicht ausschließen“. Weitere Einzelheiten wollte er indes nicht nennen.

          Parallelen zu früheren Anschlagsplänen

          Der pakistanischstämmige amerikanische Staatsbürger David Headley hatte damals einen Anschlag auf die Zeitung „Jyllands-Posten“ geplant, der dem Vorhaben der Festgenommenen sehr ähnelte. Er war im Oktober 2009 in Chicago festgenommen worden. Auch Headley wollte ein Blutbad in den Kopenhagener Redaktionsräumen anrichten. Er hatte sich als potentieller Anzeigenkunde ausgegeben, um den Sitz der Zeitung in Aarhus auszukundschaften. Zudem hatte er unter dem gleichen Vorwand das Kopenhagener Büro der Zeitung ausgekundschaftet. Wie aus Ermittlungsunterlagen der amerikanischen Bundespolizei FBI hervorging, machte er dabei Videoaufnahmen. Offenbar hatten die Terroristen vor, den Feuilleton-Chef der Zeitung sowie den Karikaturisten Kurt Westergaard, der die Mohammed-Karikaturen gezeichnet hatte, zu ermorden; angeblich sollten die Opfer enthauptet und vom Dach des Gebäudes geworfen werden.

          Headley unterhielt damals Verbindungen zu dem Al-Qaida-Terroristen Ilyas Kashmiri aus Pakistan, der auch über Verbindungen nach Europa verfügen soll. Für die pakistanische Terrorgruppe Lashkar-e-Taiba spionierte Headley Ziele der Attentäter von Bombay aus. Bei den Terrorangriffen von 2008 wurden 166 Menschen getötet.

          Nach der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen kam es von 2006 an in zahlreichen islamischen Ländern zu gewaltsamen Proteste. Mehr als 150 Menschen wurden seither getötet.

          September 2005: Die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ veröffentlicht zwölf Mohammed-Karikaturen. Mit dem bewussten Bruch des islamischen Abbildungsverbots will sie ihr Recht auf Meinungsfreiheit demonstrieren und ein Zeichen setzen gegen Selbstzensur unter dem Druck islamischer Gruppen.

          Oktober 2005: Zwei der Zeichner müssen nach Morddrohungen untertauchen. 3500 Muslime demonstrieren friedlich in Kopenhagen.

          November/Dezember 2005: Eine Delegation dänischer Imame (Vorbeter) reist durch mehrere arabische Länder, um Proteste zu organisieren.

          Dezember 2005: Der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen stellt sich auf die Seite der Zeitung und weist die Bitte um ein Gespräch von Botschaftern aus elf islamischen Ländern ab.

          Januar 2006: Norwegens „Magazinet“ druckt die Karikaturen nach, später folgen Zeitungen anderer Länder, darunter auch deutsche. „Jyllands-Posten“ entschuldigt sich für die Kränkung religiöser Gefühle. In islamischen Ländern kommt es zu gewaltsamen Protesten.

          Februar 2006: In Syrien setzen Demonstranten die norwegische und dänische Botschaft in Brand. Auch die Vertretungen Schwedens und Chiles gehen in Flammen auf. Am dänischen Konsulat im Libanon legen wütende Muslime Feuer. In Nigeria werden Christen getötet und Kirchen zerstört. Im Jemen demonstrieren bis zu 150.000 Frauen gegen „Jyllands-Posten“, in Gaza stürmen bewaffnete Muslime das Büro der EU. Im Iran greifen Demonstranten die Botschaften Dänemarks, Österreichs und Deutschlands an. In Indien und Pakistan werden Kopfgelder in Millionenhöhe für die Ermordung von Zeichnern der Karikaturen ausgesetzt.

          Februar 2008: Die dänischen Sicherheitsbehörden decken Mordpläne gegen den Zeichner Kurt Westergaard auf. Mehrere Verdächtige werden festgenommen. Als Reaktion darauf drucken dänische Zeitungen erneut die Karikaturen ab.

          Juni 2008: Bei einem Bombenanschlag auf die dänische Botschaft in Islamabad werden mindestens acht Menschen getötet. Das Terrornetz Al Qaida teilt mit, der Anschlag sei die Rache für die Veröffentlichung der Karikaturen.

          Januar 2010: Kurt Westergaard entgeht nur knapp dem Anschlag eines mutmaßlichen Islamisten. Er kann sich rechtzeitig in einen speziell gesicherten Raum retten und von dort die Polizei alarmieren.

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