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Vereinigte Staaten : Republikaner geraten in Fernsehdebatte aneinander

  • Aktualisiert am

Harte Debatte: Mitt Romney (links) debattiert mit Rick Perry Bild: AFP

Die republikanischen Anwärter auf die Präsidentenkandidatur in Amerika haben sich eine hitzige Debatte geliefert. Der Gouverneur Perry warf dem derzeit aussichtsreichsten Kandidaten Romney vor, illegale Einwanderer beschäftigt zu haben.

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          Der Vorwahlkampf der Republikaner um das amerikanische Präsidentenamt hat deutlich an Schärfe gewonnen. Besonders der momentan aussichtsreichste Bewerber Mitt Romney ist durch harte Angriffe seiner Kontrahenten unter Druck geraten.

          In einer Fernsehdebatte am Dienstagabend (Ortszeit) in Las Vegas warf ihm der texanische Gouverneur Rick Perry vor, etwa ein Jahr lang wissentlich illegale Einwanderer beschäftigt und darüber gelogen zu haben. Romney sei ein Scheinheiliger, wenn er sich nun für schärfere Einwanderungsregeln ausspreche.

          Perry bezog sich auf Vorwürfe, die schon im vergangenen Vorwahlkampf vor vier Jahren aufgekommen waren, als sich Romney ebenfalls um die republikanische Kandidatur beworben hatte. Wie damals bestritt der ehemalige Gouverneur von Massachusetts am Dienstag energisch, bewusst Arbeiter ohne Aufenthaltserlaubnis beschäftigt zu haben.

          Er gestand lediglich ein, eine Firma zum Rasenmähen auf dem Grundstück seines Hauses beauftragt zu haben, die Illegale mit gefälschten Papieren beschäftigte. Diese seien aber umgehend entlassen worden, als er davon erfahren habe. Romney kanzelte den Vorwurf als Verzweiflungstat von Perry ab. Dessen Umfragewerte waren in den vergangenen Wochen deutlich gesunken.

          Umfrage: Cain einen Punkt hinter Romney

          Abermals erklären musste sich Romney wegen seiner religiösen Ausrichtung. Als Mormone stößt er vor allem bei evangelikanischen Wählern auf Misstrauen. In die parteiinterne Kritik geriet er abermals auch, weil er in Massachusetts eine Gesundheitsreform durchgesetzt hatte, die jener von Präsident Barack Obama ähnelt. Die Republikaner lehnen das 2010 im Bund verabschiedete Gesetz ab und wollen es im Falle eines Wahlsieges vollständig abschaffen.

          Die republikanischen Präsidentschaftskandidaten Herman Cain (links) und Rick Perry (rechts) während der Fernsehdebatte Mitte Oktober in Las Vegas
          Die republikanischen Präsidentschaftskandidaten Herman Cain (links) und Rick Perry (rechts) während der Fernsehdebatte Mitte Oktober in Las Vegas : Bild: REUTERS

          Besonderes Augenmerk galt während der Debatte auch Herman Cain, dem früheren Chef der Pizzakette Godfather’s, der zuletzt deutlich an Beliebtheit gewann und in einer aktuellen Umfrage nur noch einen Prozentpunkt hinter Romney liegt. Gegenüber seinen Konkurrenten verteidigte der Afroamerikaner seinen „9-9-9“-Plan, der einen einheitlichen Satz von neun Prozent für die Einkommens-, Unternehmens-und Mehrwertsteuer vorsieht. Perry sagte in betont herablassendem Ton, Cains Plan sei nicht realisierbar. „Ich liebe Sie, Bruder, aber man muss nicht viel analysieren, um das zu kapieren.“ Cain sagte, durch sein Steuerkonzept werde keine amerikanische Familie mehr Steuern zahlen müssen.

          Gefährlich und rückschrittlich fand der Abgeordnete Ron Paul aus Texas den Steuerplan Cains. Es sei doch gut, dass fast die Hälfte aller Amerikaner derzeit gar keine bundesweite Einkommensteuer zahlten, sagte der Bewerber um das Präsidentenwamt während der Debatte.

          In einer am Dienstag vor der Fernsehdebatte veröffentlichten CNN-Umfrage hatten sich 25 Prozent der Befragten für Cain ausgesprochen, während 26 Prozent Romney unterstützten. Der Drittplatzierte Perry, der nach seinem Einstieg in den Vorwahlkampf im August noch als Favorit galt, aber in den Umfragen bald absackte, lag weit abgeschlagen. Allerdings hielten die meisten der Befragten Cain nicht für den möglichen Sieger der parteiinternen Vorwahlen: 51 Prozent gaben an, Romney habe die besten Chancen, nur 18 Prozent sagten dies von Cain.

          Die Vorwahlen der Republikaner beginnen nach derzeitigem Stand am 3. Januar im Bundesstaat Iowa. Die Präsidentenwahl findet im November 2012 statt. Obama tritt dann für die Demokraten zur Wiederwahl an.

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