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Vereinigte Staaten : Reagans Fragen, Romneys Antworten

  • -Aktualisiert am

Sein Abend: Romney mit Familie nach dem Ende seiner Rede in Manchester Bild: REUTERS

Der designierte Kandidat der Republikaner verwendet in einer Grundsatzrede die Rhetorik des Präsidenten der achtziger Jahre - und gibt die Antwort auf Bill Clinton: „Es ist immer noch die Wirtschaft - und wir sind keine Dummköpfe.“

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          Die Ähnlichkeiten waren verblüffend - und erwünscht. „Ein besseres Amerika beginnt heute Abend“ stand auf Mitt Romneys Rednerpult, an dem er am Dienstagabend in Manchester in New Hampshire seine Grundsatzrede hielt. Romneys neuer Schlachtruf erinnert an den Slogan „Es ist wieder Morgen in Amerika“, mit dem Ronald Reagan 1984 den Wahlkampf zu seiner Wiederwahl gestellt hatte.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Vier Jahre zuvor hatte der republikanische Herausforderer in einem entscheidenden Fernsehduell mit dem demokratischen Präsidenten Jimmy Carter folgende Frage an die amerikanischen Nation gestellt: „Sind Sie heute besser dran als vor vier Jahren?“ Kurz darauf gelang Reagan ein Erdrutschsieg.

          Romneys Rede von Manchester verband die beiden Motive Reagans: den Rückblick auf die düsteren Jahre unter einem demokratischen Präsidenten und den Ausblick auf die lichte Zukunft unter einem Republikaner. Den Umstand, dass er soeben fünf weitere innerparteiliche Vorwahlen gewonnen hatte, erwähnte Romney nur eingangs und nebenbei. In Connecticut, Rhode Island, New York, Pennsylvania und Delaware erreichte Romney Stimmenanteile zwischen 57 und 68 Prozent. Seine verbliebenen Herausforderer Newt Gingrich, der am kommenden Dienstag seinen Wahlkampf offiziell beenden dürfte, und Ron Paul waren nach dem Rückzug von Romneys schärfstem Konkurrenten Rick Santorum am 10. April bei der jüngsten Runde der Vorwahlen vom Dienstag ohnedies nur noch Statisten.

          „Verdienen Sie heute mehr?“

          „Heute Abend ist der Anfang vom Ende der Enttäuschungen der Obama-Jahre“, rief Romney in New Hampshire, wo er im Juni 2011 verkündet hatte, dass er sich zum zweiten Mal um die Präsidentschaftskandidatur bewerben wolle. Romney, der 2008 in den republikanischen Vorwahlen früh gescheitert war, erinnerte an die Rede Obamas beim Nominierungsparteitag der Demokraten in Denver vom August 2008 vor einem bombastischen Bühnenbild mit antikisierenden Motiven: „Er hat uns vor griechischen Säulen mit seinen ausladenden Versprechungen von Hoffnung und Wandel geblendet. Aber wo sind wir nach der Rückkehr zur Erde, was hat er nach dreieinhalb Jahren vorzuweisen?“, fragte Romney.

          Und mit einer weiteren historischen Anleihe, diesmal beim Wahlstrategen von Bill Clinton von 1992 James Carville und dessen denkwürdigem Schlachtruf „It‘s the economy, stupid!“, antwortete Romney: „Es ist noch immer die Wirtschaft, und wir sind keine Dummköpfe!“ Im Duktus Ronald Reagans fuhr Romney fort: „Kommen Sie heute besser über die Runden? Ist es leichter, Ihr Haus zu verkaufen oder ein neues zu erwerben? Konnten Sie genug für den Ruhestand zur Seite legen? Verdienen Sie heute mehr? Haben Sie bessere Aussichten auf einen besseren Job? Bezahlen Sie an der Zapfsäule weniger?“

          Tatsächlich dürften die meisten Amerikaner auf diese Reagan-Romney-Fragen mit Nein antworten, und das ist Obamas Problem. Der hartnäckigen Rezession, aus der sich die amerikanische Volkswirtschaft seit dem Amtsantritt Obamas nur mühsam herauswinden kann, stellte Romney seine Vision von einer amerikanischen Gesellschaft von Wachstum und Wohlstand entgegen. Diese Gesellschaft werde „vorangetrieben von Freiheit“, in ihr „streben freie Bürger auf ihren je ureigenen Wegen nach Glück, und in freien Unternehmen finden mehr und mehr Amerikaner Lohn und Brot“.

          Der Präsident erinnert seinerseits bei Wahlkampfauftritten an das schwere Erbe, das er bei der Amtsübernahme im Januar 2009 angetreten habe. Und er warnt davor, jetzt auf halber Strecke kehrtzumachen und zu den politischen Fehlern zurückzukehren, die Amerika unter George W. Bush erst in die Krise geführt hätten: Steuergeschenke an „Millionäre und Milliardäre“, sozialdarwinistische Kälte daheim und Kriegsabenteuer in aller Welt. Dem Ruf Romneys nach Freiheit stellt Obama das Versprechen von Fairness gegenüber.

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