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Vereinigte Staaten : Pentagon veröffentlicht Fotos misshandelter Gefangener

  • Aktualisiert am

Die Gesichter der Gefangenen hat das Militär unkenntlich gemacht. Die Fotokombination stammt aus dem Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad. Bild: Reuters

Das amerikanische Verteidigungsministerium hat einen jahrelangen Rechtsstreit verloren. Es musste 198 Fotos von misshandelten Gefangenen freigeben. Über die Umstände der Bilder ist wenig bekannt.

          Das Pentagon hat eine kleine Auswahl an Fotos misshandelter Gefangener im Irak und Afghanistan veröffentlicht. Das amerikanische Verteidigungsministerium publizierte am Freitag (Ortszeit) 198 Nahaufnahmen von Schnitten, Hämatomen, Schwellungen und anderen kleinen Wunden. Die Identität der Gefangenen, die vor rund einem Jahrzehnt in amerikanischen Militärgefängnissen einsaßen, wurde nicht bekannt gemacht. Überdies wurde nur wenig oder kein Kontext zu den Fotos veröffentlicht. Viele Bilder sind dunkel oder unscharf.

          Im Jahr 2004 hatten Fotos von Folter und sexuellen Misshandlungen in dem Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad weltweit für Empörung gesorgt. Zwischen 2004 und 2006 wurden elf amerikanische Soldaten wegen der Gewalttaten verurteilt. Woher die nun veröffentlichten Bilder stammten, wollte das Pentagon nicht mitteilen.

          Datum, Herkunft und Umstände auch dieses Bildes sind unbekannt.

          Das Militär hat in 56 Fällen von Misshandlungsvorwürfen ermittelt. Die Untersuchungen hätten 14 Fälle bestätigt und 42 nicht bestätigt, teilte das Militär mit. 65 Militärangehörige seien wegen Vergehen bestraft worden, wobei dazu auch Ermahnungen gezählt wurden. Ein Militärangehöriger sei zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

          Die Veröffentlichung ist die Folge eines Rechtsstreits mit der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (Aclu), die 2004 die Freigabe von rund 2000 Fotos verlangt hatte. Präsident Barack Obama wollte die Aufnahmen bereits 2009 freigeben, doch beschloss der Kongress daraufhin ein Gesetz, das dem Verteidigungsministerium das Zurückhalten der Fotos erlaubt. Zur Begründung hieß es, die Veröffentlichung könne amerikanische Bürger oder Militärpersonal in Gefahr bringen.

          Im November 2015 entschied der jetzige Verteidigungsminister Ashton Carter, dass 198 Fotos veröffentlicht werden könnten, ohne dass die nationale Sicherheit bedroht werde. Aclu kritisierte am Freitag, dass die Regierung die anderen Fotos zurückhalte, und kündigte an, weiter auf ihre Freigabe zu dringen. „Die weiterhin geheimen Bilder sind der beste Beweis, dass ernsthafte Misshandlungen in Militärgefängnissen stattfanden“, erklärte der Aclu-Vertreter Jameel Jaffer. Die Organisation befürchtet, dass die zurückgehaltenen Bilder weit dramatischer sind als die nun veröffentlichten. Aclu-Anwalt Alex Abd sagte der Zeitung „Guardian“: „Wahrscheinlich sind das die harmlosesten der Fotos, und wenn das wahr sein sollte, wäre das (nur) der Schatten einer aussagekräftigen Transparenz.“

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