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Waffenruhe in Nordsyrien : „Wir haben die Leben vieler, vieler Kurden gerettet“

  • Aktualisiert am

Donald Trump im Garten des Weißen Hauses vor seinem Abflug nach Pittsburgh. Bild: AFP

Die Türkei hat nach Angaben von Donald Trump eine dauerhafte Waffenruhe in Nordsyrien verkündet. Daraufhin erklärt der amerikanische Präsident, die Vereinigten Staaten würden die Sanktionen gegen das Land ruhen lassen.

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          Die amerikanische Regierung hebt die wegen der Syrien-Offensive verhängten Sanktionen gegen die Türkei wieder auf. Dies sei wegen des von der Türkei zugesagten dauerhaften Waffenstillstands in dem Gebiet möglich, erklärte Präsident Donald Trump am Mittwoch im Weißen Haus. Trump zufolge habe die türkische Regierung seine Regierung darüber informiert, dass sie die Kämpfe und die Offensive in Nordsyrien stoppen werde.

          Trump sagte, er habe auch mit dem Kommandeur der von der YPG dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), Maslum Abdi, gesprochen. Abdi sei „dankbar“ für das Engagement der Vereinigten Staaten. „Wir haben die Leben vieler, vieler Kurden gerettet“, sagte Trump.

          „Wir danken Präsident Trump für seine Bemühungen“

          Die syrischen Kurden haben unterdessen die Rolle von Donald Trump bei der Vereinbarung einer Waffenruhe im Norden des Landes gelobt. „Wir danken Präsident Trump für seine unermüdlichen Bemühungen“ die den „brutalen Angriff“ der Türkei und „dschihadistischer Gruppen“ gestoppt haben“, erklärte der Generalkommandeur der von der Kurdenmiliz YPG angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), Maslum Abdi. Das teilte SDF-Sprecher Mustafa Bali am Mittwoch auf Twitter mit. Demnach sagte Maslum weiter, Trump habe ein Festhalten an der Partnerschaft mit den SDF sowie langfristige Unterstützung versprochen.

          Trump hatte der türkischen Offensive durch den Abzug von amerikanischen Truppen aus Nordsyrien den Weg bereitet. Die Operation der Türkei richtete sich gegen die Kurden der YPG, die ein Verbündeter der amerikanischen Streitkräfte im Kampf gegen den IS war. Amerikas Vizepräsident Mike Pence hatte vergangene Woche in Ankara einen temporären Waffenstillstand ausgehandelt, der einen Rückzug der YPG aus dem Grenzgebiet vorsah. Am Dienstagabend vereinbarten Erdogan und der russische Präsident Wladimir Putin eine gemeinsame Kontrolle der nordsyrischen Grenzgebiete. Sie drohten der YPG mit Angriffen, falls diese ihre Waffen nicht aus dem Grenzgebiet abziehen sollte. Einheiten der russischen Militärpolizei rückten am Mittwoch Richtung Nordostsyrien vor. Die Türkei sieht in der YPG eine Terrororganisation. Russland wiederum unterstützt Syriens Präsident Baschar al-Assad und begrüßte den Abzug der amerikanischen Truppen.

          Wegen der türkischen Offensive hatte die Regierung der Vereinigten Staaten am Montag vergangener Woche zwei Ministerien und drei Minister in der Türkei mit Sanktionen belegt und weitere Schritte angedroht. Wegen der „destabilisierenden Handlungen der Türkei in Nordost-Syrien“ wurden auch Strafzölle auf Stahlimporte aus der Türkei auf 50 Prozent angehoben. Trump hatte außerdem angekündigt, Verhandlungen über ein Handelsabkommen mit der Türkei abzubrechen.

          Seit Beginn der türkischen Offensive in Nordsyrien sind nach amerikanischen Angaben mehr als 100 Angehörige der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus Gefängnissen geflohen. „Wir würden sagen, dass die Zahl jetzt über 100 ist“, sagte der amerikanische Sonderbeauftragte für die Anti-IS-Koalition, James Jeffrey, am Mittwoch vor dem Auswärtigen Ausschuss im  Repräsentantenhaus in Washington. „Wir wissen nicht, wo sie sind.“ Die von der YPG dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), die durch den Angriff unter erheblichen Druck gerieten, waren für die Bewachung der IS-Gefangenen in Nordsyrien zuständig, mussten zwischenzeitlich aber ihren Kampf gegen die Dschihadisten einstellen – weil sie sich nun selbst verteidigen müssten, hieß es.

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