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Vereinigte Staaten : Der Unmut über Pakistan wächst

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Nach der Tötung Usama Bin Ladins wächst in Amerika der Unmut darüber, dass der Al-Qaida-Führer offenkundig jahrelang unbehelligt in Pakistan leben konnte. Das Weiße Haus teilte derweil mit, dass Bin Ladin nicht bewaffnet war, als er getötet wurde.

          Usama Bin Ladin war nach Angaben des Weißen Hauses nicht bewaffnet, als er von einer amerikanischen Spezialeinheit getötet wurde. Er habe sich aber auf andere Weise gewehrt, sagte Sprecher Jay Carney am Dienstag in Washington, ohne Einzelheiten zu nennen. Das Weiße Haus hat noch nicht entschieden, ob Fotos von der Leiche des Terroristenchefs Osama bin Laden veröffentlicht werden sollen. Sprecher Jay Carney sagte am Dienstag, die Bilder seien zweifellos „grausig“. Vor diesem Hintergrund werde geprüft, ob es nötig sei, sie zu veröffentlichen. Bin Laden soll zwei Mal in den Kopf getroffen worden sein, einmal direkt über dem linken Auge.

          Nach der Tötung Usama Bin Ladins wächst derweil in den Vereinigten Staaten der Unmut darüber, dass der Al-Qaida-Führer offenkundig jahrelang unbehelligt in Pakistan leben konnte. Es sei unvorstellbar, dass Bin Ladin sich nicht auf systematische Hilfe habe stützen können, sagte der Berater für Terrorismusbekämpfung von Präsident Obama, John Brennan, am Dienstag. Nach jüngsten Informationen habe der meistgesuchte Mann der Welt fünf bis sechs Jahre in dem Anwesen in der Garnisonsstadt Abbottabad gelebt.

          Kongressabgeordnete pochten auf Aufklärung und stellten die Finanzhilfe für Pakistan in Frage, die sich seit den Angriffen vom 11. September 2001 auf etwa 20 Milliarden Dollar belaufen. Pakistans Präsident Asif Ali Zardari dagegen bezeichnete Mutmaßungen, Pakistan gewähre Terroristen Schutz, in einem Beitrag für die „Washington Post“ als gegenstandslose Spekulationen.

          Brennan kündigte an, Washington werde untersuchen, wie es Bin Ladin möglich gewesen sei, so lange in Pakistan zu leben. Die Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im amerikanischen Senat, Dianne Feinstein, sagte, viele Abgeordnete hätten ein Problem damit, ein Land zu unterstützen, das sich nicht mit ganzer Kraft einbringe. „Bevor wir nur einen einzigen weiteren Cent bewilligen, wollen wir wissen, ob Pakistan im Kampf gegen den Terror wirklich an unserer Seite steht“, äußerte der demokratische Senator Frank Lautenberg. CIA-Direktor Leon Panetta sagte der Zeitschrift „Time“, die pakistanischen Behörden seien von der Aktion in Abbottabad nicht informiert worden, weil sie Bin Ladin hätten „vorwarnen“ können. Außenministerin Clinton hatte am Montag mitgeteilt, Amerika bleibe der Partnerschaft mit Pakistan verpflichtet.

          Ströbele fordert Ende des Nato-Einsatz in Afghanistan

          Auch der britische Premierminister Cameron sprach sich dafür aus, die Zusammenarbeit des Westens mit Pakistan fortzusetzen, selbst wenn der Aufenthaltsort Bin Ladins Zweifel an der Effizienz der pakistanischen Kooperation wecke. Cameron sagte am Dienstag, natürlich müsse die Frage geklärt werden, auf wessen Unterstützung Bin Ladin in Pakistan habe rechnen können. Doch sei es falsch, Pakistan aus Enttäuschung den Rücken zu kehren.

          Cameron sagte weiter: „Dann bliebe eine Nuklearmacht übrig, die der Gefahr massiven Extremismus und massiver Instabilität ausgesetzt ist.“ Der britische Premierminister gab an, der Tod Bin Ladins werde voraussichtlich den Abzug der westlichen Streitkräfte aus dem Nachbarland Afghanistan nicht beschleunigen. Aber es ergebe sich daraus doch die Gelegenheit eines Aufrufes an die afghanischen Taliban: „Jetzt ist der Zeitpunkt für Euch gekommen, Euch von Al Qaida zu trennen, eure Waffen abzugeben und die Grundregeln der afghanischen Verfassung zu akzeptieren.“

          In Deutschland forderte dagegen der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele nach dem Tod Bin Ladins das Ende des Nato-Einsatzes in Afghanistan. Das Ziel der Militärintervention, die Verantwortlichen der Terroranschläge vom 11. September 2001 zur Strecke zu bringen, sei nach der Tötung des Al-Qaida-Führers erreicht, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Dienstag. „Die zentrale völkerrechtliche Rechtfertigung für den Einsatz in Afghanistan ist damit entfallen.“ Im Deutschlandfunk kritisierte Ströbele am Dienstag den Kommandoeinsatz gegen Bin Ladin. Wenn es eine Aktion gewesen sei, „die nur auf die Tötung von Usama Bin Ladin ausgerichtet war, dann war es eine außerordentliche Hinrichtung“, sagte Ströbele. Dies sei weder mit dem Grundgesetz noch mit dem Völkerrecht zu vereinbaren.

          Wie in Washington bekannt wurde, haben die Elitesoldaten, die das Anwesen Bin Ladins am Montag stürmten, einen Computer mit mehreren Festplatten sicher gestellt. Die Datenträger seien an einen geheimen Ort in Afghanistan geschafft worden, berichtete das Onlinemedium „Politico“. Dort seien Hunderte Experten mit der Auswertung befasst. Regierungsbeamte erhofften sich neue Hinweise auf die Arbeitsweise und Anschlagspläne des Terrornetzwerks. In Pakistan, wo es erhebliche antiamerikanische Ressentiments gibt, blieb am Dienstag die Lage zunächst ruhig.

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