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Vereinigte Arabische Emirate : Der Scheich als Foltermeister

Foltervorwürfe: Issa Bin Zayed Al Nahyan Bild: AFP

Der amerikanische Fernsehsender ABC hat ein Video ausgestrahlt, das Scheich Issa Bin Zayed Al Nahyan als Initiator einer Folterung zeigt, deren Grausamkeit selbst hartgesottene Menschenrechtler erschaudern lässt. Das bringt die Herrscherfamilie Abu Dhabis in Bedrängnis.

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          Scheich Issa Bin Zayed Al Nahyan ist nicht irgendwer. Er gehört zur herrschenden Familie von Abu Dhabi, den Al Nahyan. Er ist ein Sohn des Gründers der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Zayed Bin Sultan Al Nahyan. Allerdings ist er auch ein missratener Sohn und das schwarze Schaf der Familie. Er hatte nie ein Regierungsamt inne, das trauten ihm seine Brüder nicht zu. Also stieg der 1966 geborene Issa in eine Branche ein, in der lange jeder gute Geschäfte machte: die Immobilienbranche. Sein letztes spektakuläres Projekt ist der Bau eines 61 Stockwerke hohen Gebäudes im Zentrum von Abu Dhabi, das oben auf der Spitze mit einem Porträt seines Vaters abschließen soll.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

          Nun wirft aber ein Skandal deutlich größeren Schatten auf Abu Dhabi als der Prestige-Bau es jemals könnte. Ende April strahlte der amerikanische Fernsehsender ABC ein Video aus, das Scheich Issa Bin Zayed Al Nahyan als Initiator einer Folterung zeigt, deren Grausamkeit selbst hartgesottene Menschenrechtler erschaudern ließ.

          Getreidehändler zum Krüppel gefoltert

          Sie und einige andere sahen das gesamte Video, von dem die ABC aus Rücksicht auf die Zuschauer nur Teile ausstrahlte. Da war zu sehen, wie Scheich Issa dem afghanischen Getreidehändler Shah Poor auf dem Gelände seiner Wüstenfarm erst Sand in die Kehle stopfte und wie er mit einem Brett, in dem ein Nagel angebracht war, hemmungslos auf den nackten Rücken und Hintern eindrosch. Nicht zu sehen war eine Szene, in der Issa die Genitalien des Gemarterten mit Benzin übergoss und anzündete. Zum Schluss überfuhr er mit seinem Geländewagen den Totgeglaubten, der Issa eine Ladung Weizen im Wert von 5000 Dollar vorenthalten haben soll. Ächzende Laute sind zu hören, das Knacken der brechenden Rippen. Wie ein Wunder überlebte der Afghane - als Krüppel.

          Hillary Clinton Anfang April mit ihrem Amtskollegen aus Abu Dhabi, Scheich Abdullah Bin Zayed Al Nahyan - inzwischen geht sie auf Distanz
          Hillary Clinton Anfang April mit ihrem Amtskollegen aus Abu Dhabi, Scheich Abdullah Bin Zayed Al Nahyan - inzwischen geht sie auf Distanz : Bild: Reuters

          Uniformierte assistierten Issa Bin Zayed Al Nahyan, die die Regierung später als Leibwache des Scheichs bezeichnete. Aufgenommen hat das Video im Auftrag des Scheichs der amerikanische Geschäftsmann libanesischer Herkunft Bassam Nabulsi. Er brachte das Video als Versicherung gegenüber dem unbeherrschten Mitglied der herrschenden Familie außer Landes, nach Houston, wo er nach seinem Ausscheiden aus Issas Diensten wieder lebt.

          Strafverfahren in Houston

          In Abu Dhabi hatte er sich um die Geschäfte des Scheichs gekümmert, zusammen hatten sie die Firma Pearl Properties gegründet. Als er dieses Video und andere nicht herausrückte, ließ ihn Issa mit der Anklage, Marihuana besessen zu haben, inhaftieren und foltern. Das behauptet Nabulsi in seinem Strafverfahren, das er gegen Issa in Houston eingeleitet hat. In dem Verfahren fordert er von Issa die Erfüllung vertraglicher Pflichten und Wiedergutmachung für die Folter. Im Zusammenhang mit dem vor zwei Jahren eröffneten Prozess spielte er dem Sender das Foltervideo zu.

          Seither mehren sich bei den Demokraten und Republikanern im Kongress die Stimmen, ein Nuklearabkommen Amerikas mit den Vereinigten Arabischen Emiraten bis zur Aufklärung des Falls auf Eis zu legen. Viel müsse getan werden, bevor die Vereinigten Arabischen Emirate als Modellpartner für eine atomare Zusammenarbeit in Frage kämen, sagt etwa die republikanische Abgeordnete Ileana Ros-Lehtinen.

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