https://www.faz.net/-gpf-9sqys

Nordsyrien : Verbündete der Türkei töten syrische Soldaten

Von der Türkei unterstützte syrische Kämpfer versammeln sich an einer Position östlich der syrischen Stadt Ras al-Ain. Bild: AFP

Noch vor dem Ende der Waffenruhe am Dienstagabend hat es im Norden Syriens erstmals Kämpfe zwischen arabischen Milizen unter türkischem Kommando und Kräften des Assad-Regimes gegeben. Mindestens 23 Kämpfer sterben.

          2 Min.

          Neue Gefechte und türkische Drohungen haben am Dienstag die Hoffnung auf einen dauerhaften Stopp der Gewalt im Norden Syriens geschmälert. Laut einer russisch-türkischen Übereinkunft endete dort am frühen Dienstagabend eine 150 Stunden dauernde Waffenruhe. Die Führung in Ankara hatte ein dauerndes Schweigen der Waffen in Aussicht gestellt, es aber an die Bedingung geknüpft, das kurdische Milizionäre der „Volksverteidigungskräfte“ YPG aus einem dreißig Kilometer breiten Streifen entlang der Grenze abziehen.

          „Der Kampf ist nicht vorbei“

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar wurde am Dienstag wenige Stunden vor dem Ende der 150-Stunden-Frist von der Zeitung „Sabah“ mit den Worten zitiert: „Der Kampf ist nicht vorbei. Uns ist klar, dass er nicht enden wird.“ Es würden sich noch YPG-Milizionäre in der Grenzstadt Manbidsch und in Tel Rifaat aufhalten. Beide Orte sollten gemäß russisch-türkischer Übereinkunft geräumt werden.

          Allerdings gab es am Dienstag schon vor dem Ende der Waffenruhe Kämpfe zwischen arabischen Milizen unter türkischem Kommando und Kräften des Assad-Regimes, die von der kurdischen Autonomieverwaltung zur Hilfe gerufen worden waren. Die Nachrichtenagentur AFP meldete am Nachmittag, sechs syrische Soldaten seien in der Nähe des Grenzortes Ras al Ain getötet worden. Es seien die ersten Gefechte zwischen syrischen Soldaten und türkischen Kräften gewesen. Kämpfe gab es auch in der Nähe des Ortes Tel Tamr. Am Dienstagabend stieg die Zahl der getöteten syrischen Soldaten auf mindestens 13. Auf Seiten der pro-türkischen Rebellen seien zudem zehn Kämpfer gefallen, meldet die dpa.

          Arabische Milizionäre unter türkischer Führung verbreiteten am Dienstagnachmittag Videos, wie sie in Stützpunkten des syrischen Regimes einrückten und syrische Flaggen niederrissen. Sie posierten außerdem mit gefangenen und getöteten Soldaten des Regimes.

          Maas spricht sich für dauerhafte Waffenruhe aus

          Das russische Verteidigungsministerium wies kurdische Berichte zurück, laut denen russische Militärpolizei, welche gemäß der Übereinkunft im Grenzgebiet patrouillieren soll, unter Beschuss geriet. Vielmehr sei vor einem Treffen russischer Militärpolizei mit türkischen Kräften an der syrisch-türkischen Grenze ein Sprengsatz detoniert. Es handele sich um eine „erfolglose Provokation“, es habe keine russischen Verletzten gegeben, behauptete das Ministerium.

          In Kairo sagte der deutsche Außenminister Heiko Maas am Dienstag, es gebe Anzeichen dafür, dass die 150 Stunden Waffenruhe genutzt worden seien, um gegenseitige Zusagen in die Tat umzusetzen. „Jetzt kommt es darauf an, dass die Waffen dauerhaft schweigen.“ Laut Angaben der UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR flohen in den vergangenen zwei Wochen mehr als 12.000 Menschen aus dem Nordosten Syriens.

          Weitere Themen

          Zu früh für Sanktionen

          Treffen der EU-Außenminister : Zu früh für Sanktionen

          Die EU-Außenminister sind uneins über Russland. Berlin und Paris wollen im Fall Nawalnyj nichts überstürzen. Einig ist man sich bei der Türkei – die Annäherung soll nicht durch Sanktionen gestört werden.

          Chinas Präsident Xi warnt vor „neuem Kalten Krieg“ Video-Seite öffnen

          Digitale Ansprache : Chinas Präsident Xi warnt vor „neuem Kalten Krieg“

          Chinas Präsident Xi Jinping hat Spitzen von Politik und Wirtschaft vor einem „neuem Kalten Krieg“ gewarnt. Eine solche Konfrontation werde „in einer Sackgasse“ enden, sagte Xi in einer digital übertragenen Ansprache an die Teilnehmer des diesjährigen Weltwirtschaftsforums.

          Topmeldungen

          Im Großbritannien von Premierminister Boris Johnson wird der Astra-Zeneca-Impfstoff schon verabreicht, in der EU noch nicht.

          Astra-Zeneca und die EU : Die große Impfstoff-Irritation

          Die Entscheidung des Impfstoffherstellers Astra-Zeneca die Auslieferung in die EU zu drosseln, sorgt für großen Ärger. Vertreter in Brüssel berufen sich auf vertragliche Zusagen. Es geht um Milliarden und die Reputation.
          Hier kommt niemand mehr rein: Der Eingang des Humboldt-Klinikums am Montag

          Berliner Humboldt-Klinikum : Klinikum unter Quarantäne

          Das Vivantes-Humboldt-Klinikum in Berlin bleibt wegen Dutzenden Infektionen mit der britischen Virus-Variante B.1.1.7 geschlossen. Gesundheitssenatorin Kalayci rechnet mit weiteren Fällen.
          Schriftzug an einer Wand in Paris am 19. Januar gegen Olivier Duhamel, der seinen Stiefsohn jahrelang missbraucht haben soll.

          Inzest-Debatte in Frankreich : „Beim ersten Mal war ich sechs Jahre alt“

          Unter dem Hashtag #metooinceste berichten Tausende Franzosen auf Twitter über Inzest und sexuelle Gewalt in ihrer Kindheit. Jede zehnte Person hat laut einer Umfrage Erfahrungen mit Inzest gemacht. Präsident Macron ist gefordert.

          Lernen im Homeschooling : Das Leben fühlt sich nicht echt an

          Im Homeschooling leiden besonders die Grundschüler, die mit dem selbständigen Lernen oft heillos überfordert sind. Auch Eltern und Lehrer kommen an ihre Grenzen. Psychologen raten, den Druck rauszunehmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.