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Regierungskrise in Venezuela : Guaidó ruft zum großen Marsch auf Caracas auf

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Der selbsternannte Übergangpräsident von Venezuela, Juan Guaidó, ruft seine Anhänger zu einem landesweiten Protestmarsch in die Hauptstadt Caracas auf. Bild: AFP

Venezuelas Oppositionsführer Guaidó will Regierungsgegner für einen Protestmarsch auf Caracas mobilisieren. Viele Gegenden des Landes sind immer noch ohne Strom. Mindestens 17 Menschen sind deswegen bereits gestorben.

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          Mit einem landesweiten Protestmarsch auf Caracas will Venezuelas Oppositionsführer Juan Guaidó den Druck auf Staatschef Nicolás Maduro weiter erhöhen. Vor tausenden Anhängern in der venezolanischen Hauptstadt kündigte der selbsternannte Übergangspräsident am Samstag eine Rundreise durch das Land an, an deren Abschluss er das Datum für den Marsch bekanntgeben werde. „Wir werden alle zusammen nach Caracas kommen“, rief der 35-jährige Politiker vor jubelnden Anhängern.

          Guaidó versicherte, notfalls auf eine Intervention aus dem Ausland zu setzen, „wenn die Zeit gekommen ist“. Unter Berufung auf die Verfassung erklärte er, diese erlaube einen venezolanischen Militäreinsatz im Ausland, „oder von Ausländern im Land“. Alle Optionen lägen auf dem Tisch, zitierte der Oppositionsführer den amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der einen amerikanischen Militäreinsatz in Venezuela wiederholt nicht ausgeschlossen hatte.

          Guaidó sprach von der Ladefläche eines Pick-ups zu seinen Anhängern, nachdem Sicherheitskräfte den Aufbau einer Bühne am ursprünglich geplanten Kundgebungsort verhindert hatten. Rund 20 gepanzerte Fahrzeuge blockierten eine Schnellstraße dorthin. Auf einer Gegenveranstaltung im Zentrum von Caracas demonstrierten mehrere hundert Anhänger Maduros gegen den „Imperialismus“ und die Sanktionen der Vereinigten Staaten. „Heute sind wir mehr denn je Antiimperialisten. Wir werden uns nie ergeben!“ schrieb der Staatschef im Kurzmitteilungsdienst Twitter.

          Unterdessen legte ein massiver Stromausfall den dritten Tag in Folge fast das ganze Land lahm. Während in einigen Gegenden die Versorgung am Samstag zumindest vorübergehend wiederhergestellt wurde, blieben andere Regionen weiter ohne Strom. In Teilen der Hauptstadt war die Energieversorgung nicht stabil, wie Augenzeugen berichteten: Die U-Bahn fuhr noch nicht, viele Läden blieben geschlossen, Hunderte Reisende saßen an Flughäfen fest. Sechs von 23 Bundesstaaten waren bis zum Nachmittag weiter ohne Strom, wie der Vizechef der regierenden Sozialistischen Partei, Diosdado Cabello, im Staatsfernsehen sagte. Guaido kritisierte, die Regierung sei nicht in der Lage, die von ihr selbst verursachte Elektrizitätskrise zu bewältigen. Maduro hingegen führt den Stromausfall auf Sabotageakte zurück, für die die Vereinigten Staaten verantwortlich seien.

          Ecuador spricht von 79 Toten wegen Stromausfalls

          In Krankenhäusern sorgte der Blackout für chaotische Zustände. Die meisten Kliniken haben keine Generatoren oder nutzen sie nur in Notfällen. Nach Auskunft der Nichtregierungsorganisation Doctors for Health kamen im Zuge des Stromausfalls insgesamt 17 Menschen ums Leben, neun davon in Notfallambulanzen. Der Chef der Gesundheitsorganisation Codevida sagte, dass bislang 15 Nierenpatienten gestorben seien, weil sie sich nicht einer Dialyse unterziehen konnten – vier davon in der Hauptstadt Caracas. Seinen Angaben zufolge sind in Venezuela mehr als 10.000 Menschen auf Dialyse angewiesen. Das ecuadorianische Außenministerium erklärte, infolge des Stromausfalls seien bereits 79 Venezolaner gestorben. Die Maduro-Regierung wies dies zurück.

          Die genaue Ursache für den Stromausfall ist bislang unklar. Kommunikationsminister Jorge Rodríguez machte am Freitag einen „Cyberangriff“ auf das Kontrollsystem des Wasserkraftwerks Guri verantwortlich, das 80 Prozent des Stroms für das Land produziert. Laut Präsident Maduro sei die Versorgung mit Elektrizität bereits zu fast 70 Prozent sichergestellt gewesen, als es am Samstag „eine weitere Cyberattacke“ gegeben habe, sagte Maduro vor tausenden Anhängern in der Hauptstadt Caracas. „Das hat alles zunichte gemacht, was wir erreicht haben.“ Maduro wirft den Vereinigten Staaten vor, einen „Stromkrieg“ gegen sein Land zu führen. Die Behörden in dem unter einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise leidenden Venezuela sprechen bei Stromausfällen regelmäßig von Sabotage. Kritiker werfen der Regierung dagegen vor, nicht ausreichend in den Unterhalt der Infrastruktur zu investieren.

          In Venezuela tobt seit Wochen ein Machtkampf zwischen Präsident Maduro und Oppositionsführer Juan Guaidó. Guaidó will Maduro aus dem Amt drängen und Neuwahlen organisieren. Die Opposition macht Maduro für die seit Jahren andauernde Rezession verantwortlich, die die Bevölkerung in Armut gestürzt und zu Engpässen bei Grundversorgungsgütern geführt hat.

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