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Venezuela : Rückkehr in den Sturm

Juan Guaido begrüßt seine Unterstützer in Caracas. Bild: EPA

Venezuelas Oppositionsführer Juan Guaidó kehrt nach einer mehrwöchigen Auslandsreise ins Land zurück. Er ruft zu neuem Widerstand gegen das Regime von Nicolás Maduro auf.

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          Juan Guaidó ist am späten Dienstagnachmittag über den internationalen Flughafen von Caracas nach Venezuela eingereist. Die Rückkehr des Oppositionsführers und von zahlreichen Regierungen anerkannten Übergangspräsidenten war mit Spannung erwartet worden, da Guaidó im Januar trotz eines Reiseverbots über die grüne Grenze nach Kolumbien ausgereist war. Die Einreise wurde ihm jedoch gewährt. 

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Am Flughafen spielten sich vor und nach der Ankunft Guaidós chaotische Szenen ab. Soldaten der Nationalgarde versuchten bereits am Nachmittag, oppositionelle Abgeordnete am Zugang zum Flughafen zu hindern. Derweil wurden Journalisten Opfer von Übergriffen durch gewaltbereite Anhänger der Regierung. Als Guaidó zur Passkontrolle gelangte, wurde er von Mitarbeitern der staatlichen Fluglinie Conviasa erwartet, die ihn beschimpften. Vor wenigen Tagen hatte Washington Sanktionen gegen das Unternehmen ausgesprochen. Die Aggressoren wurden vom Sicherheitschef des Flughafens begleitet und gefilmt, einem früheren Oberst des Geheimdienstes, wie auf Videoaufnahmen zu erkennen war. Vor dem Flughafen kam es zu Handgemenge, als Guaidó das Gebäude verließ. 

          Wie schon vor einem Jahr, als sich Guaidó ebenfalls über ein Ausreiseverbot hinweggesetzt hatte, wurde er am Flughafen von Diplomaten erwartet und mit einem Diplomatenwagen vom Flughafen nach Caracas an seinen Wohnort gefahren. Namentlich die französische Botschaft soll dabei Unterstützung geleistet haben. Verschiedene Kontrollposten der Polizei und Straßensperren durch militante Regime-Anhänger hatten die Fahrt erschwert.

          Treffen mit Unterstützern

          Später kam Guaidó auf einem öffentlichen Platz in Caracas mit den oppositionellen Abgeordneten, Diplomaten sowie Anhängern zu einer Versammlung zusammen. „Es gab viele Zweifel, aber es gibt mehr Möglichkeiten", sagte er und kündigte an, der Druck auf Maduro werde zunehmen. Die Unterstützung der gesamten Zivilgesellschaft sei erforderlich, um einen politischen Wandel herbeizuführen. Guaidó forderte die Bürger auf, mobil zu bleiben. Gewisse Informationen könnten nur zu gegebener Zeit verbreitet werden. 

          In den vergangenen Tagen hatte Guaidó sich in den Vereinigten Staaten aufgehalten, wo er unter anderem mit Präsident Donald Trump zusammenkam. Trump sicherte dem venezolanischen Oppositionsführer abermals seine Unterstützung zu. Im Repräsentantenhaus hatte Guaidó während Trumps Rede zur Lage der Nation stehende Ovationen von beiden politischen Lagern erhalten. Maduros Griff der Tyrannei werde zerschlagen, sagte Trump. Details aus dem Gespräch zwischen Trump und Guaidó wurden nicht bekannt. Laut Quellen im Weißen Haus erwägt die amerikanische Regierung weitere Sanktionen.

          Der Besuch in Washington war die letzte und wichtigste Station auf Guaidós „Welttournee“. Zuvor war er nach Brüssel, zum Weltwirtschaftsforum in Davos und nach Spanien gereist und hatte sich mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Paris und dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau in Ottawa getroffen.

          Guaidó, um den es in den vergangenen Monaten leise geworden war, hat sich wieder zurück „ins Spiel“ gebracht und die internationale Unterstützung aufgefrischt. Beobachter zweifeln allerdings daran, dass sich die Venezolaner noch einmal im selben Ausmaß mobilisieren lassen wie vor einem Jahr. Damals wurde Guaidó von der oppositionellen Nationalversammlung zum Übergangspräsidenten ernannt, da sie die Wahl und damit die vor einem Jahr begonnene Amtszeit von Maduro nicht anerkannt. Guaidó wurde von zahlreichen Regierungen anerkannt und hatte das Überraschungsmoment auf seiner Seite. Der Aufstand gegen das autoritäre Regime war jedoch nicht von Erfolg gekrönt, da Maduro weiterhin die Sicherheitskräfte auf seiner Seite hat.

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