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Lage in Venezuela : Jubeln auf Knopfdruck

Dem venezolanischen Präsidenten Maduro und seiner Frau Cilia Flores jubeln nur noch Uniformierte oder Angestellte von Staatsbetrieben zu. Bild: HO / Venezuelan Presidency / AFP

In Venezuela inszeniert sich Nicolás Maduro als gefeierter Staatschef, doch sein Regime ist international immer stärker isoliert. Selbst die Armee steht nicht mehr hinter ihm.

          Lange feierten die Venezolaner am 2. Februar den Jahrestag der „bolivarischen Revolution“ des früheren Präsidenten Hugo Chávez, am Samstag jährte sich die Amtseinsetzung des 2013 verstorbenen Chávez zum zwanzigsten Mal. Doch für die meisten Venezolaner hat dieses Datum keine Bedeutung mehr.

          Tjerk Brühwiller

          Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Zwar schaffte es der venezolanische Machthaber Nicolás Maduro am Samstag, Tausende „Anhänger“ auf die zentrale Avenida Bolívar in der Hauptstadt Caracas zu locken, um ein eindrückliches Bild für die Übertragung im Staatsfernsehen zu schaffen. Doch bei denen, die ihm zujubelten, handelte es sich zumeist um Uniformierte oder Angestellte von Staatsbetrieben. Auch in ihren Gesichtern stand die Müdigkeit einer Bevölkerung geschrieben, die einen täglichen Überlebenskampf führt.

          Wenige Kilometer von der Avenida Bolívar entfernt waren gleichzeitig unzählige Venezolaner dem Protestaufruf von Juan Guaidó gefolgt. Der junge Präsident der Nationalversammlung, der sich vor anderthalb Wochen selbst zum Übergangspräsidenten erklärt hat, rief dazu auf, durchzuhalten, bis das Ziel erreicht sei: ein Ende der „Usurpation“ des Maduro-Regimes, eine Übergangsregierung sowie freie Wahlen.

          Maduro verliert seine Unterstützer

          Der Februar werde entscheidend sein, um das Regime aus dem Präsidentenpalast zu drängen, in dem es sich widerrechtlich aufhalte, sagte Guaidó. Abermals richtete er seine Botschaft an die Funktionäre des Staates und der Armee. Ihre Rolle sei nicht nur der Schutz der Verfassung und der Bevölkerung, sondern der Wiederaufbau Venezuelas. „Maduro schützt niemanden. Der Rechtsstaat und die Verfassung sind die Zukunft.“

          Auf welcher Seite die Armee steht, ist zusehends unklar. Zwar hatten der Armeechef und Verteidigungsminister Vladimir Padrino López sowie mehrere Generäle Maduro vor einer Woche ihre Treue geschworen. Doch in der Armee herrscht ebenso große Unzufriedenheit wie im Volk – besonders in den unteren Rängen, die nicht in den Genuss der Privilegien kommen, mit denen Maduro seine Generäle eindeckt.

          Kurz vor den Kundgebungen am Samstag wandte sich ein General der Luftwaffe in einem Video an die Öffentlichkeit und entzog dem „Diktator“ Maduro seine Unterstützung. Neunzig Prozent der Armee stünden nicht hinter Maduro, sagte der ranghohe Offizier. Es war die bisher stärkste Positionierung in den Reihen der Armee. Guaidó zeigte sich zuversichtlich, dass weitere Vertreter der Armee und der Polizei dem Beispiel des Generals folgen würden.

          Guaidó bietet allen, die sich auf seine Seite stellen, eine Amnestie an. Das Angebot scheint in der Armee einen Prozess des Abwägens ausgelöst zu haben. Guaidó hatte in den vergangenen Tagen laut eigenen Aussagen verschiedene Gespräche mit Militärs und Staatsfunktionären geführt.

          Die Bevölkerung leidet

          Einen bedingungslosen Rückhalt genießt Maduro nur noch von radikalster Seite. Ein Anführer der sogenannten „Colectivos“, der bewaffneten Milizen des Chavismus, sagte, dass sie bereit seien, für die Revolution von Chávez zu sterben. Maduro beschwört das Szenario eines Bürgerkriegs herauf. In einem Interview mit dem spanischen Fernsehsender sagte er, dass niemand mit Sicherheit sagen könne, wie groß die Wahrscheinlichkeit eines Bürgerkrieges sei. „Alles hängt vom Grad der Verrücktheit und der Aggressivität des Imperiums des Nordens und von dessen westlichen Verbündeten ab.“

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