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Krise in Venezuela : Maduro will mit Trump sprechen

  • Aktualisiert am

Venezuelas Staatschef Maduro während seiner dreistündigen Rede vor der Verfassungsversammlung Bild: AFP

Das Verhältnis zwischen Washington und Caracas war zuletzt eisig. Nun zeigt sich der venezolanische Staatschef gesprächsbereit. Sein Land scheint kurz vor dem Bankrott zu stehen.

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          Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro hat sich nach der Verhängung neuer amerikanischer Sanktionen zu einem Gespräch mit Präsident Donald Trump bereit gezeigt. Er habe Außenminister Jorge Arreaza beauftragt, ein Telefonat mit Trump oder ein persönliches Treffen am Rande der Generaldebatte der UN-Vollversammlung im September in New York zu organisieren, sagte Maduro am Donnerstag vor der verfassunggebenden Versammlung in Caracas.

          Gleichzeitig nutzte Maduro seine mehr als dreistündige Rede für neue Verbalattacken gegen die Vereinigten Staaten, denen er vorwarf, hinter einem Überfall auf einen Militärstützpunkt im Norden Venezuelas am Sonntag zu stecken.

          Die amerikanische Regierung hatte nach der Wahl der Verfassungsversammlung Ende Juli Sanktionen gegen Maduro verhängt und sein Vermögen in den Vereinigten Staaten eingefroren. Washington bezeichnete den sozialistischen Staatschef als „Diktator“ und kritisierte das neue Gremium als „rechtswidrig“. Später erließ Amerika außerdem Strafmaßnahmen gegen weitere venezolanische Amtsträger.

          Am Rande der Staatspleite

          Das von einer schweren Krise erschütterte Venezuela steht derweil am Rande einer Staatspleite. Kritisch werde es im Oktober und November, sagte der Präsident der Banco Venezolano de Credito, Germán García-Velutini, der Nachrichtenagentur dpa. „Dann sind jeden Monat rund zwei Milliarden Dollar zurückzuzahlen.“

          Seit Monaten kämpft die sozialistische Regierung von Maduro gegen den Ruin. Das Land hat bereits große Mengen seiner Goldreserven und Anteile an Ölfeldern verkauft, um die hohen Schulden, die es im Ausland hat, bedienen zu können. Angesichts der monatelangen Unruhen und des weiterhin niedrigen Ölpreises ist die Lage nun besonders kritisch.

          Eine Pleite könnte für das Land mit den größten Ölreserven verheerende Konsequenzen haben. Schon jetzt mangelt es an Lebensmitteln und Medizin. Viele Sozialisten sollen außerdem Anleihen des Ölkonzerns PDVSA besitzen und würden bei einer Pleite viel verlieren. Der frühere Planungsminister Ricardo Hausmann schrieb in einem Beitrag für das „Project Syndicate“, dass das Bruttoinlandsprodukt seit 2013 pro Kopf um rund 40 Prozent gesunken ist.

          „Die Wirtschaftskatastrophe in Venezuela ist schlimmer als jede andere in der Geschichte der USA, Westeuropas oder des übrigen Lateinamerikas“, erklärte Hausmann. Durch die enorme Inflation, die höchste der Welt, seien viele Bürger in die Armut abgestürzt. Laut einer Studie hätten fast 75 Prozent der Venezolaner seit 2014 zudem deutlich an Gewicht verloren.

          Entlassene Staatsanwältin fürchtet um ihr Leben

          Die entlassene Generalstaatsanwältin Venezuelas, Luisa Ortega, sagte der Nachrichtenagentur Reuters derweil, sie fürchte um ihr Leben. Sie sei auf der Flucht, werde aber in ihrem Kampf für Demokratie und Freiheit in Venezuela nicht nachlassen. Ortega hatte im März mit Präsident Nicolas Maduro gebrochen und wurde zu einer scharfen Kritikerin des Staatschefs.

          „Ich weiß nicht, welche dunklen Absichten und Pläne sie womöglich haben, um mich nicht nur meiner Freiheit zu berauben, sondern mir auch das Leben zu nehmen“, sagte sie. Die 59 Jahre alte Juristin lebt versteckt und wechselt mindestens einmal am Tag ihren Unterschlupf. Sie fühle sich permanent verfolgt, klagte sie.

          Wichtige Regierungskritikerin : Generalstaatsanwältin in Venezuela entlassen

          Dennoch arbeite sie weiter für das Land, sagte Ortega. Sie stehe im Kontakt zu Staatsanwälten und anderen Institutionen in Venezuela und in anderen Ländern. Genauer wollte sie sich dazu nicht äußern. „Ich bin die Generalstaatsanwältin Venezuelas“, betonte sie. Ihre Rechte würden ihr aber vorenthalten.

          Die Vereinten Nationen (UN) forderten Maßnahmen zum Schutz Ortegas. Sie stammt aus dem sozialistischen Lager und stand anfangs auf Maduros Seite. In den vergangenen Monaten wurde sie aber zu seiner ärgsten Gegnerin, seit es immer wieder zu Massenprotesten gegen die Regierung kam. Mehr als 120 Menschen wurden dabei bisher getötet. Ortega wirft Maduro Menschenrechtsverletzungen vor und beschuldigt die Regierung, Angaben über die Beteiligung an der Wahl der Verfassungsversammlung gefälscht zu haben.

          Mit der Versammlung hatte Maduro zuletzt das Parlament ausgehebelt, in dem die Opposition seit der letzten Wahl die Mehrheit hat. Sie soll die Verfassung novellieren, die Opposition sowie mehrere Staaten der Region verweigern der Versammlung aber ihre Anerkennung.

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