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Tod von Óscar Pérez : Maduro erschafft einen Märtyrer

Óscar Pérez spricht im Juli 2017 in Caracas während einer Mahnwache für die Opfer, die während der Proteste gegen die Regierung getötet wurden. Bild: dpa

Im vergangenen Sommer hatte Pérez einen Polizeihubschrauber gekapert und Granaten auf das Oberste Gericht Venezuelas geworfen. Jetzt haben Sondereinheiten ihn getötet – obwohl er sich ergeben hatte.

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          Ein Heer von Sondereinheiten hat sich am Montag in Venezuelas Hauptstadt Caracas an einem Großeinsatz beteiligt. Ziel war Óscar Pérez. Der frühere Inspektor der Kriminalpolizei und Schauspieler hatte es im Sommer 2017 in die Schlagzeilen geschafft, als er mit einem entwendeten Polizeihubschrauber über Caracas kreiste und den Sitz des Obersten Gerichtshofes sowie das Innenministerium beschoss.

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          In Videobotschaften hatte Pérez zum Widerstand gegen das Regime von Präsident Nicolás Maduro aufgerufen. Die unblutige Aktion hatte Pérez für viele Venezolaner zum Helden gemacht – und für die Regierung zum Staatsfeind und Terroristen.

          Monatelang hatte sich Pérez danach versteckt gehalten. Nun ist er tot. Obwohl Pérez am Montag wiederholt seine Kapitulation angeboten hatte, gingen die Sicherheitskräfte mit voller Härte gegen die Aufständischen vor. „Sie wollen nicht, dass ich mich ergebe, sie wollen mich töten“, sagte Pérez in einem seiner letzten Videos, während im Hintergrund Schüsse zu hören waren.

          Aufnahmen zeigten, wie das Haus am Rande von Caracas, in dem sich Pérez verschanzt hatte, unter anderem mit Panzerabwehrwaffen beschossen wurde. Nach Darstellung der Regierung hatten die Aufständischen das Feuer eröffnet, wobei zwei Polizisten getötet worden seien. Später war auch von mehreren getöteten Aufständischen die Rede, unter ihnen Peréz, wie die Regierung am Dienstag bestätigte.

          Menschenrechtsorganisationen verurteilen das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte scharf. Die Möglichkeiten, einen friedlichen Ausweg zu finden, seien nicht ausgeschöpft worden. Auch in den sozialen Netzwerken schlägt sich Empörung nieder. Die große Sympathie für Pérez zeigt, wie weit viele Venezolaner für einen Umsturz gehen würden. Pérez hatte den bewaffneten Aufstand gegen das Regime in Caracas angepriesen und Jubel geerntet. Sein Tod hat ihn vom Helden zum Märtyrer gemacht.

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