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Widerstand in Venezuela : Maduro erklärt Aufstand für gescheitert

Heftige Zusammenstöße zwischen Anhängern der Regierung Maduro und des Oppositionsführers Guaidó in Caracas. Bild: EPA

Den ganzen Tag herrschte Chaos in Venezuela. Die Opposition hatte Soldaten aufgerufen, Präsident Maduro zu stürzen. Nach Ausschreitungen mit Dutzenden Verletzen ist nun klar, dass die „Operation Freiheit“ vorerst keinen Erfolg hatte.

          Nach dem Aufstand einiger Soldaten in Venezuela hat Präsident Nicolás Maduro den Aufstand für gescheitert erklärt. „Ich danke der Militärführung für den Mut bei der Verteidigung des Friedens“, sagte er in einer Ansprache am Dienstagabend (Ortszeit). Bei dem Auftritt im staatlichen Fernsehen gemeinsam mit Verteidigungsminister Vladimir Padrino López zeigte Maduro sich erstmals öffentlich, nachdem die Opposition das Militär zu seinem Sturz aufgerufen hatte.

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Am Morgen hatte der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó einige Soldaten auf seine Seite gezogen und den Rest der Streitkräfte dazu aufgerufen, sich ihm anzuschließen. Abtrünnige Soldaten befreiten zudem den seit Jahren inhaftierten Oppositionsführer Leopoldo López aus dem Hausarrest.

          Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in der Hauptstadt Caracas sind nach Angaben der Opposition mindestens 69 Menschen verletzt worden. Die meisten seien durch Schrotkugeln verwundet worden, schrieb der Bürgermeister der Oppositionshochburg Chacao, Gustavo Duque, am Dienstag auf Twitter. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Foro Penal wurden im ganzen Land mindestens 25 Menschen bei Demonstrationen festgenommen.     

          Ereignisse überschlagen sich den ganzen Tag

          Zuvor hatten sich am Dienstag in Venezuela die Ereignisse überschlagen: Tränengas, Schüsse und Demonstranten, unter die sich immer mehr Soldaten mischten – alles begann mit einer Videobotschaft des Oppositionsführers Guaidó, der von zahlreichen Regierungen als Übergangspräsident anerkannt wird. Guaidó zeigte sich im Video mit einer Gruppe von Soldaten, die als Zeichen ihrer Unterstützung blaue Armbinden tragen. Das Video wurde vor der Militärbasis La Carlota mitten in Caracas aufgenommen. Es handelt sich um eine der wichtigsten militärischen Einrichtungen des Landes. Angehörige der Armee hätten zugestimmt, die Verfassung zu unterstützen und sich an der sogenannten „Operation Freiheit“ zu beteiligen, sagte Guaidó im Video. Als Zeichen der Gewaltlosigkeit solle die Bevölkerung auf die Straße gehen.

          In der Nähe der Militärbasis versammelten sich am Vormittag Anhänger der Opposition. Regimetreue Sicherheitskräfte feuerten Tränengas ab. Später waren auch Schüsse zu hören. Offenbar gerieten abtrünnige Sicherheitskräfte mit paramilitärischen regimetreuen Gruppen, den sogenannten „Colectivos“, aneinander.

          Auch in anderen Städten Venezuelas folgte die Bevölkerung Guaidós Aufruf und ging auf die Straße. An einigen Orten zogen sich die Sicherheitskräfte unter dem Jubel der Demonstranten zurück. Besonders in der Hauptstadt Caracas kam es jedoch zu chaotischen Szenen. Die Sicherheitskräfte gingen mit Härte gegen die Demonstranten vor und setzten Gummigeschosse und Tränengas ein. Ein Panzerfahrzeug der Polizei fuhr in eine Menschenmenge und überfuhr mehrere Demonstranten. Das Maduro-Regime schien entschlossen, die Manifestationen mit Gewalt niederzuschlagen.

          Ein gepanzertes Fahrzeug der venezolanischen Nationalgarde hat einen Demonstranten angefahren.

          Demonstranten gelang es um die Mittagszeit, einen Zaun der Militärbasis La Carlota in Caracas einzureißen. Derweil machte sich ein Demonstrationszug – mit der oppositionellen Galionsfigur Leopoldo López und desertierten Soldaten – auf in Richtung Präsidentenpalast, stieß jedoch auf den Widerstand von Sicherheitskräften. Verteidigungsminister und Armeechef Padrino López warnte, dass die Sicherheitskräfte die „Souveränität und Unabhängigkeit“ nötigenfalls mit Waffengewalt verteidigen würden. 

          Maas: Weiter Unterstützung für Guaidó

          Der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) sagte im Lauf des Tages, es sei noch „sehr früh, die Lage zu beurteilen“; die Position der Unterstützung Guaidós habe sich jedoch „in keiner Weise geändert“. Es sei zu hoffen, dass die Situation in Venezuela ruhig bleibe und „die Entwicklung zu Neuwahlen führt“. Maas hielt sich am Dienstagmorgen auf einer Südamerikareise in Brasilien auf; er reiste nachmittags nach Kolumbien weiter.

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