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Machtkampf in Venezuela : Der wahre Putschist ist nicht Guaidó

Der venezolanische Parlamentspräsident Juan Guaidó hat Machthaber Nicolás Maduro herausgefordert und strebt vorgezogene Wahlen an. Bild: AFP

Es ist kein Staatsstreich, den Oppositionsführer Juan Guaidó gegen den Machthaber Nicolás Maduro führt. Es geht darum, zu einen Rechtsstaat zurückzukehren, der in Venezuela schon vor Jahren ausgehöhlt wurde.

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          Es gibt genügend Gründe, weshalb sich in Venezuela etwas ändern muss. Das erdölreichste Land der Welt ist verarmt, die Bevölkerung nagt am Hungertuch, und in den Krankenhäusern vegetieren die Patienten dem Tod entgegen, weil Medikamente fehlen. Ein Zehntel der Bevölkerung hat in den vergangenen drei Jahren Venezuela verlassen. Doch so erschreckend das auch ist, all das sind alles keine Argumente, um einen Präsidenten abzusetzen.

          Tjerk Brühwiller

          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Weshalb hat nun trotzdem eine ganze Reihe von Regierungen – angeführt von den Vereinigten Staaten – Oppositionsführer Juan Guaidó als Übergangspräsidenten anerkannt? Handelt es sich um einen Umsturz wie in Zeiten des Kalten Krieges, als gewählte Regierungen in Lateinamerika durch Militärregime ersetzt wurden? Oder geht es nur ums Erdöl? Wohl nicht: Seit Jahren importiert niemand mehr Öl aus Venezuela als die Vereinigten Staaten. Und ein autoritäres Militärregime ist in Venezuela im Grunde bereits an der Macht. Die Theorie der bösen Amerikaner ist deswegen nicht nur dünn, sie verkennt auch die Ereignisse der vergangenen Jahre.

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