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Venezuela im Griff Maduros : Mut gegen Macht

Der Schwung ist dahin: Venezuelas Oppositionsführer Juan Guaidó am Wochenende in Caracas. Bild: AP

Mit der Spaltung der Nationalversammlung steht Venezuelas letzte demokratische Institution auf dem Spiel. Oppositionsführer Juan Guaidó hat seine Chance auf den Umsturz nicht nutzen können.

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          Als die ganze Welt gerade nach Iran blickte, ergriff der venezolanische Machthaber Nicolás Maduro die Gelegenheit. Mit den Stimmen seiner sozialistischen Partei sollte der abtrünnige Oppositionelle Luis Parra zum Präsidenten der von der Opposition dominierten Nationalversammlung gewählt werden, um Maduros Gegenspieler Juan Guaidó aus diesem Amt zu verdrängen. Der Oppositionsführer hatte sich vor einem Jahr zum Übergangspräsidenten des Landes ausgerufen, da die Wiederwahl Maduros zum Präsidenten mehr als fragwürdig war. Eine Wahl, die deshalb von der Opposition nicht anerkannt wird. Würde Guaidó nicht als Parlamentspräsident bestätigt, fiele dieses „Problem“ weg – das war Maduros Plan.

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Doch der Plan ging nicht auf. In einer eiligen Abstimmung wählten die anwesenden Parlamentarier von Maduros Regierungspartei sowie einige abtrünnige Oppositionelle Parra zum Parlamentspräsidenten. Sie hatten weder das nötige Quorum, noch wurden die Stimmen überprüft. Mehr noch: Als die Abgeordneten der Opposition ins Parlament wollten, um den „Coup“ zu verhindern, riegelten Sicherheitskräfte das Gebäude ab. Offener hätte sich das Regime von Maduro nicht als Diktatur entlarven können. Kritik kam selbst von Mexiko und Argentinien, die Guaidó nicht als Übergangspräsident anerkennen.

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