https://www.faz.net/-gpf-9d13m

Venezuela : Sechs Festnahmen nach versuchtem Anschlag auf Maduro

  • Aktualisiert am

Nach dem Attentatsversuch: Nicolás Maduro am Sonntag in einer Fernsehansprache Bild: dpa

Ein lauter Knall unterbricht eine Ansprache von Präsident Maduro in Caracas. Die Regierung spricht von einem Attentat aus der Luft und hat Schuldige ausgemacht. Die Opposition fürchtet nun eine Verschärfung der Repression.

          2 Min.

          In Venezuela sind nach dem versuchten Anschlag auf Machthaber Nicolás Maduro nach Behördenangaben sechs Menschen festgenommen worden. Dabei seien auch mehrere Fahrzeuge beschlagnahmt worden, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur AVN Innenminister Néstor Reverol am Sonntag in Caracas. Bei dem Einsatz seien auch Beweise sichergestellt worden. Nach Regierungsangaben war Maduro am Samstag Ziel eines Bombenanschlags gewesen, der mit Drohnen während einer Militärparade verübt wurde. Das Staatsfernsehen hatte den Moment übertragen, in dem eine Explosion zu hören war, während Maduro eine Rede vor Soldaten hielt. Der Staatschef blieb unverletzt.

          Bei dem Attentat seien zwei Drohnen benutzt worden, die jeweils mit einem Kilogramm des Sprengstoffes C-4 beladen gewesen seien, sagte Reverol. „Die Ladung kann Schäden in einem Radius von 50 Metern verursachen“, führte er fort. Die Regierung wollte am Montag weitere Details präsentieren. Direkt nach dem Zwischenfall waren Zweifel an der offiziellen Attentatsversion aufgekommen.

          Washington und Bogotá dementieren Beteiligung

          Maduro beschuldigte den scheidenden kolumbianischen Präsidenten und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos der Tat. „Ich hege keine Zweifel, dass dahinter „ultrarechte Kreise in Venezuela gemeinsam mit ultrarechten Kräften Kolumbiens und Juan Manuel Santos stecken“, sagte der autoritär regierende Sozialist.

          Weitere Hintermänner sah Maduro in den Vereinigten Staaten. Der amerikanische Sicherheitsberater John Bolton dementierte eine Beteiligung Washingtons. „Ich kann eindeutig sagen, dass es keine Verwicklung der US-Regierung in all das gibt“, sagte er dem Sender Fox News. Auch die Regierung in Bogotá widersprach vehement.

          Venezuelas Innen- und Justizminister Néstor Reverol zeigt ein Plakat mit einer Drohne, die für den Anschlagsversuch genutzt wurde.
          Venezuelas Innen- und Justizminister Néstor Reverol zeigt ein Plakat mit einer Drohne, die für den Anschlagsversuch genutzt wurde. : Bild: Reuters

          Kritiker befürchten, dass der Vorfall nun zur Verschärfung der Repression genutzt wird. „Wir warnen davor, dass dieses konfuse Ereignis als Ausrede genutzt werden kann, um das verfassungsmäßige Recht des Volkes auf Protest abzuschaffen“, schrieb das Oppositionsbündnis Frente Amplio. Mit ihrer Reaktion wolle die Regierung zudem von der akuten Krise in dem Land ablenken.

          Land mit größten Erdölreserven

          Venezuela leidet seit langem unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise; internationale Organisationen warnen vor einer humanitären Notlage. Das Land mit den größten Erdölreserven der Welt kämpft mit einer Hyperinflation, das heißt, die Preise steigen explosionsartig und das Geld verliert rasant an Wert. Weil Devisen fehlen, kann Venezuela kaum noch Lebensmittel und Medikamente importieren. Hunderttausende Venezolaner sind vor Elend und Unterdrückung in die Nachbarstaaten geflohen.

          Zuletzt prognostizierte der Internationale Währungsfonds (IWF) für das laufende Jahr eine Inflationsrate von einer Million Prozent. Die Wirtschaftsleistung könnte zudem um 18 Prozent einbrechen. Kritiker werfen Maduro vor, er wolle eine Diktatur errichten. Im vergangenen Jahr schaltete der Sozialist das von der Opposition kontrollierte Parlament aus, im Mai ließ er sich für eine weitere fünfjährige Amtszeit bei einer umstrittenen Wahl im Amt bestätigen.

          Topmeldungen

          Mehr als Vater, Mutter, Kind: Frau Kirschey ist 98 Jahre alt und hat Covid-19 im März mit einem leichten Verlauf überstanden. Hier mit Tochter und Urenkelin.

          Zusammenhalt in Corona-Zeiten : Familie ist mehr!

          Seit mehr als neun Monaten hält uns die Pandemie in Atem. Für die Familien werden die Zeiten nicht einfacher. Und die Politik sendet fatale Signale. Ein Essay.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.