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Venezuela bricht Beziehungen zu Kolumbien ab : Chávez bezeichnet Uribe als „Kriegstreiber“

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Diego Maradona stand ihm zur Seite, als der Präsident verkündete, Venezuela habe die diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien abgebrochen. Die Truppen an der Grenze sind in Alarmbereitschaft. Widersacher Uribe unterstellt Chávez, kolumbianische Rebellen zu unterstützen.

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          Es war wieder mal ein eher belangloser öffentlicher Auftritt, den Venezuelas Präsident Hugo Chávez gewählt hatte, um eine staatstragende Entscheidung zu verkünden. Zu seinem Bedauern sei er dazu gezwungen, die diplomatischen Beziehungen zum Nachbarland Kolumbien vollkommen abzubrechen, sagte er vor Absolventen einer Sportuniversität, die ihr Diplom erhielten, mit dramatisch inszenierter Entrüstung, angereichert mit kleinen burlesken Einlagen.

          An seiner Seite hatte Chávez einen ihm ergebenen Gefolgsmann, den er als „Journalisten und Provokateur“ präsentierte: Fußball-Idol und Nationaltrainer Maradona, den er nach der schmachvollen WM-Niederlage der argentinischen Nationalmannschaft beim Spiel gegen Deutschland nach Venezuela eingeladen hatte, durfte ihm die Stichworte liefern. Der „Würde“ wegen bleibe ihm gar nichts anderes als dieser Schritt übrig, obwohl ihm das eine Träne „ins Herz“ - und nicht etwa in die Augen - treibe, sagte Chávez.

          Caracas: „Chávez die kolumbianische Guerrilla“

          Fast zur gleichen Zeit legte der Botschafter Kolumbiens, Luis Alfonso Hoyos, auf Geheiß des in zwei Wochen aus dem Amt scheidenden Präsidenten Alvaro Uribe der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) Foto- und Videoaufnahmen vor, die beweisen sollten, dass die Regierung Chávez die Anwesenheit der kolumbianischen Guerrilla auf venezolanischem Territorium duldet. Auf diese Vorhaltungen ging Chávez gar nicht erst ein, er unternahm nichts, um die Behauptungen zu entkräften.

          Hugo Chávez und sein Freund aus Argentinien Dieg Maradona

          Das überließ er seinem OAS-Repräsentanten Roy Chaderton. Die meisten Dokumente seien nichtssagend, über manche könne man diskutieren, meinte der Diplomat. Es handle sich um eine neuerliche „Montage“, die gar nichts beweise, befand er. Unklar blieb tatsächlich vor allem, wie aktuell das Material ist.

          Angeblich stammen die jüngsten Dokumente und Positionsangaben vom Juni 2010. Insgesamt soll nach den kolumbianischen Angaben die Guerrilla mindestens 87 Camps in Venezuela unterhalten haben. Die Aufnahmen, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, waren durchweg in früheren Jahren entstanden, in denen die Guerrilla noch sehr mächtig war. Dass die Farc und andere aufständische Gruppierungen immer wieder in dem teilweise schwer zugänglichen Grenzgebiet auf venezolanisches Territorium auswichen, das sie als Rückzugs- und Ruhegebiet nutzten, ist schon vor der neuerlichen diplomatischen Krise hinlänglich bekannt gewesen.

          Showdown zwischen den Präsidenten

          Chávez war nicht einmal so sehr darüber erregt, dass Uribe die Anschuldigung, Venezuela biete der kolumbianischen Guerrilla Unterschlupf, von neuem vorgebracht hat. Ihn wurmte viel mehr, dass sein kolumbianischer Amtskollege eigens eine OAS-Sondersitzung einberufen ließ, um seine Anwürfe gegen Venezuela vorzubringen und dass er damit den Konflikt in der Grenzzone an die große Glocke gehängt hat.

          Die OAS habe sich für eine „Show“ hergegeben, ereiferte sich Chávez und beschuldigte den kolumbianischen Botschafter, der die Dokumente erläuterte, er lüge auf unverschämte Weise. Bei den jüngsten Auseinandersetzungen handelt es sich ganz zweifellos um einen Showdown zwischen beiden Präsidenten. Uribe hatte Chávez den Fehdehandschuh hingeworfen, als er kürzlich die vorgeblich stichhaltigen Beweise für die Umtriebe der kolumbianischen Guerrilla Medienvertretern vorführen ließ, jedoch die Veröffentlichung der Dokumente untersagte.

          Chávez in der Opferrolle?

          Nach Ansicht einiger Beobachter hat Uribe mit seinem Gang zur OAS den Bogen überspannt. Er habe Chávez provozieren und sich dafür rächen wollen, dass Caracas vor einem Jahr die Beziehungen zu Kolumbien „eingefroren“ hat. Damals hatte Kolumbien zum Missfallen von Venezuela und anderer Länder in der Region mit den Vereinigten Staaten ein Abkommen über die Nutzung von sieben Militärbasen durch die amerikanischen Streitkräfte abgeschlossen.

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