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„Vatileaks“-Prozess : Im Zweifel die Begnadigung

  • -Aktualisiert am
Auch ein weltlicher Skandal: des Papstes Kammerdiener Paolo Gabriele (vorne links) im Juni 2010 mit Benedikt XVI.
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          Der Skandal um „Vatileaks“, die gestohlenen Dokumente vom Schreibtisch des Papstes und ihre Verbreitung an die Presse, ist vor dem weltlichen Vatikangericht - und damit vorerst - strafrechtlich abgeschlossen. Am Samstag fiel das Urteil im zweiten Prozess, und schon steht die Begnadigung der Täter offenbar kurz bevor. Am Mittag wurde in Rom der Informatiker Claudio Sciarpelletti zu zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

          Das Gericht erklärte Sciarpelletti  für schuldig, den Diebstahl des früheren Kammerdieners von Papst Benedikt XVI., Paolo Gabriele, begünstigt zu haben, weil Sciarpelletti wegen seiner widersprüchlichen Angaben über die Herkunft von bei ihm gefundener Dokumente Gabrieles „die Ermittlungen der Justiz behindert“ habe. Die geforderte Strafe von vier Monaten sei aber halbiert worden, weil der Mitarbeiter des vatikanischen Staatssekretariats nicht vorbestraft sei. Zudem habe der Computertechniker des Apostolischen Palastes letztlich mit der Justiz  zusammengearbeitet, sagte Richter Giuseppe Dalla Torre bei der  Urteilsverkündigung. Der Vollzug der Strafe werde für fünf Jahre ausgesetzt. Damit folgte das Gericht dem Antrag von Staatsanwalt Nicola  Piccardi.

          Auch „Paoletto“ kann mit Gnade rechnen

          Der Verteidiger des Informatikers kündigte Berufung an. Er wollte die Niederschlagung des Prozesses wegen Nichtigkeit der Anklage  durchsetzen. Dasselbe Gericht hatte am 6. Oktober Paolo Gabriele wegen der Weitergabe vertraulicher vatikanischer Dokumente zu eineinhalb Jahren Haft  verurteilt. Aber auch „Paoletto“, wie der Dieb lange Zeit vertraulich genannt  wurde, kann damit rechnen, die Sicherheitszelle im Vatikan bald wieder zu verlassen. Das schrieb dieser Tage die italienische Zeitung „Libero“: Schon Ende Oktober habe der Papst das Entschuldigungsschreiben von Paolo Gabriele an ihn mit einem Buch der Psalmen beantwortet. Benedikt XVI. habe den Band mit  einem von eigener Hand geschriebenen Segenswunsch und seiner Unterschrift an Gabriele gesandt, berichtete das Blatt. Damit habe der Papst die Entschuldigung des „Raben“ angenommen.

          Doch die Richter verlangten von Gabriele auch die Entschuldigung bei anderen Personen, die durch die Affäre ins Zwielicht geraten seien, so bei Staatssekretär Kardinal Tarcisio Bertone. Erst wenn diese eingegangen seien, werde der Papst die Begnadigung aussprechen, hieß es in der Zeitung.

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