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Missbrauchskonferenz in Rom : Dem Monster ins Auge sehen

Papst Franziskus mit Bischöfen und Kardinälen an seiner Seite. Bild: AP

Heute beginnt im Vatikan eine Konferenz über Missbrauch in der katholischen Kirche. Doch längst nicht alle Bischöfe erkennen darin ein globales Problem.

          Der Sprecher des Vatikans benutzte einen drastischen Vergleich, als er das Programm der Konferenz über sexuellen Missbrauch und Kinderschutz vorstellte, die an diesem Donnerstag im Vatikan beginnt: „Wir brauchen jeden Einzelnen, um dem Monster in die Augen zu schauen, und wir dürfen keine Angst haben, wenn wir es wirklich besiegen wollen“, sagte Alessandro Gisotti.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Im Mittelpunkt der Konferenz, zu der rund 190 Teilnehmer anreisen, die meisten von ihnen Vorsitzende der nationalen Bischofskonferenzen, stehen die Themen Verantwortlichkeit, Rechenschaftspflicht und Transparenz. Dass nicht einmal ein Dutzend Frauen zu dem Treffen eingeladen wurden, obwohl der Missbrauch von Ordensfrauen gerade jüngst wieder durch Fälle in Indien und Chile ins Blickfeld der Öffentlichkeit getreten war, haben weibliche Missbrauchsopfer mit Enttäuschung aufgenommen.

          Überhaupt haben sich der Vatikan und auch der Papst selbst in den vergangenen Wochen erkennbar bemüht, möglichen Enttäuschungen über Verlauf und Ergebnis der Anti-Missbrauchskonferenz entgegenzuwirken. Von einem Medien-Hype war die Rede und von überzogenen Erwartungen, die sich nicht würden erfüllen lassen. Es gehe darum, einen langen Prozess in Gang zu setzen und nicht schon dessen Abschluss zu erreichen. An vier Tagen könne man keine zweitausend Jahre Kirchengeschichte komplett umkrempeln. Und so weiter. Franziskus selbst hatte die Erwartungen im Dezember durch sein Eingreifen beim Jahrestreffen der amerikanischen Bischöfe in Baltimore in die Höhe getrieben.

          Mehr Kontrolle durch Laien?

          Die dort versammelten 350 Bischöfe sollten über einen Maßnahmenkatalog zum Kampf gegen den sexuellen Missbrauch und zur Aufarbeitung bereits bekanntgewordener Fälle abstimmen. Zu dem Katalog, den der amtierende Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Daniel DiNardo aus Houston in Texas, seinen Amtsbrüdern zur Beschlussfassung vorgelegt hatte, gehörte vor allem die Einrichtung einer unabhängigen Kommission, bestehend aus sechs Laien und drei Klerikern, die Missbrauchsvorwürfe überprüfen und einen Verhaltenskodex für Bischöfe hätte erarbeiten sollen. Außerdem hätte eine Art nationaler Beschwerdeinstanz eingerichtet werden sollen, in der ebenfalls Laien die Mehrheit gestellt hätten.

          Eine Annahme dieser Vorlage durch die Bischofskonferenz galt angesichts des wachsenden Drucks der amerikanischen Justiz und der Öffentlichkeit sowie wegen des dramatischen Vertrauensverlusts der katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten als sicher. Die amerikanischen Bischöfe wollten mit den weitgehenden Neuerungen die Einsicht demonstrieren, dass die „Selbstkontrolle“ des katholischen Klerus nicht funktioniert hatte. Deshalb sollte die zentrale Rolle von Laien und unabhängigen Fachleuten bei der Überwachung von Bischöfen institutionell verankert werden.

          Doch dann wurden die Bischöfe in Baltimore von Franziskus zurückgepfiffen. Über seinen Nuntius in Washington, den französischen Erzbischof Christophe Pierre, ließ der Papst mitteilen, dass die Konferenz nicht wie geplant abstimmen solle. Zur Begründung hieß es, im Vatikan hätten die Kirchenjuristen noch nicht abschließend über die Übereinstimmung der vorgeschlagenen Maßnahmen mit dem kanonischen Recht befinden können. Außerdem sollten die amerikanischen Bischöfe nicht ungestüm vorpreschen, sondern sich bis zur Konferenz zum Thema Missbrauch im Februar im Vatikan gedulden: Die Weltkirche müsse in der Frage geeint global handeln statt getrennt national.

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