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Vatikan : Gänswein in der Sackgasse

  • -Aktualisiert am

Vertrauen in Tebartz: Georg Gänswein Bild: picture alliance / ROPI

Seit Benedikt XVI. zurückgetreten ist, stockt die Karriere seines einstigen ersten Sekretärs. Der neue Papst Franziskus redet lieber mit anderen.

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          In Deutschland gilt Erzbischof Georg Gänswein, der Präfekt des Päpstlichen Haushalts, bei vielen Katholiken als der konservative Intrigant, der in den letzten Monaten in seiner angeblichen Schlüsselstellung zwischen zwei Päpsten versucht hat, Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst den Weg zurück nach Limburg zu ebnen. Tatsächlich aber dient Gänswein jeden Tag um einige Stunden länger dem alten Papst, der keinen Einfluss mehr nehmen will, als dem Nachfolger Franziskus, bei dem Gänswein nur Organisator ist. Der Einfluss des 1956 bei Waldshut geborenen Gänswein ist beschränkt.

          Wenn er im Gespräch mit der F.A.S. sagt, dass es die „ursprüngliche Aufgabe eines jeden Bischofs“ sei, „ein Bistum zu leiten und bei den Gläubigen zu sein“, dann klingt der Wunsch nach einer neuen Aufgabe durch. Doch Gänswein meint auch, dass ihn wohl kein Bistum haben wolle: „Wenn auf einer Liste der Domkapitel mein Name stünde, würden wohl andere den Vorzug bekommen“, sagte er jüngst der „Mittelbayerischen Zeitung“.

          Gänsweins Haare sind schütter geworden. Seine Augen strahlen zwar noch heiter, und er kann nach Monaten der Enttäuschung über Benedikts Abschied wieder lachen. Doch Gänswein hat Kummer; er ist zu sehr beschäftigt, um etwas für sich selbst tun zu können. Sein Leben, das aus Politik und Macht bestand, tritt in Routine auf der Stelle. Da war die Causa Limburg eine Abwechslung, und Gänswein konnte aus dem Schatten treten, als er zum Beispiel im Oktober vor dem Gästehaus vorfuhr, in dem Tebartz-van Elst abgestiegen war, um ihm Papiere für die Audienz beim Papst zu bringen. Später sagte Gänswein, er habe nur als Briefträger den Passierschein für den Vatikan gebracht. Aber er tat mehr und ließ bei Besuchen in der Heimat kaum ein Mikrofon aus, um zum Beispiel der „Mittelbayerischen Zeitung“ zu sagen, er „glaube sehr wohl“, dass die Vorwürfe wegen „Geldverschwendung, Nichtkommunikation und Überspringung von Kontrollorganen zugunsten des Bischofs“ ausgeräumt werden würden.

          Der Zweite ist nun der Erste

          Warum Gänswein so viel Vertrauen in Tebartz-van Elst hat, verschweigt er. Im Gespräch will er zum Fall Limburg nur wenig sagen: Man solle nun endlich geduldig auf das Ergebnis der Untersuchungskommission warten. Gänswein ist nicht der Einzige in Rom, dem Tebartz-van Elst gern sein Herz ausschüttet. Da ist zum Beispiel noch Gerhard Ludwig Müller, der Präfekt der Glaubenskongregation, der am Samstag mit weiteren 18 Bischöfen zum Kardinal erhoben wurde. Müller und Gänswein haben die Presse kritisiert, die in ihren Augen den Bischof hetzt. Beide hatten Mitleid. Sie wollten dem Mann helfen, der theologisch genauso denkt wie sie selbst, aber der sein Bistum, das der Vorgänger Franz Kamphaus ihrer Meinung nach in die Irre geleitet hatte, nicht in Frieden vom „Sonderweg“ auf den rechten Pfad zu führen verstand.

          Doch Müller unterscheidet etwas Wichtiges von Gänswein: Der neue Kardinal gehört zu den engsten Beratern des Papstes. Jetzt würdigte ihn Franziskus auch noch durch ein langes Vorwort, das der Argentinier dem neuen Werk Müllers über die Armut als „Herausforderung für den Glauben“ voransetzte. Müller schreibt darin über die Erfahrungen aus seiner Zeit in Südamerika. Während der Papst den Kardinal als Dogmatiker schätzt und über Inhalte mit ihm vielleicht auch streitet, ist Gänswein für Franziskus nur Zeremonienmeister. Offiziell ist er für die „Dienste im Empfangsbereich“ und die Organisation feierlicher Audienzen zuständig, „die Seine Heiligkeit der Papst Staatsoberhäuptern, Regierungschefs, Ministern und anderen herausragenden Persönlichkeiten gewährt“. Gänswein lässt auch die Generalaudienzen und Reisen innerhalb Italiens organisieren.

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