https://www.faz.net/-gpf-u8es

Vatikan : „Ein Angriff auf die Familie“

  • -Aktualisiert am

„Keine Kommunion für die zweite Ehe” Bild: dpa

Bei dem Thema Ehe und Familie kämpft der Papst an zwei Fronten. Benedikt XVI. wehrt sich gegen Prodis Politik und den Zeitgeist. Anscheinend rückt er keinen Deut von der traditionellen Lehre der Kirche ab. Von Heinz-Joachim Fischer.

          An zwei Fronten kämpft Papst Benedikt XVI. bei dem Thema Ehe und Familie. Der Papst hatte schon in der traditionellen Ansprache zum Jahresbeginn die Mitglieder der römischen Rota - des zentralen Gerichts der katholischen Kirche, das vor allem als Ehe-Tribunal bekannt ist - ermahnt, sie sollten streng bei der „Wahrheit der unauflöslichen Ehe zwischen Mann und Frau“ bleiben und deshalb nicht leichtfertig Nichtigkeitserklärungen für kirchlich geschlossene Ehen ausfertigen. Sie sollten nicht den Versuchungen des Zeitgeistes zu wechselnden Verbindungen nachgeben und rechtliches Verständnis für faktische Partnerschaften aufbringen.

          Damit war der andere Kampfplatz aufgezeigt: Die italienischen Politiker und Kommentatoren reagierten aufgebracht, bis zu einem Tête-à-tête zwischen Staatspräsident Napolitano, einem Linksdemokraten und früheren Kommunisten, und dem linksliberalen spanischen Ministerpräsidenten Zapatero bei der Kompromisssuche. Die Regierungskoalition der Links-„Union“ unter Ministerpräsident Prodi bereitet längerfristig ein Gesetz über die standesamtliche Eintragung faktischer Partnerschaften, hetero- oder homosexueller, vor.

          Prodi positioniert sich gegen die Kirche

          Seitdem streiten unter dem Siegel „Pacs“ (Patto civile di Solidarietà, Zivilvertrag der Solidarität) Kirche und Koalition, Regierung und Opposition in Italien, aber auch Politiker in der Neun-Parteien-Koalition wie die Parteichefs der Linksdemokraten (Fassino) und der Udeur-Christlichen Demokraten (Mastella) darüber, ob durch solch ein Gesetz Ehe und Familie traditioneller Orientierung zerstört werden, wie es der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz (CEI), Kardinal Ruini, beschwört, oder ob damit neue Lebensmodelle in der modernen Gesellschaft ihre überfällige Regelung erfahren.

          Prodi streitet an der Seite der Linken gegen die Kirche

          So sieht es Prodi, 67 Jahre alt, praktizierender Katholik und in der Democrazia Cristiana groß geworden, der seit 38 Jahren mit seiner Frau Flavia verheiratet ist und für die radikale Erfüllung von Freiheiten privat nicht so viel übrig hat. Gegen die Bischöfe verteidigt er das Links-Programm: Wenn die Kirche die Menschen nicht von ihrem unauflöslichen Ehemodell überzeugen könne, müsse der Staat das Notwendige reparieren. Die Bischöfe, wie etwa der CEI-Generalsekretär Betori, geben zurück, ein rechtlicher Rahmen für faktische Partnerschaften „hebe die Familie aus den Angeln“. Darin werden sie von den oppositionellen Mitte-rechts-Parteien unterstützt; jedes Abrücken vom Traditionellen sei „ein Angriff auf die Familie“.

          Theologe Ratzinger dachte anders als Papst Benedikt

          So will auch der Papst offenbar keinen Deut von der traditionellen Lehre der Kirche abweichen, weder gegenüber der liberalen Gesellschaft noch vor kirchlichen Gerichten, obwohl Joseph Ratzinger es als Theologe differenzierter weiß. Schon 1972 äußerte sich der Professor zur Frage nach der Unauflöslichkeit der Ehe und kam zu dem die Gläubigen vielleicht überraschenden Schluss: „Wo eine erste Ehe seit langem und in einer für beide Seiten irreparablen Weise zerbrochen ist; wo umgekehrt eine hernach eingegangene zweite Ehe sich über einen längeren Zeitraum hin als eine sittliche Realität bewährt hat und mit dem Geist des Glaubens, besonders auch in der Erziehung der Kinder, erfüllt worden ist, da sollte auf einem außergerichtlichen Weg auf das Zeugnis des Pfarrers und von Gemeindemitgliedern hin die Zulassung der in einer solchen zweiten Ehe Lebenden zur Kommunion gewährt werden. Eine solche Regelung scheint mir von der Tradition her gedeckt.“

          Weitere Themen

          Scholz lässt seine Pläne offen Video-Seite öffnen

          Bewerbung auf SPD-Vorsitz : Scholz lässt seine Pläne offen

          „Ganz klar ist, wir müssen in Deutschland vorankommen mit unserem Land. Wir müssen dafür sorgen, dass der Zusammenhalt besser wird“, sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz nach Bekanntwerden seiner Kandidatur für die SPD-Spitze.

          EU-Außenminister fordert Gewaltverzicht

          Proteste in Hongkong : EU-Außenminister fordert Gewaltverzicht

          An diesem Sonntag werden in Hongkong wieder massive Proteste erwartet. Die EU hat nun China ermahnt, die Grundfreiheiten der Demonstranten zu respektieren und den Autonomiestatus von Hongkong unangetastet zu lassen.

          Topmeldungen

          Gletscher Okjökull : Das Eis verlässt Island

          Die Gletscherschmelze ist ein eindrückliches Merkmal der Klimaerwärmung: Der einstige Gletscher Okjökull auf Island ist heute keiner mehr. Die isländische Ministerpräsidentin appelliert an die Weltgemeinschaft.
          Angestellte von Google und Youtube beim Gay Pride Festival in San Francisco, Juni 2014

          Trump gegen Google : Man nennt es Meinungsfreiheit

          Ohne das Internet wäre Donald Trump wohl nicht amerikanischer Präsident geworden. Jetzt beschwert er sich über politische Ideologisierung bei Google. Aus dem Silicon Valley schallt es zurück.
          Im Jahr 2016 ist es in Kalkutta zwar noch wuseliger, aber die Anzahl der Läden und Fahrzeuge deuten auf einen Entwicklungsfortschritt hin.

          Wohlstand, Gesundheit, Bildung : Der Welt geht es immer besser

          Kurz bevor er starb, hat der schwedische Arzt Hans Rosling noch ein Buch geschrieben. Es hat eine zutiefst erschütternde These: Der Zustand der Welt verbessert sich, doch keiner bekommt es mit. Woran liegt das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.