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Vatikan : Abermals Debatte über Zölibat

  • -Aktualisiert am

Parolin: Der Zölibat sei „kein Gesetz göttlichen Ursprungs und so offen für Diskussion“ Bild: REUTERS

Der künftige Staatssekretär im Vatikan hat überraschend die Debatte über den Pflichtzölibat wiederaufgenommen. Ob die Regelung tatsächlich geändert wird, ist mehr als fraglich.

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          Der künftige Staatssekretär und damit zweite Mann im Vatikan unter Papst Franziskus, Erzbischof Pietro Parolin, hat überraschend die Debatte über den Pflichtzölibat wiederaufgenommen, die in der Kurie unter Benedikt XVI. als erledigt galt. Der bisherige Nuntius in Caracas sagte der venezolanischen Tageszeitung „El Universal“, der Zölibat sei „weder ein Dogma noch ein Gesetz göttlichen Ursprungs und so offen für Diskussion“.

          Zuletzt hatte 2006 der damals neue Präfekt der Kleruskongregation, Kardinal Cláudio Hummes, Verhandlungsbereitschaft über eine Lockerung der Keuschheitsregeln angedeutet, als er die priesterliche Ehelosigkeit nur als eine disziplinarische Norm definierte. Aber auch Hummes verteidigte kurz darauf den Zölibat wieder, und bei mehreren Bischofssynoden seither bestand Einvernehmen, es bei der Tradition zu belassen. Mit Parolin äußerte sich jetzt ein Geistlicher, der wie Hummes als Vertrauter des Papstes gilt; es heißt, der Vorstoß sei vielleicht mit Franziskus abgesprochen.

          Parolin wolle beim Zölibat „Modifizierungen vornehmen“

          „Man kann über den Zölibat diskutieren, weil er nur kirchliche Tradition ist“, sagte Parolin, der am 15. Oktober Kardinal Tarcisio Bertone als Staatssekretär ablösen wird. Auch wenn die Kirche keine demokratische Institution sei, müsse sie den demokratischen Geist der Zeit reflektieren und einen kollegialen Regierungsstil übernehmen. So sei es möglich, beim Zölibat „Modifizierungen vorzunehmen, aber stets im Dienst der Einheit und nach Gottes Willen“.

          Damit geht der 58 Jahre alte Parolin auf die Forderung vor allem aus Europa und Nordamerika ein, den Zölibat als Pflichtform aufzugeben. Im vergangenen Jahr meinte dazu der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper kritisch, er selbst habe vor vierzig Jahren die Debatte mitangestoßen. Danach aber sei der Zölibat weltweit exegetisch wie historisch so diskutiert worden, dass es einfach nicht redlich sei, die alten Argumente für dessen Aufgabe zu wiederholen.

          „Nicht weniger als drei ,Weltbischofssynoden‘ haben sich mit der Frage befasst und mit überwältigenden Mehrheiten für den Zölibat abgestimmt. Wenn man zu Recht eine Rechtskultur verlangt, dann gehört dazu auch, dass man keine lähmende Dauerdiskussion führt, sondern Entscheidungen auch anerkennt, wenn man selbst vielleicht eine andere Lösung bevorzugt hätte“, schrieb Kasper.

          Die katholische Kirche sieht im Zölibat eine frei gewählte Lebensform, die sich auf Jesus beruft. Er soll nach Matthäus (19,12) gesagt haben, die sich Gott Weihenden „haben sich selbst zur Ehe unfähig gemacht, um des Himmelreiches willen“ und um ihm nachzufolgen. Andererseits heißt es, der Apostel Matthäus selbst und auch der heilige Philippus seien verheiratet gewesen.

          Erstmals verbot um das Jahr 300 die Synode im spanischen Elvira Priestern und Diakonen ehelichen Verkehr. Erst das II. Laterankonzil 1139 verbot Priestern die Ehe. Dagegen dürfen in katholischen Ostkirchen wie bei den Maroniten Priester verheiratet sein. 2009 formte Benedikt XVI. eigene Kirchenstrukturen für konvertierende Anglikaner, deren Geistliche oft auch im Ehestand leben.

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