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Kandidatin für Elysée-Palast : Eine Alternative zu Marine Le Pen?

Sieht sich „reformbereiter“ als Macron und mit „mehr Autorität“ als Le Pen: Valérie Pécresse, die mögliche rechtsbürgerliche Präsidentschaftskandidatin in Frankreich Bild: AFP

Valérie Pécresse, die rechtsbürgerliche Regionalpräsidentin der Hauptstadtregion Île-de-France, will bei der französischen Präsidentenwahl im nächsten Jahr kandidieren. Sie fährt migrationspolitisch einen harten Kurs.

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          Eine Frau im Elysée-Palast? Bislang dachten die Franzosen dabei sofort an Marine Le Pen, die bei der Präsidentenwahl im nächsten Jahr zum dritten Mal für das höchste Staatsamt kandidiert. Doch nun drängt sich eine andere Blondine nach vorn: Die 54 Jahre alte Valérie Pécresse, die rechtsbürgerliche Regionalpräsidentin der Hauptstadtregion Île-de-France, hat am Donnerstagabend zur besten Sendezeit ihre Präsidentschaftskandidatur erklärt. „Ich bin reformbereiter als Emmanuel Macron und habe mehr Autorität als Marine Le Pen“, sagte sie dem Fernsehsender TF1. Sie wolle Frankreich seinen Stolz zurückgeben. „Ich bin bereit, die erste Präsidentin Frankreichs zu werden“, bekräftigte sie am Freitag in der Zeitung Le Figaro.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Pécresse war einst Liebling von Präsident Jacques Chiracs, der die junge ENA-Absolventin als Beraterin in den Elysée-Palast holte. Nach der krachenden Niederlage François Fillons 2017 hat Pécresse die Partei Les Républicains (LR) verlassen. Ihre neue Bewegung nennt sie „Libre!“, was „Frei!“ heißt. Jetzt ist Pécresse aber wieder auf Tuchfühlung mit dem LR-Parteivorstand gegangen. Anders als ihr früherer Parteifreund Xavier Bertrand will sie sich einer Vorwahl stellen.

          Viele halten ihre Kandidatur für einen geschickten Schachzug, um den Rivalen auch dazu zu zwingen, an der Vorwahl teilzunehmen. Denn Pécresse wie Bertrand wissen, dass zwei Kandidaten aus dem rechtsbürgerlichen Lager gegen Macron und Le Pen im nächsten April nur verlieren können. Für die These spricht der Jubel, mit dem Bruno Retailleau, der LR-Fraktionschef im Senat, die Ambitionen Pécresses begrüßte: „Die Kandidatur Valérie Pécresses ist eine gute Neuigkeit. Sie zeugt von der Vitalität der Rechten. Vorwahlen sind fortan eine Evidenz, die für alle gilt.“

          Beschuldigt, „die Interessen der weißen Rasse“ zu verteidigen

          Pécresse hat bei den Regionalwahlen Ende Juni ihr Mandat erfolgreich gegen ein linkes Wählerbündnis aus Grünen, Linkspartei und Sozialisten verteidigt. Den Kandidaten Marine Le Pens, Jordan Bardella, verwies sie abgeschlagen auf Platz 3. Die frühere Haushalts-, Forschungs- und Hochschulministerin gilt als umsichtige Planerin, die in der Hauptstadtregion unter anderem das riesige neue Bahnnetz des Grand Paris Express verantwortet. Sie tritt für die Interessen der Pendler ein, welche die sozialistische Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, mit ihrer autofeindlichen Politik aus ihrer Sicht vernachlässigt. Das Verhältnis der beiden Frauen gilt seit Jahren als angespannt. Das liegt auch daran, dass Pécresse die jahrzehntelange Herrschaft der Sozialisten in der Île-de-France beendet hat.

          Claude Bartolone, ihr sozialistischer Herausforderer bei den Regionalwahlen 2015, hielt ihr damals vor, „die Interessen der weißen Rasse“ zu verteidigen und für reiche Orte mit geringer Durchmischung zu stehen. Die extreme Rechte beschuldigt Pécresse indes, viel zu sehr Rücksicht auf die Vorstädte mit hohem Migrantenanteil zu nehmen. Dabei vertritt Pécresse harte Positionen. Sie will systematische Knochenanalysen für alle vorgeblich minderjährigen Asylsuchenden einführen. Asylanträge sollen mit ihr als Präsidentin nicht mehr auf französischem Boden, sondern nur noch in den Botschaften oder am Flughafen gestellt werden dürfen.

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