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Valdis Zatlers : Lettlands Überraschungspräsident

  • -Aktualisiert am

„Geldgeschenke” werden dem neuen Präsidenten Lettlands, Zatlers, noch lange nachhängen Bild: AP

Weil die Existenz der Regierungskoalition gefährdet war, wurde der Überraschungskandidat Valdis Zatlers eilig zum Präsidenten Lettlands gewählt. Der Unfallchirug bleibt aber von der Koalitionsführung abhängig. In ersten Interviews wirkt er tolpatschig.

          Valdis Zatlers sei der beste denkbare Präsident für Lettlands Zukunft, sagte Ministerpräsident Aigars Kalvitis, nachdem am Donnerstag früh das Parlament mit der Mehrheit von 58 Stimmen der regierenden Mitte-rechts-Koalition für den 52 Jahre alten Unfallchirurgen votiert hatte. Zatlers war ein Überraschungskandidat, der von der Koalition vor einer Woche aus dem Hut gezaubert worden war, nachdem zuvor alle Versuche gescheitert waren, sich auf einen Politiker aus den eigenen Reihen zu einigen.

          Zatlers waren 24 Stunden Bedenkzeit gegeben worden, und die Parteiführer der Regierungskoalition beschworen ihre Mannen, sich ebenso rasch auf den Kandidaten zu einigen, da andernfalls die Existenz der Regierungskoalition gefährdet sei. In Lettland herrschte helle Aufregung. Nur wenige hatten von Zatlers gehört, von einigen Medizinkennern einmal abgesehen.

          Von der „politischen Gang“ abhängig

          Aber war nicht ein „unpolitischer“ oder „überparteilicher“ Kandidat das, was man für das Land brauchte? Der vergleichende Verweis auf die späte Einigung auf die unparteiische Vike-Freiberga vor acht Jahren, die sich dann aber als überaus populär herausstellte und mit gesundem Menschenverstand den Machenschaften der politischen Klasse, ihren nationalistischen und freiheitsgefährdenden Aktivitäten entgegentrat, könnte täuschen.

          Zatlers ist von der Koalitionsführung, der „politischen Gang“, wie es in Riga oft kritisch heißt, in Hintertreppenkonfabulationen geschaffen worden und, anders als Vike-Freiberga, von ihr abhängig. Dass bei den Beratungen der „Oligarch“ Andris Skele, einer der reichsten Männer Lettlands, zweifacher Ministerpräsident und zeitweiliger Gesundheitsminister, anwesend war, wurde in Riga aufmerksam notiert und gab sofort Anlass für die Verdächtigung der Partei „Neue Ära“, die Präsidentschaftswahl sei von Skele manipuliert worden.

          Nur einmal zuvor hatte Zatlers Schlagzeilen gemacht: als Anfang 2003 ein Arzt aus seinem Unfallkrankenhaus als Vertreter der rechtspopulistischen Sauberkeitspartei „Neue Ära“ eine Korruptionsuntersuchung gegen Zatlers einleitete und dessen Suspendierung erreichte. Das Verfahren wurde später eingestellt, der Gesundheitsminister der Korruption überführt.

          Illegale „Geldgeschenke“ von Patienten

          Dass Zatlers in der Verwaltung und der Politik erfahren sei, wie ihn der Ministerpräsident rühmte, muss bezweifelt werden. In seinen ersten Interviews stellte der Kandidat sich tollpatschiger als erlaubt an. Er kenne keine „Oligarchen“, behauptete er. Und sein Geständnis, illegale „Geldgeschenke“ von Patienten angenommen zu haben, glänzte durch die Aussage, er wisse nicht, um welche Beträge es sich dabei handele, er habe die „Briefumschläge“ nicht nachgezählt. Zatlers wird die Affäre noch lange nachhängen, zumal es jetzt auch noch um die Versteuerung der Gelder geht.

          Der 1979 in Riga habilitierte Arzt, der auch an der Yale-Universitätsklinik in den Vereinigten Staaten wirkte, ist seit 1994 Direktor des staatlichen Krankenhauses für Traumatologie und Orthopädie. Zatlers, „der gute Arzt“, kündigte an, dass die Beziehungen zu Russland durch Gespräche und Toleranz verbessert werden sollten.

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