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Václav Klaus und Adenauer : Ein Preis, der keiner war

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Der tschechische Präsident Klaus (links) mit dem Ministerpräsidenten Necas Bild: dpa

1993 wurde dem tschechischen Präsidenten Václav Klaus der Konrad-Adenauer-Preis verliehen. Nun will er ihn als Zeichen des Protests gegen die Prager Adenauer-Stiftung zurückgeben. Das Problem ist nur, dass der Preis eine Erfindung war.

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          Der tschechische Präsident Václav Klaus wird mit internationalen Auszeichnungen geradezu überhäuft. Die offizielle Liste seiner Ehrendoktorate, Preise und Orden füllt mehrere Seiten. An deutschen Auszeichnungen erhielt er demnach unter anderem die Goldene Peutinger Medaille, den Ludwig-Ehrhard-Preis für Wirtschaftspublizistik, mehrere Ehrendoktortitel sowie 1993 den Konrad-Adenauer-Preis. Den droht er nun zurückzugeben.

          „Quo vadis Europa“ lautet der Titel einer Veranstaltung des Zentrums für Europäische Studien (CSE) der Prager Hochschule für Wirtschaftswissenschaften (VŠE), auf der am kommenden Mittwoch über die Finanzkrise und den Fiskalpakt diskutiert werden soll. Die Adenauer-Stiftung unterstützt diese Veranstaltung. Als Redner war unter anderen Petr Mach vorgesehen, ein früherer Berater von Klaus, der für den Austritt der Tschechischen Republik aus der EU plädiert. Zu seinem Ärger musste Mach jedoch feststellen, dass man ihn von der Rednerliste gestrichen hatte.

          Darüber, wie es dazu kam, gibt es zwei Versionen. Hubert Gehring, der Leiter des Prager Büros der Adenauer-Stiftung, gibt an, dass nachträglich das Büro des Ministerpräsidenten, das Außenministerium, die VŠE sowie ein ehemaliger Beamter der Nationalbank Redezeit reklamiert hätten, woraufhin man einigen anderen Rednern habe absagen müssen, darunter Petr Mach. Das CSE bestätigt diese Version. Mach hingegen vermutet hinter der Absage politische Gründe. Die Adenauer-Stiftung habe das CES erpresst: Wenn er auftrete, würde die Stiftung ihre finanzielle Unterstützung der Veranstaltung zurückziehen.

          Klaus machte sich Machs Version zu eigen. Er bemühe sich, weiter zu glauben, dass es sich um einen Irrtum gehandelt habe, schrieb der Präsident an Gehring, denn es könne wohl nicht sein, dass die Adenauer-Stiftung „auf so brutale Weise eine Diskussion über ein so gewichtiges Thema einschränken wolle, noch dazu auf akademischem Boden“. Sollte sich das aber als wahr herausstellen, müsse er die Rückgabe des Adenauer-Preis erwägen. Gehring spricht von einem Missverständnis, das er in einem Brief an den Präsidenten aufklären werde.

          Die Affäre hat eine Pointe. Klaus steht gar nicht auf der Liste der Empfänger eines der drei bekannten Konrad-Adenauer-Preise, die für Leistungen auf dem Gebiet der Literatur, der sozialen Marktwirtschaft sowie des Lokaljournalismus vergeben werden. Der „Konrad-Adenauer-Preis“ von 1993 war die Erfindung eines übereifrigen Leiters des Prager Büros der Stiftung, der sehr um ein gutes Verhältnis zum damaligen tschechischen Ministerpräsidenten bemüht war. Klaus, so heißt es dort jetzt, habe damals lediglich eine „Auszeichnung“ des Prager Büros erhalten. Damit stellt sich die Frage, wie Klaus einen Preis zurückgeben kann, der keiner war. Und was dann mit dem Preisgeld geschieht.

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