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Usbekistan : Usbekische Soldaten kontrollieren Grenzstadt Kara Suu

  • Aktualisiert am

Usbekische Kontrollen an der Grenze zu Kirgistan Bild: AP

Nach den Unruhen im Osten Usbekistans soll die Armee wieder die Kontrolle über die Grenze zu Kirgistan übernommen haben. Ein frührerer Botschafter kritisiert die Haltung Englands und Amerikas in dem Konflikt als „heuchlerisch“.

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          Nach den Unruhen im Osten Usbekistans haben die Sicherheitskräfte des Landes laut Agenturberichten wieder die Kontrolle über die Grenze zu Kirgistan übernommen.

          In der usbekischen Grenzstadt Kara Suu sei die Lage stabil, meldete die russische Nachrichtenagentur Interfax am Donnerstag. „Armee-Einheiten des Verteidigungs- und Innenministeriums sowie Grenzwachen sind in die Stadt eingerückt und haben die Situation vollständig unter Kontrolle“, hieß es in einem Bericht aus der kirgisischen Hauptstadt Bischkek.

          Mehrere Verhaftungen

          Der britische Fernsehsender BBC berichtete, es seien von der usbekischen Regierung beorderte Kräfte über Nacht nach Kara Suu gefahren und hätten dort mehrere Menschen verhaftet. Eine Sprecherin der kirgisischen Grenzkontrolle sagte, sie wisse nichts über Soldaten in Kara Suu. Nachdem ihre Kollegen in den vergangenen Tagen ihre Arbeit allein erledigt hätten, seien nun aber auch wieder usbekische Grenzschützer auf ihren Posten.

          Soldaten patrouillieren in Kara Suu

          Am Wochenende hatten die Einwohner Kara Suus die örtliche Polizeiwache und weitere Verwaltungsgebäude in Brand gesteckt. Zudem waren nach der Niederschlagung von Protesten in der nahegelegenen Stadt Andischan Tausende Demonstranten nach Kara Suu geflohen.

          Früherer Botschafter kritisiert Amerika und England

          Ein ehemaliger britischer Diplomat hat die Reaktionen Großbritanniens und der Vereinigten Staaten auf die Gewalt in Usbekistan als „heuchlerisch“ bezeichnet. Der frühere Botschafter Großbritanniens in Usbekistan, Craig Murray, forderte eine kompromißlose Haltung gegenüber der usbekischen Regierung, die in der vergangenen Woche Proteste in Andischan im Osten des Landes gewaltsam niederschlagen ließ. Dabei kamen zahlreiche Menschen ums Leben: Die Regierung spricht von 169, eine Oppositionsgruppe von über 700 Toten.

          Murray war im vergangenen Jahr von seinem Posten abgezogen worden. Die bisherigen Reaktionen Washingtons und Londons beschränkten sich auf „fromme Worte und keine Taten“, sagte der frühere Botschafter am Mittwoch abend. Der amerikanische Präsident George W. Bush meine sein Versprechen, er werde sich für die Ausbreitung von Freiheit und Demokratie einsetzen, offenbar nicht ernst, so Murray.

          Amerika ist „sehr verstört“

          Das Weiße Haus hatte nach den Unruhen in Usbekistan alle Beteiligten zur Mäßigung aufgerufen. Die amerikanische Regierung sei über Berichte, wonach die Streitkräfte auf Demonstranten schossen, sehr verstört, sagte Sprecher Scott McClellan. Zugleich sagte er an die Opposition gewandt, auch die Vereinigten Staaten wünschten sich von der usbekischen Regierung mehr Offenheit, Gewalt sei aber das falsche Mittel. Der britische Außenminister Jack Straw forderte am Mittwoch eine internationale Untersuchung zu den Vorfällen im Osten Usbekistans.

          Murray bezeichnete diese Reaktionen als unzureichend. Die Vereinigten Staaten und Großbritannien müßten sich für vorgezogene Wahlen unter Einschluß der usbekischen Opposition einsetzen.

          Usbekistan - ein wichtiger Verbündeter

          Der frühere Botschafter hatte die Menschenrechtslage in Usbekistan bereits während seiner Amtszeit scharf kritisiert. Den Geheimdiensten Amerikas und Großbritanniens warf er vor, Informationen von den usbekischen Sicherheitskräften zu beziehen, die diese durch Folter erpreßt hätten. Murray führt den Verlust seines Botschafterpostens auf diese Vorwürfe zurück. Das britische Außenministerium erklärte lediglich, Murray genieße nicht länger das Vertrauen seiner Vorgesetzten und Kollegen.

          Usbekistan ist ein wichtiger Verbündeter der Vereinigten Staaten im Kampf gegen den Terrorismus. In der ehemaligen Sowjetrepublik sind mehrere hundert amerikanische Soldaten stationiert, die Militäreinsätze im benachbarten Afghanistan unterstützen.

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