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Usbekistan : Unruhen dauern an - Fundamentalisten an der Macht?

  • -Aktualisiert am

Brückenblockade nahe Kara Suu Bild: dpa/dpaweb

In der usbekischen Stadt Kara Suu im Ferganatal an der Grenze zu Kirgistan sollen muslimische Fundamentalisten die Macht an sich gerissen haben. Sie wollten dort eine muslimische Ordnung errichten, berichten Medien.

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          In der im Ferganatal gelegenen usbekischen Stadt Kara Suu an der Grenze zu Kirgistan sollen nach Medienberichten muslimische Fundamentalisten die Macht an sich gerissen haben. Das meldete die russische Nachrichtenagentur Interfax am Mittwoch unter Berufung auf den britischen Hörfunksender BBC.

          Ein Vertreter der Aufständischen erklärte demnach, die Einwohner wollten eine muslimische Ordnung in der Stadt errichten und seien bereit, für die Freiheit zu kämpfen.

          Ausländische Diplomaten in Andischan

          Unterdessen, so Interfax, hätten usbekische Regierungstruppen die Stadt umstellt. Ende vergangener Woche hatten Einwohner von Kara Suu mehrere Verwaltungsgebäude besetzt und provisorisch eine Brücke wiederhergerichtet, die den usbekischen und den kirgisischen Teil der Stadt verbindet. Die kirgisische Seite einigte sich am Mittwoch mit usbekischen Grenzbeamten darauf, daß Usbeken die Grenze zu Kirgistan unter Vorlage ihrer Pässe überschreiten dürfen; viele warteten schon am Grenzübergang.

          Die usbekische Regierung hat am Mittwoch für eine Gruppe ausländischer Diplomaten eine Reise in die ostusbekische Stadt Andischan organisiert, wo usbekische Regierungstruppen am Wochenende nach Angaben von Oppositionspolitikern ein Massaker an der Zivilbevölkerung verübten, nachdem ein Gefängnis gestürmt und ein Verwaltungsgebäude besetzt worden waren.

          Sogar 1500 Opfer?

          Insgesamt sollen an mehreren Orten im usbekischen Teil des Ferganatals in den letzten Tagen bis zu 800 Menschen getötet worden sein. Ein Sprecher der oppositionellen Partei Birlik sagte am Mittwoch in Kiew, die Zahl der Opfer könne sogar noch sehr viel höher gewesen sein und bis zu 1500 betragen haben.

          Zuerst hatte der usbekische Präsident Islam Karimow diese Zahlen bestritten. Der usbekische Generalstaatsanwalt Raschid Kodirow gab die Zahl der Todesopfer dann am Dienstag mit 169 an. Von den Opfern seien 32 Regierungssoldaten gewesen, und bei den meisten anderen Toten habe es sich um bewaffnete Terroristen gehandelt, die zum Teil aus dem Ausland gekommen seien. Innenminister Sokir Almatow hatte dagegen von 108 toten Zivilisten gesprochen.

          Zahl der Opfer vertuscht?

          Einwohner von Andischan hatten angegeben, die Staatsmacht habe alle erschossenen Frauen und Kinder wegbringen lassen, weil von ihnen nicht behauptet werden könne, daß sie Terroristen gewesen seien, und hätten nur männliche Leichen übriggelassen. Vor der Ankunft der ausländischen Diplomaten sei in Andischan damit begonnen worden, die Spuren der Kämpfe zu beseitigen.

          Vor allem Großbritannien hatte die usbekische Führung aufgefordert, Diplomaten, Journalisten und Hilfsorganisationen freien Zutritt in das Krisengebiet zu gewähren. Karimow griff die westlichen Medien scharf an. Diese würden noch vor dem Ende der Untersuchungen bewußt ein falsches Bild zeichnen. Sie versuchten, im Westen den Eindruck zu erwecken, als sei auf friedliche Demonstranten geschossen worden und als seien in Usbekistan Despoten an der Macht.

          Fernsehjournalisten festgehalten

          Ein russisches Fernsehteam des Privatsenders Ren-TV mußte dieser Tage Usbekistan verlassen. Ukrainische Fernsehjournalisten vom Fünften Kanal, die in das Krisengebiet reisen wollten, wurden auf dem Flughafen von Taschkent festgehalten.

          Die Präsidenten der Nachbarländer Tadschikistan und Kirgistan, Emomali Rachmonow und Kurmanbek Bakijew, äußerten sich am Mittwoch in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe besorgt über die Lage in Usbekistan. Bakijew sagte, die Ereignisse trügen die Handschrift religiöser Extremisten. Er und Rachmonow glaubten den Angaben der usbekischen Führung.

          In Andischan soll unterdessen eine Botschaft der Besetzer des Gebäudes der Gebietsverwaltung gefunden worden sein. Die Verfasser bestreiten darin, zu der religiösen Gruppe Akromija zu gehören. Ihr Anliegen sei es lediglich gewesen, auf Armut und Mißstände aufmerksam zu machen und die Rechte der Bürger einzufordern. Die Einwohner wurden aufgefordert zusammenzustehen.

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