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Abzug aus Afghanistan : Biden zieht einen Schlussstrich

Joe Biden am Mittwoch bei einer Fernsehansprache im Weißen Haus. Bild: AFP

Bis zum 11. September sollen die Soldaten aus Afghanistan abziehen – dann endet Amerikas längster Krieg. Zurück bleibt ein ungutes Gefühl. Doch der Präsident sieht Amerika mitten in einem weit größeren Konflikt.

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          Der amerikanische „Fußabdruck“ im Mittleren Osten und in Vorderasien ist schon in den vergangenen Jahren kleiner geworden. In Afghanistan wird er jetzt ganz verschwinden. Bis zum 11. September sollen die amerikanischen Kampftruppen das Land am Hindukusch verlassen haben. Damit beendet Präsident Biden zwanzig Jahre nach „9/11“ Amerikas längsten Krieg.

          Mit dem Abzug endet auch eine Ära, in welcher der Kampf gegen islamistische Terroristen im Mittelpunkt westlicher Sicherheitspolitik stand. Hunderttausende amerikanische und zehntausende Soldaten verbündeter Länder waren im Irak und eben in Afghanistan im Einsatz. Dort wurde auch „unsere Sicherheit“ verteidigt, wie es einst hieß: Als Reaktion auf die Terrorangriffe rief die Nato erstmals den Bündnisfall aus.

          Droht ein neuer Bürgerkrieg?

          Hat sich das alles „gelohnt“ angesichts der Verluste und der ungeheuren Ressourcen, die der Einsatz erforderte? Droht unserer Sicherheit von dort keine Gefahr mehr? Die meisten Amerikaner halten die Zeit schon lange für gekommen, die eigenen Streitkräfte abzuziehen. Die Interventionsmüdigkeit – angesichts der enormen Kosten und bei zweifelhaften Erfolgsaussichten nicht verwunderlich – war unter Bidens Vorgängern immer größer geworden. Jetzt zieht der Präsident den Schlussstrich.

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          Doch auch er wird wissen, dass es gewagt ist zu verkünden, die Ziele des Westens seien erreicht worden. Man wird nach dem Abzug sehen, ob das Land nicht wieder in einem Bürgerkrieg versinkt und Terroristen dort nicht abermals Operationsbasis und Rückzugsraum finden. Die afghanische Regierung jedenfalls ist entsetzt über die Ankündigung des Abzugs, zumal an ihn offenbar keine Bedingungen geknüpft werden. Die Taliban brauchen nur ein paar Monate zu warten, ehe sie zum Sturm auf Kabul blasen und jeden Fortschritt zunichte machen, den es trotz aller Düsternis gegeben hat.

          Nein, die Soldaten aus dem Westen können nicht ewig in Afghanistan bleiben. Doch zurück bleiben ein ungutes Gefühl und lokale Partner, die sich im Stich gelassen fühlen. Biden wiederum sieht Amerika mitten in einem weit größeren Konflikt: mit anderen Großmächten. Das ist die neue Ära.

          Klaus-Dieter Frankenberger
          (K.F.), Politik

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