https://www.faz.net/-gpf-9luhm

Wegen Hackerangriffs angeklagt : Assange drohen bis zu fünf Jahre Haft in Amerika

  • Aktualisiert am

Julian Assange bei seiner Festnahme am Donnerstag: Gegen Wikileaks-Gründer liegt nach Angaben der britischen Polizei auch ein Auslieferungsgesuch der Vereinigten Staaten vor. Bild: Reuters

Fast sieben Jahre hat Wikileaks-Gründer Julian Assange in der Botschaft Ecuadors in London gelebt, um seiner Festnahme zu entgehen. Nun hat ihn das Land vor die Tür gesetzt - und die britische Polizei schlug umgehend zu. Auch Amerika will seine Auslieferung, aber die Entscheidung dazu wird dauern.

          4 Min.

          Dramatische Wende im Fall Julian Assange: Nach sieben Jahren in der Botschaft Ecuadors ist der Wikileaks-Gründer am Donnerstag von der britischen Polizei festgenommen worden. Die Polizei durfte die Botschaft betreten, nachdem die Regierung in Quito ihr Asyl für Assange zurückgezogen hatte. Wenige Stunden später wurde Assange bereits von einem britischen Gericht schuldig gesprochen, gegen seine Kautionsauflagen verstoßen zu haben. Dafür droht dem 47-Jährigen eine Haftstrafe von bis zu 12 Monaten.

          Die größere Strafe droht Assange allerdings in den Vereinigten Staaten. Die amerikanische Justiz wirft dem Wikileaks-Gründer eine Verschwörung mit der Whistleblowerin Chelsea Manning vor. Assange soll Manning dabei geholfen zu haben, ein Passwort eines Computernetzwerks der Regierung zu knacken, hieß es in einer Mitteilung des Justizministeriums zum amerikanischen Auslieferungsantrag an Großbritannien. Dadurch konnten geheime Dokumente von Militärrechnern heruntergeladen werden. Dafür drohten Assange bis zu fünf Jahren Haft in Amerika. Die Anklage aus Amerika bliebe damit allerdings hinter den schlimmsten Befürchtungen Assanges zurück. Der 47-Jährige hatte befürchtet, in den Vereinigten Staaten wegen Spionage angeklagt zu werden - wofür ihm sogar die Todesstrafe gedroht hätte.

          Er werde das Auslieferungsgesuch „anfechten und bekämpfen“, sagte Assanges Anwältin Jennifer Robinson in der britischen Hauptstadt. Zudem habe ihr Assange aufgetragen, eine Botschaft an seine Unterstützer zu übermitteln. „Er sagte: 'Ich habe es euch gleich gesagt.'“

          Der 47 Jahre alte Australier Assange lebte seit 2012 in der ecuadorianischen Botschaft in London, nachdem das lateinamerikanische Land ihm Asyl gewährte und damit vor einer Auslieferung nach Schweden schützte. Dort wurde wegen Vergewaltigungsvorwürfen gegen Assange ermittelt. Das Verfahren verjährte jedoch zwischenzeitlich. Die Frau, die damals die Vorwürfe erhoben hatte, will den Fall nun neu aufrollen, wie ihre Anwältin am Donnerstag mitteilte. Ziel sei es, dass Assange an Schweden ausgeliefert und wegen mutmaßlicher Vergewaltigung strafrechtlich verfolgt werden könne.

          Der Präsident von Ecuador, Lenín Moreno, begründete die Aufhebung des Asyls mit dem Verhalten Assanges: „Heute verkünde ich, dass das unhöfliche und aggressive Verhalten von Herrn Julian Assange, die feindlichen und drohenden Deklarationen seiner verbündeten Organisation gegen Ecuador, die Überschreitung internationaler Verträge, dazu geführt haben, dass das Asyl von Herrn Assange nicht länger tragbar und realisierbar ist.“ Weiter sagte der Präsident, dass Ecuador seine Verpflichtungen im Rahmen des internationalen Rechts „vollständig erfüllt“ habe.

          Die Whistleblowerin Chelsea Manning hat erhebliche Datenmengen aus den Computersystemen der amerikanischen Regierung an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergeleitet.

          Moreno wirft Assange vor, diplomatische Normen verletzt zu haben. Konkret soll Assange sich in die internen Angelegenheiten anderer Staaten eingemischt haben, zuletzt im Januar 2019, als Wikileaks Dokumente aus dem Vatikan geleakt habe, sagte der Präsident. Auch soll Assange den Aussagen Morenos zufolge Sicherheitskameras in der Botschaft blockiert und Sicherheitspersonal schlecht behandelt haben. Ihm wird auch vorgeworfen, auf sicherheitsrelevante Dokumente innerhalb der Botschaft – ohne Berechtigung – zugegriffen zu haben.

          Moreno sagte, er habe die britischen Behörden gebeten, Assange nicht in ein Land ausliefern zu lassen, in dem ihm Folter oder die Todesstrafe droht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Meint, er werde falsch dargestellt: Claas Relotius.

          Relotius geht gegen Moreno vor : Der Fälscher will richtigstellen

          „Erhebliche Unwahrheiten und Falschdarstellungen“? Der als Fälscher überführte frühere „Spiegel“-Redakteur Claas Relotius geht juristisch gegen Juan Moreno und dessen Buch „Tausend Zeilen Lüge“ vor. Was will Relotius?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.