https://www.faz.net/-gpf-a33np

Botschafter nach Jerusalem : Wie Trump sich als Vermittler auf dem Balkan inszeniert

Kosovos Premierminister Hoti (links), Amerikas Präsident Trump und Serbiens Präsident Vucic (rechts) bei der Unterzeichnung am Freitag im Weißen Haus. Bild: AFP

Der serbische Staatspräsident Vučić und der kosovarische Ministerpräsident Hoti unterzeichnen in Washington weitgehend gleichlautende Dokumente, die eine diplomatische Vertretung in Jerusalem vorsehen. Wussten sie, was sie da unterschrieben haben?

          3 Min.

          Niemand beschützt die Serben entschlossener und mutiger als ihr Staatspräsident Aleksandar Vučić vor Gefahren, die ihnen nicht drohen. So war es auch am vergangenen Freitag in Washington. Dort unterzeichneten Vučić und Avdullah Hoti, der Regierungschef des Kosovos, als Gäste von Donald Trump im Weißen Haus zwei separate, allerdings weitgehend gleichlautende Dokumente über wirtschaftliche Zusammenarbeit und diverse andere Fragen. Zuvor hatten regierungsfreundliche serbische Medien freilich den Eindruck erweckt, Trump und sein Unterhändler Richard Grenell, bis vor kurzem amerikanischer Botschafter in Deutschland, planten, Vučić in Washington nahezu unmenschlichem Druck auszusetzen, die Unabhängigkeit des Kosovos anzuerkennen. Das aber, so Vučić und die ihm geneigte Medienlandschaft in präemptivem Heroismus, werde man keinesfalls tun.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          So kam es dann auch. Vučić hat sich in Washington standhaft einer Forderung widersetzt, die nicht ernsthaft an ihn herangetragen wurde. Was die Statusfrage betrifft, bleibt alles wie gehabt: Die 2008 vom Kosovo proklamierte Unabhängigkeit wird von Serbien nicht anerkannt. Was dagegen genau unterzeichnet wurde am Freitag in Washington, ist schwer auf einen Nenner zu bringen, denn es handelt sich um ein buntes Potpourri an Absichtserklärungen. Trump selbst sprach in gewohntem Understatement von einem „wahrhaft historischen Tag“ sowie einem „wichtigen Durchbruch“ und twitterte: „Noch ein Tag, von dem alle dachten, er sei unmöglich.“ Er gratuliere Vučić und Hoti zu der verabredeten wirtschaftlichen Normalisierung.

          Diplomatische Vertretungen in Jerusalem

          Am meisten Aufsehen erregte an den jeweils zweiseitigen Dokumenten freilich der letzte Punkt, der die Außenpolitik betrifft: Demnach werden das Kosovo und Israel diplomatische Beziehungen aufnehmen, nachdem die kosovarische Regierung sich bereit erklärt hat, eine Botschaft in Jerusalem zu eröffnen. Serbien, das jede neue staatliche Anerkennung des Kosovos eigentlich ablehnt und bekämpft, hat derweil zugesagt, seine Botschaft bis Juli 2021 von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Trump twitterte dazu von „einem weiteren großen Tag für den Frieden“ im Nahen Osten: „Das mehrheitlich muslimische Kosovo und Israel haben vereinbart, ihre Verbindungen zu normalisieren und diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Gut gemacht! Mehr islamische und arabische Nationen werden bald folgen!“

          Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu bedankte sich bei Serbien und dem Kosovo noch am gleichen Tag für die Entscheidung, diplomatische Vertretungen in Jerusalem zu eröffnen respektive dorthin zu verlegen. Er hob hervor, das Kosovo sei der erste Staat mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit, der eine Botschaft in Jerusalem unterhalten werde. Netanjahu stellte dies in einer Stellungnahme als Fanal dar: Der „Kreis des Friedens und der Anerkennung Israels“ weite sich, und es sei zu erwarten, dass andere Staaten dem kosovarischen Beispiel folgen werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.