https://www.faz.net/-gpf-9wrm1

Krieg in Afghanistan : Amerika und die Taliban einigen sich auf Testlauf für Waffenruhe

  • Aktualisiert am

Kämpfer der Taliban nehmen am 8.Februar 2020 an einer Kapitulationszeremonie in der Provinz Nangarhar teil. Bild: dpa

Ab Samstag soll die Gewalt am Hindukusch deutlich abnehmen. Gelingt das, könnten die Vereinigten Staaten und die radikalen Islamisten am 29. Februar ein Abkommen unterzeichnen.

          2 Min.

          Die Vereinigten Staaten und die Taliban wollen die Gewalt in Afghanistan verringern. „Nach Jahrzehnten des Konflikts haben wir uns mit den Taliban auf eine signifikante Reduzierung der Gewalt in ganz Afghanistan geeinigt“, teilte Amerikas Außenminister Mike Pompeo am Freitag auf Twitter mit. Das sei ein wichtiger Schritt auf einem langen Weg zu Frieden, und er rufe alle Afghanen dazu auf, diese Möglichkeit zu nutzen, schrieb Pompeo weiter.

          Nach erfolgreicher Umsetzung der Gewaltreduzierung werde erwartet, dass die Unterzeichnung eines Abkommens zwischen beiden Seiten voranschreite, heißt es in einer Erklärung des amerikanischen Außenministeriums weiter. Man bereite eine Unterzeichnung für den 29. Februar vor. Innerafghanische Verhandlungen – die eigentlichen Friedensverhandlungen – sollten „bald danach“ beginnen.

          Ein Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und den Taliban soll einen Zeitplan für den Abzug von amerikanischen Truppen sowie Garantien der Taliban beinhalten, dass Afghanistan kein Rückzugsort für Terroristen mehr wird. Es soll zudem innerafghanische Friedensgespräche einleiten, in denen es um eine Neuverteilung der politischen Macht im Land geht. Die Taliban teilten mit, die Unterzeichnung des Abkommens werde in Anwesenheit internationaler Beobachter stattfinden. Bis dahin würden beide Parteien eine „geeignete Sicherheitssituation“ schaffen.

          Eine Reduzierung der Gewalt in Afghanistan galt zuletzt als Forderung der amerikanischen Regierung, um ein Abkommen über Wege zu Frieden zu unterzeichnen. Weitere Details teilten beide Seiten nicht mit. Die „Washington Post“ teilte unter Berufung auf den Sprecher des afghanischen Sicherheitsrates, Javid Faisal, mit, dass die Gewaltreduzierung am Samstag beginnen solle. Das Datum sei zudem von einer Quelle aus dem amerikanischen Außenministerium bestätigt worden, die namentlich nicht genannt werden wollte.

          In der Taliban-Erklärung hieß es weiter, die Zeit bis zur Unterzeichnung werde auch genutzt, um ranghohe Vertreter zahlreicher Länder zur Unterzeichnungszeremonie einzuladen und Vorkehrungen für die Freilassung von Gefangenen zu treffen.

          Herausforderungen bleiben

          Zudem wolle man den Weg zu innerafghanischen Verhandlungen mit verschiedenen politischen Parteien strukturieren. Afghanistan solle in Zukunft nicht genutzt werden, um die Sicherheit anderer zu gefährden, so dass die Menschen ein friedliches und erfolgreiches Leben „im Schatten eines islamischen Systems“ leben könnten.

          Herausforderungen blieben weiter bestehen, hieß es in der Erklärung des amerikanischen Außenministeriums weiter. Aber die Fortschritte in Doha – dort fanden die meisten Verhandlungsrunden zwischen den Vereinigten Staaten und den Taliban statt – gäben Hoffnung und stellten eine „echte Chance“ dar.

          Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat sich erfreut über das Abkommen für weniger Gewalt zwischen Amerika und den militant-islamistischen Taliban gezeigt. „Ich begrüße die heutige Ankündigung, dass eine Verständigung auf eine deutliche Reduzierung der Gewalt in Afghanistan erreicht wurde“, sagte der Norweger am Freitag in Brüssel. Dies sei ein entscheidender Test dafür, ob die Taliban willens und fähig seien und zum Frieden beitragen könnten. Zudem könne die Einigung den Weg für innerafghanische Gespräche ebnen und sicherstellen, dass das Land nie mehr ein sicherer Zufluchtsort für Terroristen werde.

          Weitere Themen

          Mehr Firmenübernahmen auf Sicherheitsaspekte abklopfen Video-Seite öffnen

          Altmaier : Mehr Firmenübernahmen auf Sicherheitsaspekte abklopfen

          Das Kabinett billigte am Mittwoch eine Novelle des Außenwirtschaftsgesetzes (AWG). Wirtschaftsminister Peter Altmaier sagte in Berlin, die Regelungen in Deutschland seien sehr liberal und müssten nachgeschärft werden.

          Topmeldungen

          Nach einer langen Nacht in Brüssel ging es für Bundesfinanzminister Olaf Scholz am Mittwoch in Berlin weiter.

          Corona-Bonds : Büchse der Pandora

          Die Behauptung, Corona-Bonds würden ein Ausnahmefall bleiben, zeigt bestenfalls politische Naivität. Wer die Büchse der Pandora öffnet, kann sie nie wieder schließen.
          Genau hinschauen: Ein Ermittler der OPCW bei Kontrollen in Syrien im Jahre 2013.

          Chemiewaffeneinsatz in Syrien : Mit dem Mittel maximalen Terrors

          Internationale Ermittler haben festgestellt, dass das Assad-Regime in mindestens drei Fällen Chemiewaffen eingesetzt hat. Syrien und Russland haben das immer wieder bestritten – und Moskau versuchte, die Einsätze mit Desinformationskampagnen zu verschleiern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.