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Corona in Amerika : Schmerzliche Erkenntnis

Hat keine guten Nachrichten zu überbringen: Der amerikanische Präsident Donald Trump Bild: AFP

Vor fünf Wochen hielt der amerikanische Präsident Covid-19 für eine Grippe. Jetzt nicht mehr. Und die Zahl der Toten steigt.

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          Fünf Wochen ist es her, da hielt der amerikanische Präsident Covid-19 für eine Grippe, für mehr nicht. Jetzt hält er Covid-19 nicht mehr für eine Grippe, sondern für eine bösartige Krankheit. Angesichts dramatisch steigender Infektionen und Mortalität in den Vereinigten Staaten, beeindruckt und erkennbar bedrückt von Prognosen seiner eigenen Berater über zu erwartende Todeszahlen („wie in Weltkriegen“) schlägt auch Donald Trump einen ganz anderen Ton an. Jetzt stellt er die Amerikaner auf schmerzliche Wochen ein, die vor ihnen lägen. Nach den jüngsten Hiobsbotschaften vom Arbeitsmarkt sind die Nachrichten vom Versuch, das Coronavirus einzudämmen, nicht dazu geeignet, auf einfältigen Optimismus zu machen. Die düstere Realität der Pandemie, mit erschreckenden „Spitzenwerten“ für Amerika, ist beim obersten Mann im Staate angekommen.

          Im vierten Jahr seiner Amtszeit ist Trump mit einer Krise konfrontiert, auf die er so wenig vorbereitet war wie offenkundig das amerikanische Gesundheitswesen generell. Es fehlt an Testkapazitäten, an medizinischer Ausrüstung und an Personal. So groß ist der Bedarf hierfür, dass flehentlich nach Hilfe gerufen wird und in New York, wo das Virus besonders heftig wütet, Feldlazarette errichtet werden müssen. Unterschätzt hat die Regierung Trump die Gefährlichkeit des Coronavirus ganz gewiss, aber nicht nur sie, auch andere haben das getan – in Amerika, in Europa. Wertvolle Zeit wurde vertan, weil gezögert oder die tödliche Gefahr ignoriert wurde. 100.000 Amerikaner könnten sterben, vielleicht noch mehr, und zwar trotz der Maßnahmen, die zur Eindämmung ergriffen worden sind. Wenn medizinische Bilanz zu ziehen ist, wird man wissen, wie groß die Verluste, in jeder Hinsicht, sind; und dann werden die Leute auch das Urteil über das Krisenmanagement des Präsidenten fällen.

          Jetzt ist es nicht die Zeit dafür. Jetzt müssen alle Verantwortlichen jedweden Dünkel und politische Kleinkariertheit zurückstellen und gemeinsam Covid-19 bekämpfen. Hilfeersuchen sollten erhört werden und nicht überhört. Wenn sich der Präsident schon einer Kriegsrhetorik bedient, dann müssen alle notwendigen Ressourcen mobilisiert werden. In Zeiten der Bedrängnis sind die Amerikaner zu großer Solidarität und heroischem Einsatz bereit und in der Lage. Dafür ist die Zeit jetzt gekommen.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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