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Wahlen im Jahr 2020 : Was die Kandidatur von Bernie Sanders so schwierig macht

  • -Aktualisiert am

Bernie Sanders auf einer Veranstaltung im Demokratischen Vorwahlkampf 2016 Bild: dpa

Bernie Sanders will 2020 gegen Donald Trump antreten und ihn aus dem Weißen Haus verdrängen. Doch die Demokratische Partei ist nicht mehr dieselbe.

          Es gab da diesen Moment während des demokratischen Vorwahlkampfes 2016, als ein kleiner Vogel auf dem Rednerpult von Bernie Sanders in Portland, Oregon, landete. Sanders lachte, die Menge geriet in Verzückung, und das Meme „Birdie Sanders“ war geboren.

          Die Begeisterung, ja liebevolle Huldigung, mit der viele seiner Anhänger auf Sanders reagierten, erwischte die Kampagne von Hillary Clinton damals kalt. Bei seinen Auftritten, egal ob in der New Yorker Bronx oder in San Francisco, fühlten sich gerade junge Menschen mit ihren Sorgen ernst genommen. Es war sein Moment, auch wenn die Partei sich letztlich für Clinton entschied. Viele Demokraten dachten, Sanders werde sich dieses Mal damit zufrieden geben, progressive junge Kandidaten zu unterstützen. Doch der 77 Jahre alte parteilose Senator aus Vermont will es noch einmal wissen. „Nicht ich. Wir.“, nennt er seine Kampagne für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten 2020.

          „Wir werden gewinnen“

          „Unsere Kampagne dreht sich nicht nur darum, Donald Trump zu schlagen, den gefährlichsten Präsidenten in der modernen amerikanischen Geschichte“, hieß es in einer E-Mail an Sanders' Unterstützer am Dienstag. „Es geht uns darum, Amerika zu verändern und eine Regierung zu schaffen, die auf den Prinzipien ökonomischer, sozialer, antirassistischer und umweltpolitischer Gerechtigkeit fußt.“ In Interviews griff Sanders Trump als Rassisten und Sexisten an und antwortete auf die Frage, was seinen Wahlkampf 2020 von dem 2016 unterscheiden werde: „Wir werden gewinnen.“

          Sanders wird nun mit einigen Herausforderungen kämpfen, die nicht zuletzt seinem eigenen Erfolg zu verdanken sind. Er war in den letzten Vorwahlen ein gefährlicherer Gegner für Hillary Clinton, als viele es vorausgesehen hatten. Besonders junge Wähler konnte er für Ideen wie einen flächendeckenden Mindestlohn von 15 Dollar, eine gebührenfreie College-Ausbildung und eine allgemeine Krankenversicherung begeistern. Junge Aktivisten zogen sich nach dem Wahlkampf nicht enttäuscht ins Privatleben zurück, sondern kandidierten vielerorts für regionale Ämter. Sanders und seinen Anhängern gelang es nach dem Desaster der Wahlniederlage gegen Trump, ihre Ideen in der Partei populärer zu machen – viele Demokraten rückten nach links.

          Konkurrentin am linken Flügel

          Und das ist auch gleichzeitig das Problem einer Sanders-Kampagne für 2020. Es gibt unter den Kandidaten viele, die ebenso wie Sanders sozialpolitische Reformen wollen und in ihren Wahlkampagnen auf das Geld von Großspendern verzichten. Senatorin Elizabeth Warren etwa schlägt schon seit langem höhere Steuern für Multimillionäre vor – in letzter Zeit wirbt sie auch für ein allgemeines Kinderbetreuungs-Programm, das soziale Härten mildern soll. Mit Sanders und auch mit dem ehemaligen Vizepräsidenten Joe Biden, der immer noch nicht seine Kandidatur erklärt hat, teilt Warren den Nachteil des fortgeschrittenen Alters. Andere, die ebenfalls für Ideen wie die allgemeine Krankenversicherung sind, haben dieses Manko nicht.

          Sanders hat aber auch zentristische Gegner. Amy Klobuchar, die Senatorin aus Minnesota, hielt am Montag ihre erste „Town Hall“-Sendung als Kandidatin ab und bot eine Alternative zum Programm von Sanders und anderen linken Kandidaten an: Schritte in Richtung einer allgemeinen Krankenversicherung müssten langsamer unternommen werden, mit mehr Wahlmöglichkeiten für die Bürger. Und auch beim Klimaschutz müsse man schrittweise vorgehen und nicht die Agenda eines „Green New Deal“ für den einzigen gangbaren Weg halten, so Klobuchar. Anders als 2016 gibt es bislang nicht die eine Gegnerin, an der sich Sanders abarbeiten könnte – die Situation ist wesentlich unübersichtlicher.

          Die Sanders-Kampagne verkündete am Dienstag, dass sie schon wenige Stunden nach dessen Ankündigung Spenden von 150.000 Menschen aus dem ganzen Land erhalten habe. Die Nachrichten-Website „Business Insider“ berichtete, dabei sei die neue Rekordsumme von vier Millionen Dollar zusammen gekommen. Die Mobilisierungsstärke des Sanders-Netzwerkes ist legendär – seine Mailingliste galt auch im vergangenen Midterm-Kongresswahlkampf als begehrte Ressource. Seine Mitarbeiter sind bereits jetzt damit beschäftigt, den Zweiflern in der demokratischen Partei, die den Unabhängigen auf den Schild heben soll, ihren Weg zu einem Sieg zu erklären. Am Ende gehe es einzig und allein darum, wer Donald Trump besiegen könne. Auch den demokratischen Wählern ist Umfragen zufolge vor allem wichtig, dass ein Kandidat tatsächlich gegen Trump gewinnen kann – auch, wenn sie nicht mit seinen wichtigsten Positionen übereinstimmen.

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