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Verhandlungen in Doha : USA loben Gespräche mit Taliban

Eine Taliban-Delegation am 9. Oktober in Doha Bild: Reuters

Der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums bezeichnet die Gespräche mit den Taliban als „offen und professionell“. Laut einer Kennerin erhoffen sich die Machthaber in Kabul die Legitimierung ihrer Herrschaft.

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          Die Vereinigten Staaten und die Taliban äußerten sich zufrieden über ihren ersten direkten Kontakt seit der Machtübernahme der radikalen Islamisten in Afghanistan. Der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, Ned Price, bezeichnete die zweitägigen Gespräche, die beide Seiten am Wochenende in der qatarischen Hauptstadt Doha geführt haben, als „offen und professionell“. Als „positiv“ wertete sie der Leiter der Delegation der Taliban, Mullah Amir Khan Muttaqi.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

          Verschieden waren indessen die Themen, welche die beiden Verhandlungsparteien ansprachen. Im Vordergrund für die Amerikaner hätten Fragen der Sicherheit und des Terrorismus gestanden sowie die sichere Ausreise ausländischer Staatsbürger und der afghanischen Ortskräfte, ferner Menschenrechte und insbesondere die Teilhabe von Frauen und Mädchen in der afghanischen Gesellschaft, sagte Price. Vor dem Beginn der als „pragmatisch“ eingestuften Gespräche hatte Washington erklärt, das Treffen bedeute nicht die Anerkennung der Herrschaft der Taliban.

          Über humanitäre Hilfen gesprochen

          Der qatarische Nachrichtensender Al Jazeera berichtete, man habe über humanitäre Hilfen gesprochen. Die Taliban erklärten, sie würden die Arbeit humanitärer Organisationen in Afghanistan unterstützen. Konkret forderten die Taliban von den Vereinigten Staaten, eingefrorene Guthaben des afghanischen Staats freizugeben und die Namen mehrerer führender Mitglieder der Taliban von der Terrorliste zu streichen.

          Auch eine deutsche Delegation hat mit ranghohen Taliban-Vertretern in Qatar über sichere Ausreisemöglichkeiten für Menschen in Afghanistan verhandelt, „für die Deutschland eine besondere Verantwortung trägt“. Das teilte das Auswärtige Amt am Montagabend mit. Bei den Gesprächen sei auch über die „Einhaltung von Menschen- und insbesondere Frauenrechten, der inklusiven Ausgestaltung des politischen und gesellschaftlichen Prozesses sowie Fragen der Sicherheit und der terroristischen Bedrohung ausgehend von afghanischem Boden“ gesprochen worden. Die Delegation habe abermals betont, „dass die Bundesregierung mit Blick auf zukünftiges Engagement die Taliban an ihren Taten und nicht an ihren Worten messen wird“.

          Die Taliban hofften, dass Gespräche wie die in Doha ihre Herrschaft legitimierten, sagt Habiba Sarabi der F.A.Z. Sie war von 2005 bis 2013 Gouverneurin der Provinz Bamiyan und gehörte vom September 2020 an der Delegation der afghanischen Regierung an, die mit den Taliban in Doha verhandelt hatte. Die Herrschaft der Taliban habe aufgrund der gewaltsamen Machtübernahme keine Legitimität. Die Amerikaner verfolgten mit dem direkten Kontakt zwei Ziele, sagt Sarabi, die derzeit in der Türkei lebt.

          Sie wollten zum einen verhindern, dass sich die Taliban China und Russland annäherten, und zum anderen ihre Fehler korrigieren, die erst die Machtübernahme der Taliban ermöglicht hätten, indem sie jetzt versuchten, die Taliban zu mäßigen.

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