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Hohe Reichweite : USA könnten Raketenwerfer an die Ukraine liefern

Amerikanische Soldaten neben einem M142 High Mobility Artillery Rocket System (HIMARS) am 6. März bei Riad in Saudi-Arabien Bild: AFP

Um Russland zurückzuschlagen, brauche die Ukraine Waffen mit höherer Reichweite. Das fordert Kiew schon lange. Die amerikanische Regierung scheint dem nachgeben zu wollen.

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          Die Vereinigten Staaten könnten schon in dieser Woche verkünden, dass sie Raketenwerfersysteme in die Ukraine liefern werden. Wie mehrere amerikanische Medien übereinstimmend berichten, soll Kiew Washington schon lange darum gebeten haben. Es handelt sich dem Vernehmen nach um zwei Systeme: das M270 Multiple Launch Rocket System (MLRS) und das M142 High Mobility Artillery Rocket System (HIMARS). Der Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Mychailo Podoljak, schrieb auf Twitter, die Ukraine könne „Russland wieder hinter den Eisernen Vorhang bringen“, aber dafür brauche es Artillerie größerer Reichweite als die Ukraine sie jetzt besitze.

          Oliver Kühn
          Redakteur in der Politik.

          Bei den schweren Waffen, die die Ukraine jetzt vom Westen fordert, handelt es sich unter anderem um Anti-Schiffsraketen, um die russischen Flotten im Schwarzen Meer zu bedrohen, aber besonders um Raketenwerfer mit höherer Reichweite. Die amerikanischen Systeme MLRS und HIMARS stehen dem Vernehmen nach seit langem auf Kiews Wunschliste. Die Vereinigten Staaten hätten jedoch lange mit einer Lieferung gezögert, weil die Ukraine mit diesen Waffen auch russisches Territorium angreifen könnte. Washington fürchtete bislang eine heftige Reaktion des Kremls, sollte es dazu kommen.

          Forderung, Russland als „Terrorstaat“ einzustufen

          Das System MLRS ist ein mobiler gepanzerter Mehrfachraketenwerfer, auf dem Fahrgestell des amerikanischen Bradley-Panzers. Das System kann mit zwölf Raketen bewaffnet werden die in weniger als einer Minute abgefeuert werden können und von einem Leitsystem ins Ziel gelenkt werden. Das System wurde im Kalten Krieg entwickelt und war dafür vorgesehen, nach dem Abschuss sofort die Position zu wechseln, um Gegenbeschuss auszuweichen. In Deutschland ist das System unter dem Namen MARS bekannt und wird auch von der Bundeswehr verwendet. Das System HIMARS ist gegenüber dem MLRS nicht auf einem Kettenfahrzeug montiert, sondern auf einem LKW. Es kann die selbe Munition verschießen wie das MLRS, jedoch nur sechs Raketen auf einmal. Die Höchstreichweite, die mit speziellen Geschossen erzielt werden kann, liegt bei 500 Kilometern, die effektive Kampfreichweite mit der Standardmunition jedoch bei 70 Kilometern.

          Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einer Videoansprache am Wochenende gesagt, sein Land werde wahrscheinlich nicht alle Gebiete erobern können, die Russland kontrolliert. Doch er sei sicher, dass es militärisch möglich sei, alles, was Russland seit dem Beginn der Invasion am 24. Februar unter seine Kontrolle gebracht habe, zurückzuholen. Die anderen Gebiete, also die Halbinsel Krim und die sogenannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk, könnten nicht zurück erkämpft werden, das würde zu viele Menschenleben kosten. Außerdem forderte Selenskyj die Einstufung Russlands als „Terrorstaat“. Terror sei „die einzige Form des Handelns des russischen Staates gegenüber Europa“ geworden. Er werde das Thema zu Beginn der Woche auf einem EU-Sondergipfel ansprechen.

          Die russische Armee greift derweil immer noch die ukrainische Stadt Sewerodonezk an. Der Einschätzung des amerikanischen „Institute For The Study Of War“ geschieht das jedoch nur, um den letzten größeren Ort im Oblast Luhansk einzunehmen und dessen komplette Kontrolle vermelden zu können. So mache die russische Armee dort zwar Fortschritte, stehe an anderen Frontabschnitten jedoch fast still oder müsse sich ukrainischen Gegenangriffen erwehren. Ein Großteil der Stadt sei eingekesselt, heißt es in der Lageeinschätzung. Nach einem eventuellen Erfolg, der jedoch noch nicht sicher sei, werde die russische Armee kaum noch in der Lage zu größeren Operationen sein, da sie schon jetzt auf Reserven zurückgreifen müsse. Die ukrainischen Streitkräfte müssten zwar auch hohe Verluste hinnehmen, verteidigten sich aber immer noch.

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