https://www.faz.net/-gpf-a7ka4

Joe Biden : „Wir sind im Krieg mit diesem Virus“

  • Aktualisiert am

Bald offiziell Amerikas Präsident: Joe Biden Bild: AP

Amerikas künftiger Präsident tritt sein Amt zu einer Zeit an, in der die Corona-Pandemie in den Vereinigten Staaten wilder tobt denn je. Die Impfung der Bevölkerung kommt nur schleppend voran. Joe Biden präsentiert nun Pläne, wie er das ändern will.

          3 Min.

          Angesichts einer dramatischen Ausbreitung des Coronavirus in den Vereinigten Staaten will der künftige Präsident Joe Biden das Tempo der Corona-Impfungen im Land deutlich beschleunigen. Biden kündigte am Freitag in Wilmington im Bundesstaat Delaware ein Bündel an Aktionen an, mit dem er bestehende Probleme und Verzögerungen bei der Impfkampagne in Amerika überwinden will. Unter anderem soll die Katastrophenschutzbehörde Fema beim Aufbau von Impfzentren helfen. Mobile Impfstationen sollen in entlegene Gebiete geschickt werden. Biden will auch die Apotheken im Land einspannen, um ebenfalls Impfungen zu verabreichen. Außerdem will der Demokrat erreichen, dass schon jetzt weitere Bevölkerungsgruppen geimpft werden und die geltende Priorisierung gelockert wird.

          Weltweit hat die Zahl der Menschen, die nach einer Corona-Infektion gestorben sind, gerade erst die Zwei-Millionen-Grenze überschritten. Mehr als 93 Millionen Infektionen wurden rund um den Globus bislang gemeldet. In absoluten Zahlen sind die Vereinigten Staaten das Land, das am schwersten von der Pandemie getroffen ist. In den Vereinigten Staaten mit seinen rund 330 Millionen Einwohnern wurden bislang mehr als 23 Millionen Infektionen mit dem Virus registriert. Mehr als 390.000 Menschen sind im Zusammenhang mit dem Virus bereits gestorben. Die Zahl der innerhalb eines Tages gemeldeten Todesfälle brach zuletzt immer neue Rekorde – am vergangenen Dienstag waren es mehr als 4400.

          Vereidigung am Mittwoch

          Biden nannte die Zahlen niederschmetternd. „Wir sind weiter in einem sehr dunklen Winter“, mahnte er. „Wir sind im Krieg mit diesem Virus.“ Der Demokrat hat unter anderem als Ziel ausgerufen, dass innerhalb der ersten 100 Tage nach seinem Amtsantritt mindestens 100 Millionen Impfdosen verabreicht werden. Am kommenden Mittwoch wird er als Präsident vereidigt.

          Bislang kommen die Impfungen in Amerika nur schleppend voran. Nach Angaben der Regierung von Freitag wurden bislang mehr als 30 Millionen Impfdosen im Land verteilt. Nach einer Aufstellung der „New York Times“ wurden bislang aber nur gut zwölf Millionen Impfdosen verabreicht.

          Am Freitag beschwerten sich unter anderem der Bürgermeister von New York, Bill de Blasio, und die Gouverneurin des Bundesstaats Oregon, Kate Brown, über die Verteilung der Impfstoffe. De Blasio schrieb auf Twitter, in New York gingen in der kommenden Woche die Impfstoffe aus, während es in anderen Teilen des Landes ungebrauchte Impfdosen gebe.

          Auch Biden sagte: „Es gibt zig Millionen Impfstoff-Dosen, die unbenutzt in Gefrierschränken lagern, während Menschen, die den Impfstoff wollen und brauchen, ihn nicht bekommen können.“ Das müsse sich dringend ändern. Bidens künftige Regierung will alle Bundesstaaten ermuntern, Impfungen schneller für größere Bevölkerungsgruppen anzubieten. In den Vereinigten Staaten wurde ähnlich wie in Deutschland eine Prioritätenliste erarbeitet, damit besonders gefährdete Gruppen zuerst geimpft werden. Biden beklagte jedoch, die Umsetzung sei zu streng und unübersichtlich. Er plädierte dafür, nicht nur Mitarbeitern aus dem Gesundheitswesen sowie Bewohnern und Angestellten in Pflegeheimen Vorrang zu geben, sondern Impfungen schon jetzt in großer Zahl auch für andere risikobehaftete Berufsgruppen und Bürger ab 65 Jahren anzubieten.

          Aufklärungskampagne geplant

          Der Demokrat kündigte unter anderem auch an, seine Regierung wolle eine große Aufklärungskampagne starten, um in der Bevölkerung Vertrauen in die Impfstoffe zu entwickeln. Bislang ist hier große Skepsis verbreitet.

          Biden betonte, für seine Vorhaben müsse der Kongress Geld freigeben. Er hatte am Donnerstag seine Pläne für ein weiteres billionenschweres Corona-Hilfspaket vorgestellt, in dem auch Milliardensummen zur unmittelbaren Bekämpfung der Pandemie vorgesehen sind – unter anderem für ein Impfprogramm und eine deutliche Ausweitung der Corona-Testkapazitäten. Die demokratische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sagte am Freitag Unterstützung für die Impfpläne zu: Die Kammer stehe bereit, mit der neuen Regierung zusammenzuarbeiten, um das Vorhaben sofort umzusetzen.

          Biden mahnte zu großer Eile und stimmte die Bevölkerung zugleich auf eine weitere Verschärfung der Lage ein. „Die Dinge werden schlimmer werden, bevor sie sich bessern.“

          Sorge bereitet auch die jüngste Warnung der Gesundheitsbehörde CDC, wonach die zuerst in Großbritannien entdeckte und wohl deutlich ansteckendere Corona-Mutation in den Vereinigten Staaten schon bald weiter verbreitet sein könnte als die ursprüngliche Variante. „Der vorausgesagte Entwicklungsverlauf dieser Variante in den Vereinigten Staaten weist Anfang 2021 ein schnelles Wachstum auf und wird im März zur vorherrschenden Variante“, teilte die Gesundheitsbehörde CDC am Freitag mit. Dies könne die medizinische Infrastruktur in den Vereinigten Staaten weiter anspannen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Arbeiten schon lange erfolgreich zusammen: der CDU-Vorsitzende Armin Laschet (links) und Nathanael Liminski (rechts)

          CDU-Vorsitzender : Laschets Vertraute

          Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident ist jetzt Bundesvorsitzender der CDU – und hat noch einiges vor. Auf wessen Rat hört er?
          Britische Zeitungen am Tag nach dem Interview.

          Harry und Meghan : Rassismus bei den Royals?

          Eine familiäre Seifenoper hat sich in eine kleine Staatsaffäre verwandelt. Wenn sich sogar Boris Johnson äußern muss, wurde tatsächlich eine „Atombombe gezündet“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.