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Nach Sturm aufs Kapitol : „Schamane“ zu mehrjähriger Haftstrafe verurteilt

  • Aktualisiert am

Das Bild vom „Schamanen“ im Kapitol ging um die Welt. Bild: dpa

Im Januar stürmten knapp 800 Personen das Kapitol in der US-Hauptstadt, um Joe Bidens Amtseinführung zu verhindern. Für einige blieb dies nicht ohne Folgen, wie ein Gerichtsurteil jetzt zeigt.

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          Bei der Erstürmung des Kapitols durch Anhänger des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump im vergangenen Januar ging sein Bild um die Welt: Der „Schamane“ aus Arizona mit dem Kopfschmuck aus Fell und Hörnern wurde zu einem der Gesichter des Angriffs auf das Parlament in Washington.

          Gut zehn Monate später wurde Jacob Chansley am Mittwoch in der US-Hauptstadt zu 41 Monaten Haft verurteilt, wie der Sender CNN und andere US-Medien übereinstimmend meldeten. Das Justizministerium hatte wegen Chansleys prominenter Rolle bei der Erstürmung des Kapitols 51 Monate Haft gefordert.

          Chansley war wenige Tage nach den dramatischen Ereignissen vom 6. Januar festgenommen worden. Er saß seitdem in Untersuchungshaft. Chansley hatte nach dem Angriff mit der Tat geprahlt. „Die Tatsache, dass ein Haufen unserer Verräter im Amt sich verbarrikadierte, Gasmasken aufsetzte und sich im unterirdischen Bunker zurückzog, halte ich für einen Sieg“, sagte er damals dem Sender NBC News.

          „Schamane“ gesteht Fehler ein

          „Was Sie getan haben, war furchtbar“, sagte Richter Royce Lamberth am Mittwoch an die Adresse des Angeklagten. Chansley zeigte sich reumütig. „Männer mit Ehre geben zu, wenn sie einen Fehler gemacht haben“, sagte der 34-Jährige. „Es war ein Fehler, in das Kapitol einzudringen. Es gibt dafür keine Entschuldigung.“

          In langen Ausführungen sprach Chansley von psychischen Problemen, unter denen er leide, und nahm Bezug auf Jesus, Mahatma Gandhi und Buddha. Er sagte: „Ich bin kein Aufständischer. Ich bin sicherlich kein inländischer Terrorist.“

          Chansley gehörte nach Angaben der US-Justiz zu den ersten 30 Angreifern, die am 6. Januar in das Innere des Parlamentsgebäudes stürmten. Er drang bis in den Plenarsaal des Senats vor und setzte sich sogar an das Pult, an dem zuvor der damalige Vizepräsident Mike Pence in seiner Rolle als Senatspräsident gestanden hatte. 

          Trump-Anhänger stürmten im Januar das Parlamentsgebäude in Washington.
          Trump-Anhänger stürmten im Januar das Parlamentsgebäude in Washington. : Bild: dpa

          Laut Anklage bezeichnete Chansley den Vizepräsidenten als „verdammten Verräter“ und schrieb auf einen Zettel: „Es ist nur eine Frage der Zeit. Gerechtigkeit wird kommen!“ Pence hatte die Wut vieler Trump-Anhänger auf sich gezogen, weil er sich weigerte, eine Zertifizierung des Siegs des Demokraten Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl vom 3. November 2020 zu blockieren. Einige Kapitol-Angreifer riefen sogar „Hängt Mike Pence“.

          Vor seiner Festnahme hatte Chansley sich nach offiziellen Angaben selbst bei der Bundespolizei FBI gemeldet und erklärt, dass er aus Arizona angereist sei, weil Trump alle „Patrioten“ nach Washington gerufen habe. Trump hatte seine Anhänger bei einer Kundgebung kurz vor der Erstürmung des Kapitols aufgestachelt. Er wollte damals verhindern, dass der Kongress den Sieg seines Kontrahenten Joe Biden bei der Präsidentenwahl offiziell bestätigt. Trump hat seine Niederlage gegen Biden bis heute nicht anerkannt.

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