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Konflikt in Syrien : Erdogan: Werden Tod Zehntausender Zivilisten in Idlib nicht hinnehmen

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Kriegsschäden in der Provinz Idlib, die am Dienstag Angriffsziel russischer Kriegsflugzeuge wurde. Bild: AFP

Die Offensive des Assad-Regimes gegen die letzte Rebellenbastion Idlib steht kurz bevor. Sollte Assad Chemiewaffen einsetzen, erwägen die Vereinigten Staaten und die Türkei einzugreifen.

          Die Türkei will einem Blutbad an Zivilisten bei einer möglichen syrischen Militäroffensive in der Provinz Idlib nicht tatenlos zusehen. „Wenn die Welt vor der Tötung Zehntausender unschuldiger Menschen beide Augen zudrückt, um den Interessen des Regimes zu dienen, werden wir weder von der Seitenlinie zuschauen noch ein solches Spiel mitspielen“, schrieb Präsident Recep Tayyip Erdogan am späten Freitagabend auf Twitter.

          Idlib im Nordosten Syriens ist die letzte Hochburg islamistischer Rebellen in dem Land, in dem seit sieben Jahren ein Bürgerkrieg tobt. Russland, die Türkei und Iran hatten sich bei einem Gipfel in Teheran am Freitag nicht auf ein gemeinsames Vorgehen zur erwarteten Offensive der syrischen Regierung einigen können. Die Türkei, die die Gegner von Präsident Baschar al-Assad unterstützt, konnte Russland und Iran als Verbündete Syriens nicht von einer Waffenruhe in der Provinz überzeugen.

          Die Türkei habe in Teheran klargemacht, dass Methoden, die keine Rücksicht auf das Leben von Zivilisten nähmen, nur den „Terroristen“ in die Hände spielten, schrieb Erdogan. Die Idlib-Frage müsse „im Geist von Astana“ gelöst werden, ohne Schmerz, neue Spannungen und mehr Leiden zu erzeugen. In der kasachischen Hauptstadt Astana waren im vergangenen Jahr auf Betreiben Russlands, der Türkei und Syriens erstmals syrische Konfliktparteien zu Gesprächen zusammengekommen.

          Vereinigte Staaten bereiten Militäreinsatz vor

          Die amerikanische Armee arbeitet derweil an militärischen Optionen für den Fall eines syrischen Chemiewaffeneinsatzes gegen die Zivilbevölkerung in Idlib. Über dieses Thema gebe es einen „Routinedialog“ mit Präsident Donald Trump, sagte Generalstabschef Joseph Dunford am Samstag auf einer Indien-Reise vor Journalisten. Es sei allerdings noch keine Entscheidung gefallen, ob die Vereinigten Staaten militärische Gewalt anwenden, sollte Syrien chemische Waffen bei einem Angriff auf Idlib einsetzen. Trump sei über solche Optionen unterrichtet worden.

          Der amerikanische Generalstabschef Dunford sagte, er wisse nicht, ob irgendetwas die drohende Offensive noch abwenden könne. Er nannte es nicht überraschend, dass auf dem Gipfeltreffen Russlands, der Türkei und Irans in Teheran keine Lösung gefunden worden sei.

          Die Vereinigten Staaten hatten zuletzt die Regierung in Damaskus vor dem Einsatz von C-Waffen gewarnt. Dem schloss sich am Donnerstag Frankreich an. Nach amerikanischen Angaben liegen zahlreiche Hinweise vor, dass die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al- Assad einen derartigen Einsatz vorbereiteten. Im Frühjahr dieses und vergangenen Jahres hatte die amerikanische Luftwaffe Ziele in Syrien bombardiert, nachdem es dort mutmaßlich zu Giftgasangriffen gekommen war.

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