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Vereinigte Staaten : Angeklagte Polizisten im Fall George Floyd beschuldigen sich gegenseitig

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Ein Plakat bei einer Kundgebung in Minneapolis fordert Gerechtigkeit für den getöteten George Floyd. Bild: AFP

Die Verteidiger der vier wegen des Todes des Schwarzen George Floyd angeklagten Polizisten fordern in einer Anhörung getrennte Prozesse, die Staatsanwaltschaft ist dagegen. Der Mordprozess soll im März beginnen.

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          Die Anwälte der vier wegen des Todes von George Floyd beschuldigten ehemaligen amerikanischen Polizisten fordern getrennte Verfahren für ihre Mandanten. Die Verteidigung jedes Einzelnen werde „antagonistisch“ sein, sagten sie am Freitag in einer Anhörung in Minneapolis. Die Staatsanwaltschaft forderte dagegen einen gemeinsamen Prozess für den Hauptangeklagten Derek C. und die drei weiteren an der tödlichen Festnahme am 25. Mai beteiligten früheren Beamten Thomas L., J.K. und Tou T.

          Sie argumentierten, dass die Beweisaufnahme – darunter Zeugenaussagen, Aufnahmen von Körperkameras und die Polizeirichtlinie bezüglich Gewaltanwendung – für jeden Angeklagten ähnlich seien. Zudem hätten die vier ehemaligen Beamten gemeinsam, als eine Gruppe, gehandelt.

          „Alle vier Angeklagten arbeiteten zusammen“

          George Floyd starb, mit Handschellen gefesselt und auf den Boden fixiert, als Derek C. ihm acht Minuten und 46 Sekunden das Knie auf den Hals drückte. Auf flehentliche Bitten Floyds, er bekomme keine Luft mehr, reagierte er nicht, wie ein von einer Passantin aufgenommenes Handy-Video zeigt, das weltweit bekannt wurde.

          Die Staatsanwaltschaft folgerte daraus: „Alle vier Angeklagten arbeiteten zusammen, um Floyd umzubringen: C., K. und L. fixierten Floyd mit dem Gesicht nach unten. Indem T. die Menge davon abhielt, einzugreifen, ermöglichte er den anderen Angeklagten, ihre Positionen zu halten. Die Angeklagten diskutierten und koordinierten ihre Handlungen während des gesamten Zwischenfalls.“

          Doch die Verteidiger sehen das ganz anders. Die von K. und L. sagen, ihre Mandanten seien Anfänger unter C.s Kommando gewesen. Der von T.. erklärte, die Rolle seines Mandanten sei „absolut verschieden“ von der der anderen gewesen, weil er die Örtlichkeit abgeschirmt habe. Und der Anwalt des Hauptangeklagten C., Eric Nelson, erklärte schriftlich, die Staatsanwaltschaft müsse beweisen, dass C. die Absicht gehabt habe, Floyd tätlich anzugreifen, und sie müssten auch beweisen, dass die anderen Beamten von C.s Absichten wussten, bevor Floyd starb. Im Ergebnis müsse sich C. anders verteidigen als seine ehemaligen Kollegen. „Die anderen Angeklagten werden klar sagen, dass, wenn ein Verbrechen begangen wurde, sie weder davon wussten noch dabei geholfen haben“, schrieb Nelson. „Sie beschuldigen C.“

          Der 44 Jahre alte Hauptverdächtige C. ist wegen Mordes zweiten und dritten Grades sowie Totschlags angeklagt. Als Mord zweiten Grades gilt, wenn der Täter ein Schwerverbrechen begehen wollte und das Opfer dabei unbeabsichtigt tötete. Mord dritten Grades entspricht in etwa Totschlag nach deutschem Recht. Den drei anderen Polizisten wird Beihilfe vorgeworfen.

          Die Verteidiger stellten den Schwarzen Floyd zudem als Gefahr für die Allgemeinheit dar. Floyd sei wahrscheinlich auch nicht gestorben, weil ihm der Hauptangeklagte minutenlang das Knie gegen den Hals gedrückt habe, sondern weil er Drogen genommen habe, argumentierten die Anwälte Earl Gray und Nelson in Gerichtsdokumenten. Die Familie Floyds wies das zurück.

          T.s Anwalt, Bob Paule, forderte zusammen mit seinen Kollegen eine Verlegung des Prozesses aus Minneapolis. Die Geschworenen sollten zudem von der Öffentlichkeit abgeschirmt werden und anonym bleiben. Den Justizbehörden des Staates Minnesota warf er vor, einen fairen Prozess unmöglich gemacht zu haben, indem sie den Tod Floyds als „Mord“ bezeichnet hätten.

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