https://www.faz.net/-gpf-9olpe

Kandidaten sammeln Spenden : Millionen für die Demokraten

  • -Aktualisiert am

Pete Buttigieg hat in den vergangenen drei Monaten mehr als 24 Millionen Dollar an Spenden eingenommen. Bild: AFP

Die demokratischen Präsidentschaftsbewerber sammeln Millionenspenden von Bürgern ein, die per Klick ein paar Dollar für ihren Favoriten beisteuern können. Auch die Republikaner wollen nun stärker um kleine Spenden werben.

          Wenn es nach den Wahlkampfspenden geht, dann ist er ein Favorit im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur 2020: Pete Buttigieg, der 37 Jahre alte Bürgermeister der Stadt South Bend in Indiana, konnte seine Spendeneinnahmen im zweiten Quartal 2019 verdreifachen. Die Amerikaner überwiesen „Mayor Pete“, der zu Beginn des Jahres noch weitgehend unbekannt war, in den vergangenen drei Monaten 24,8 Millionen Dollar.  Dabei spendeten der Kampagne zufolge 294.000 Menschen eine durchschnittliche Summe von rund 47 Dollar. In einer E-Mail an seine Unterstützer hieß es: „Pete's Botschaft kommt bei den Amerikanern an, und wir haben bewiesen, dass wir eine Organisation aufbauen, die mithalten kann.“ Buttigieg verbindet die traditionelle Ansprache von Großspendern mit einer Kampagne um Mini-Beiträge.

          Joe Biden, der ehemalige Vizepräsident, kann sich auf viele wohlhabende Stammspender der Partei verlassen. Bernie Sanders, der parteilose Senator aus Vermont und Kollegin Elizabeth Warren aus Massachusetts werben dagegen damit, dass sie vor allem von kleinen Spenden der Basis leben. Buttigieg verbindet beide Ansätze und ist damit äußerst erfolgreich. Der Bürgermeister hielt bislang 50 Veranstaltungen für wohlhabendere Spender ab, bei denen der Eintritt bis zu 2800 Dollar kostet. Das ist die maximale Summe, die eine Einzelperson laut Gesetz spenden darf. Buttigieg sprach aber auch bei Events, an denen Fans schon für 15 Dollar teilnehmen konnten. Von vielen dieser Spender-Treffen der Kandidaten ist die Presse ausgeschlossen.

          Offiziell melden mussten die Kandidaten ihre Spendeneinnahmen am Montag noch nicht, das müssen sie bis zum 15. Juli tun. Buttigieg konnte die maximale Aufmerksamkeit nutzen, indem er die Zahl früh bekanntgab. Beobachter gehen davon aus, dass er sich im zweiten Quartal an die zweite Stelle  gekämpft haben könnte, was das Spendensammeln angeht. Die „New York Times“ verglich das Tempo, mit dem sich Buttigieg eine breite Spenderbasis aufbaute, bereits mit dem Aufstieg Barack Obamas.

          Rufus Gifford, Finanzchef von Obamas zweitem Wahlkampfteam, sagte der Zeitung über Buttigiegs Team: „Die haben eine fantastische Kampagne aufgebaut.“ Laut der NYT gibt es unter den Spendensammlern für den Bürgermeister mehrere ehemalige Diplomaten der Obama-Regierung, darunter die damaligen Botschafter in der Slowakei, Kanada, den Niederlanden, Italien und Österreich.

          Öffnen

          Nun wird darüber spekuliert, wie viel Joe Biden und die anderen Kandidaten im zweiten Quartal eingenommen haben. Biden hatte im ersten Vierteljahr seine Kandidatur noch nicht erklärt, so dass Bernie Sanders mit mehr als 18 Millionen Dollar geführt hatte. Die Senatorin Kamala Harris aus Kalifornien hatte damals 12 Millionen Dollar Einnahmen gemeldet, der ehemalige Abgeordnete Beto O'Rourke aus Texas 9,3 Millionen Dollar und Elizabeth Warren 6 Millionen. Für O'Rourke flaute der Enthusiasmus zuletzt merklich ab. Harris dagegen soll allein in den ersten 24 Stunden nach dem Start der Fernsehdebatte am vergangenen Donnerstag zwei Millionen Dollar an Einzelspenden erhalten haben. Beobachter gehen aber davon aus, dass Joe Biden mit deutlichem Abstand die höchste Summe im zweiten Quartal einnahm.

          Bidens Vorsprung scheint in den Meinungsumfragen unterdessen kleiner zu werden. In einer neuen CNN/SRSS-Umfrage unter Demokraten führt er mit 22 Prozent. Auf ihn folgen Harris mit 17 Prozent, Warren mit 15 und Sanders mit 14 Prozent. Harris‘ Wert stieg nach der ersten Debatte der Kandidaten in dieser Befragung um neun, Bidens sank um zehn Prozentpunkte. Auch Warren konnte sich um acht Punkte verbessern, während Sanders‘ Wert leicht nachgab. Trotz des Erfolgs beim Spendensammeln sieht diese Erhebung Buttigieg bei vier Prozent.

          Weitere Themen

          Mitten im Herzland

          FAZ Plus Artikel: Wahlkampf in Amerika : Mitten im Herzland

          Wer Donald Trump ablösen will, muss sich in Iowa beweisen. Auf dem riesigen Jahrmarkt in Des Moines geben sich im Jahr vor der Präsidentenwahl die Herausforderer des Präsidenten so volksnah wie nur möglich. Ob das reicht?

          Tausende Lehrer protestieren in Hongkong Video-Seite öffnen

          Protestwochenende angekündigt : Tausende Lehrer protestieren in Hongkong

          In Hongkong haben sich die regierungskritischen Proteste fortgesetzt. Trotz Regens gingen tausende Lehrer auf die Straße. Sie versammelten sich im zentralen Geschäftsbezirk und marschierten zum Sitz der umstrittenen Regierungschefin Carrie Lam.

          Topmeldungen

          Auch drei Düsen könnten genügen: Airbus A380 der Fluglinie Emirates.

          Airbus : Wann darf ein A380 mit drei Turbinen fliegen?

          Ein Airbus A380 braucht zum Fliegen nicht unbedingt vier Triebwerke. Er kommt auch mit einem weniger ans Ziel. Unter bestimmten Voraussetzungen und Vorschriften.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.