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Amerikas Soldaten in Syrien : Trumps Traum vom Öl in der Wüste

Syrischer Soldat auf einem Ölfeld nahe Palmyra (Archivbild) Bild: AFP

Der Präsident wollte eigentlich raus aus Syrien. Damit überließ er kurdische Verbündete den einmarschierenden türkischen Truppen. Dann aber ging es um Geld – und er machte kehrt.

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          So eine Gelegenheit für einen Seitenhieb lässt der iranische Außenminister sich nicht entgehen. Nun, bemerkte Dschawad Zarif am Mittwoch süffisant, die Amerikaner seien also jetzt in Syrien, um das Öl an der östlichen Grenze zu sichern. „Wenigstens ist Präsident Trump so ehrlich, zuzugeben, was die Vereinigten Staaten vorhaben.“

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Eine Woche vorher hatte Trump seine neuerliche Kehrtwende in Syrien erläutert. Mitten in dem blutigen Chaos, welches der unvermittelte Rückzug der amerikanischen Truppen aus dem Nordosten des Landes verursacht hatte, verkündete er: Amerika lässt jetzt doch Soldaten zurück, weil unter dem Sand Erdöl liegt. „Wir müssen womöglich für das Öl kämpfen, aber das ist okay“, sagte Trump. „Vielleicht will jemand anderes das Öl.“ Und auf einmal fuhren im Norden Syriens ankommende amerikanische Soldaten ihren abziehenden Kameraden entgegen.

          Gerade erst hatte Trump der Türkei den Weg frei gemacht für eine Offensive gegen kurdische Milizionäre, die im Pentagon eigentlich als zentrale Verbündete im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ geschätzt werden. Die völlig unvorbereiteten Kurden luden zu ihrer Verteidigung daraufhin die Truppen des syrischen Diktators Baschar al Assad in ihr bisheriges Machtgebiet ein. Dessen Schutzherr Wladimir Putin frohlockte. In Syrien, erklärte Trump zur Rechtfertigung, gebe es ohnehin nicht viel mehr zu holen als blutdurchtränkten Sand.

          Der beste Präsident?

          Und dann die Wende nach der Wende. Plötzlich spricht der Präsident über „enorme Mengen an Öl“. Er erklärt, man müsse diesen Schatz vor dem IS bewahren, man könne den Kurden auf diese Weise helfen. Einmal richtig in Fahrt, sagt Trump dann noch: „Und was ich vielleicht vorhabe, ist ein Geschäft mit Exxon Mobil oder einer unserer großartigen Firmen, um dort einzusteigen und es richtig zu machen.“

          Von den syrischen Ölfeldern verspricht sich Donald Trump eine Menge Geld.

          Nicht nur der iranische Außenminister frohlockte über diese Offenherzigkeit. Auch Assad sagte in einem Interview über Trump: „Ich sage, er ist der beste Präsident, nicht weil seine Politik gut ist, sondern weil er der transparenteste Präsident ist.“ Moskau dagegen, das jetzt doch wieder amerikanische Truppen in seine Syrien-Pläne einpreisen muss, schimpfte über „staatliches Banditentum“. Moskaus Propaganda führte Luftaufnahmen von stark begrenzter Aussagekraft als Beweis dafür an, dass der Diebstahl schon in vollem Gange sei, und unkte, Amerika werde damit wohl ewig weitermachen.

          In den Echokammern der westlichen Öffentlichkeit erhob sich Triumphgeheul. Wer schon immer überzeugt war, Amerika sei es im Nahen und Mittleren Osten immer und ausschließlich nur um Öl gegangen, glaubte nun, Beweise zu sehen. Hatte Washington das im Jahr 2003, als Amerika unter George W. Bush im Irak einmarschierte, nicht noch bestritten? Hatte Trump jetzt endlich die Wahrheit offengelegt?

          Ein monetärer Glücksfall

          Höchstens zum Teil. Die Leute in Washington, die Trump dazu gebracht haben dürften, einen Teilrückzug vom Abzug aus Syrien anzuordnen, hatten vermutlich anderes im Sinn. Viele im Pentagon und im Außenministerium hatten darauf gedrungen, Druck auf den „Islamischen Staat“ aufrechtzuerhalten sowie einen Hebel gegen die Ambitionen Putins und vor allem Irans in der Hand zu behalten. All das hatten sie dem Präsidenten wieder und wieder vergeblich erklärt.

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